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"Nicht Geiz ist geil, sondern Qualität ist geil"

Grund zum Feiern besteht bei der BKK Scheufelen: Die Krankenkasse im Lenninger Tal ist nicht nur mit einem Beitragssatz von derzeit 12,3 Prozent eine der günstigsten in ganz Deutschland. Jetzt hat sie zudem die TÜV-Plakette "Service-Qualität" für Kundenzufriedenheit verliehen bekommen, und zwar als erste Betriebskrankenkasse in Baden-Württemberg.

IRENE STRIFLER

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LENNINGEN Die jüngste Entwicklung der BKK Scheufelen ist eindrucksvoll: Einem "gallischen Dorf" habe sie vor ihrer Öffnung geglichen, nahm Hausherr Dr. Ulrich Scheufelen anlässlich der gestrigen Pressekonferenz in Lenningen Anleihen bei Asterix: Gerade mal dreieinhalbtausend Versicherte zählte die Kasse noch zu Beginn dieses Jahrtausends. Doch das gallische Dorf wurde nicht etwa von den Römern niedergebrannt: Von 2004 bis heute ist die BKK Scheufelen auf 45 000 Mitglieder angewachsen und gehört längst zu den mittelgroßen Kassen im Land. 42 Mitarbeiter betreuen die Kundschaft.

Die Erfolgsgeschichte gründet im Wesentlichen auf zwei Säulen: Auf niedrigen Beitragssätzen einerseits und auf hohem Leistungsstandard andererseits. Gerade an letzterem Punkt soll auch in Zukunft weiter eifrig gefeilt werden. Dies beweist die Verleihung der TÜV-Plakette für Kundenzufriedenheit, an die sich regelmäßige Folgeüberprüfungen anschließen sollen.

Wie Wolfgang Allgaier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, erläuterte, wurde die Kasse nicht nur in puncto Erreichbarkeit, Geschwindigkeit und Kompetenz unter die Lupe genommen, sondern auch in allen technischen Abläufen auf Herz und Nieren überprüft. "Positiv überrascht hat uns ganz besonders die hohe Weiterempfehlungsquote von 98 Prozent bei der Kundenbefragung", freute sich Allgaier.

"Das ist wirklich phänomenal", betonte Herbert Huss vom TÜV Süddeutschland. Er ergänzte, dass die Messlatte für die Plaketten-Verleihung speziell im Bereich Service-Qualität sehr hoch hänge. Zehn verschiedene Bereiche, von A wie Angebotsvielfalt bis Z wie Zuverlässigkeit, wurden vom TÜV bewertet. Überall gab es die Noten "gut" bis "sehr gut".

"Bei der Überprüfung steht stets der Mensch, der Kunde im Mittelpunkt", stellte Mark Peters die praxisnahe Vorgehensweise dar. Er vertrat das Heidelberger Praxismanagement-Büro Bublitz-Peters, das die Untersuchung durchführte. Für Peters ist längst klar, worauf es im Umgang mit Kranken beziehungsweise mit Menschen generell ankommt: "Nicht Geiz ist geil, sondern Qualität ist geil."

Diese Erkenntnis prägt die Philosophie der heimischen Kasse: "Heute braucht man noch weitaus mehr Argumente als nur günstige Tarife", führte Vertriebsfachmann Francesco Di Primo vom Kundencenter aus: "Die Menschen wissen Qualität und guten Service zu schätzen."

Vorstandsvorsitzender Bernd Kratschmer betonte, dass die BKK Scheufelen besonderen Wert auf Vorsorge und Prävention lege und einige Modelle ganz speziell für Familien entwickelt habe. Dazu gehöre beispielsweise der "Family-Bonus", der Familien Ersparnis bringt, wenn sie regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt. "So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe", freute sich Kratschmer über eine überdurchschnittlich gesunde Klientel.

Dass generell nicht die billigste Variante auch langfristig die günstigste sein muss, ergänzte Wolfgang Allgaier. Als Beispiel mag die Beschäftigung einer Pharmazeutin bei der Kasse dienen, deren Aufgabe es ist, die Rezeptierung der Patienten nachzuvollziehen. Auch der Abrechnungsbetrag pro Krankenhausfall werde akribisch überprüft.

Trotz des explosionsartigen Anwachsens der BKK Scheufelen seit ihrer Öffnung im Jahr 2004 ist die Atmosphäre familiär, wie sich bei der gestrigen Pressekonferenz zeigte. "Sie sind mit dem Herzen dabei", bescheinigte Moderator Reimut Vogel, Chefredakteur des Baden-Württemberg Magazins, dem Firmenchef Dr. Ulrich Scheufelen. Und das, obwohl die Beziehung zwischen Papierfabrik und Kasse eher historischer Natur ist: Bereits 1888 wurde die BKK Scheufelen als eine der ersten Fabrikkrankenkassen in Deutschland gegründet. Sie hat sich längst verselbstständigt und stellt eine eigene Gesellschaft dar. Das Gros der Versicherten kommt natürlich nach wie vor aus dem Lenninger Tal sowie Kirchheim und Umgebung. Doch mittlerweile gibt es im ganzen Ländle Versicherte der BKK Scheufelen.

Beim Blick in die Zukunft bereitet den Verantwortlichen vor allem die Gesundheitsreform Kopfzerbrechen. "Für die Regulierung der Kassen braucht man keine Politik", meinte Bernd Kratschmer mit Blick auf die Aussage der Bundesgesundheitsministerin, wonach die Zahl der Kassen deutlich reduziert werden müsse: "1980 gab es in Deutschland noch rund 2000 Kassen, heute sind es 250", hielt Kratschmer die Gesetze des Marktes dagegen. Was den Risikostrukurausgleich angehe, so habe dieser in der jetzigen Form eine Berechtigung, räumte er ein. Nicht toleriert werden könne jedoch eine Verpflichtung zum Ausgleich der Betriebskrankenkassen untereinander. Dadurch würde unwirtschaftliches Handeln in der gesetzlichen Krankenversicherung zementiert.

Das Schlusswort hatte der Hausherr: "Was uns in Deutschland fehlt, sind ausländische Investoren", kommentierte Dr. Ulrich Scheufelen die wirtschaftliche Entwicklung und erinnerte an den Anteil amerikanischer Investitionen am deutschen Wirtschaftswunder. Dennoch zeigte sich der Unternehmer zuversichtlich: "Wir reden uns schlechter als wir sind in Deutschland."