Lokales

Nicht alle teilen S-Bahn-Euphorie

Mit S 1-Fahrplan begann in Dettingen und im Lenninger Tal der Ärger

Während die S-Bahn seit dem 13. Dezember im Halbstundentakt Kirchheim mit der Landesmetropole verbindet, bereitet der holprige Fahrplan der Teckbahn doch etlichen Eltern und Schülern Kopfzerbrechen. Die Gemeinden Dettingen, Owen und Lenningen haben die Scharten auszuwetzen.

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richard umstadt

Dettingen. Der Jubel war groß, als die S-Bahn im Dezember vergangenen Jahres nach über 30-jähriger Vorlaufzeit zum ersten Mal in den Kirchheimer Bahnhof einfuhr. Möglich war dies, weil 15 Kommunen und der Landkreis Esslingen mit dem Verband Region Stuttgart (VRS) und dem Land den Schulterschluss übten und 3,89 Millionen Euro solidarisch beisteuerten, darunter auch Dettingen, Owen und Lenningen. Der erste Block dieses Solidarpakts, abgeschlossen im Sommer 2005 in Wernau, betraf die S-Bahn-Verlängerung nach Kirchheim.

Der zweite Teil befasste sich mit der Modernisierung der Teckbahn zwischen Kirchheim und Oberlenningen. „Doch bereits damals war nicht nur mir klar, dass die Modernisierung der Teckbahn in relative Ferne rückt“, erinnert sich Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann. Der Grund: Region, Landkreis und Kommunen mussten den Landeszuschuss zur S-Bahn vorfinanzieren. Zur Modernisierung der Teckbahn liegt nichts mehr auf der hohen Kante. Man muss sich also wieder an den Verhandlungstisch setzen.

Doch nicht nur deshalb hält sich in Dettingen, Owen und Lenningen der Jubel über die grüne S 1 in Grenzen. Denn sehr schnell stellte sich heraus, dass die VRS-Experten ihr ganzes Hirnschmalz für die S-Bahn-Verlängerung verwendet hatten. Die Schülerbeförderung in Dettingen und im Lenninger Tal hatten sie offensichtlich nicht im Blick, denn wie anders ist es zu erklären, dass der Verband zur Hauptschulzeit plötzlich statt zwei Zügen nur noch einen Shuttle mit drei Wagen auf die Schiene schickte. Dies ließ so manchen Schüler Ende Dezember früh morgens etwas ratlos und desorientiert an den Owener und Dettinger Bahnsteigen stehen, denn die Eisenbahnwagen waren bereits voll. Zwar fuhren parallel dazu auch Busse, doch bis die Mädchen und Jungs bemerkten, dass sie in der Teckbahn nicht mehr unterkamen, konnten sie dem Bus nur noch hinterherwinken. Der fährt nämlich einige Minuten vor der Teckbahn ab.

„Das Chaos war perfekt. Kein Wunder, dass Klagen von Eltern kamen“, so Rainer Haußmann. Inzwischen scheint die Welt wieder einigermaßen in Ordnung. „Wir haben sofort Flyer verteilt, die Schulen informiert und im Mitteilungsblatt gebeten, die Schüler mögen sich rechtzeitig zwischen Bus und Bahn entscheiden. Mittlerweile funktioniert‘s.“ Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die Schulen in ihren Unterrichtszeiten flexibel zeigen.

Dies gilt im Übrigen auch für Schüler aus Lenningen, die ebenfalls täglich mit Bus oder Bahn gen Kirchheim rollen. Ein zusätzliches Problem am Ende des Tales sind die langen Wartezeiten der Gymnasiasten aus Gutenberg, Schlattstall und Schopfloch nach der fünften, zehnten und elften Unterrichtsstunde. Hier konnte die Gemeinde Lenningen nachjustieren. Für Schüler, die nach der zehnten Stunde Schulschluss haben, fährt seit Ende der Faschingsferien um 16.39 Uhr im Anschluss an den Zug aus Kirchheim ab dem Oberlenninger Bahnhof ein zusätzlicher Bus auf die Alb. Weitere Busfahrten sind für die Kommune finanziell nicht machbar. Die Lenninger müssten 11 000 Euro pro Jahr dafür hinblättern. Das wollte der Gemeinderat in der jetzigen Finanzlage nicht stemmen. Verhandlungen mit der Solidargemeinschaft stehen deshalb auf Lenningens Agenda.

Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann teilt auch die grundsätzlichen Bedenken von Nahverkehrsplaner Hartmut Jaißle gegenüber der Schiene-Bus-Kombination: „Wenn man schon die Schiene stärken will, sollte man auch alle Schüler mit der Eisenbahn transportieren und nicht zusätzlich Busse einsetzen.“ In ganz Baden-Württemberg gibt es keinen für die Eisenbahn zuständigen Aufgabenträger, der Passagiere von der Schiene abzieht.

Doch es hagelte nicht nur Kritik. Ein Lichtblick für alle Beteiligten ist die neue Busverbindung zwischen Dettingen, Owen und Nürtingen durchs Tiefenbachtal. Bürgermeister Haußmann: „Die funktioniert und wird gut angenommen. Vor allem von Berufsschülern.“