Lokales

„Nicht in die falsche Richtung galoppieren“

AOK-Chef Kress zu den Klinikstrukturen

Der Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils, Dieter Kress, hat gestern begründet, warum er sich in die Diskussion um die Krankenhausstruktur eingemischt hat. Er wolle den Landkreis „davor schützen, in die falsche Richtung zu galoppieren“.

Esslingen. Ziel von Dieter Kress ist es, alle Kliniken im Landkreis an einen Tisch zu bekommen. Dabei müsse sich nicht nur der Landrat bewegen, sondern auch der Esslinger Oberbürgermeister.

Anzeige

Jeden Tag zahlt die AOK Neckar-Fils 750 000 Euro an die Krankenhäuser in der Region. Deshalb sieht sich Kress berechtigt, in die politische Debatte einzusteigen. Das Vorhaben des Landkreises, den Standort Plochingen aufzugeben, ist für ihn „unternehmenspolitisch zu kurz gesprungen“. Der Wettbewerb im Gesundheitsbereich werde immer stärker. Laut AOK-Zahlen suchen sich schon jetzt 30 Prozent der Patienten eine Klinik außerhalb der Kreisgrenzen. Die Stuttgarter Krankenhäuser seien dabei, sich zu einigen, die Universitätsklinik Tübingen sei an Expansion interessiert und der Neubau eines Krankenhauses in Winnenden werde sicher Auswirkungen auf das Städtische Klinikum Esslingen haben. Deshalb müsse im Kreis Esslingen ein gemeinsames Konzept erarbeitet werden. „Wenn sich jeder sein Leistungsspektrum heraussucht, dann wird‘s nicht wirtschaftlich“, sagt Dieter Kress.

Diesen Appell kann Kress bereits nächsten Montag an die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags richten. Er sei Landrat Heinz Eininger ausgesprochen dankbar, dass er so schnell auf seinen Brief reagiert habe, sagte Kress. Eininger hatte allerdings den Vorwurf des „Wettrüstens“ zurückgewiesen. Der AOK-Chef legte nun nach. So seien zum Beispiel Operationen an der Wirbelsäule planbar, da könne man doch einen Schwerpunkt im Landkreis einrichten, anstatt in Kirchheim und in Esslingen auf diesem Gebiet zu arbeiten.

Die AOK wolle auf keinen Fall die Grundversorgung in der Fläche reduzieren. Ob das ein Festhalten an Plochingen bedeutet, ließ Kress offen. Die Details müsse man mit den politisch Verantwortlichen besprechen. Kress denkt eher an eine Folgenutzung Plochingens, die eine Schwachstelle in der Versorgung deckt: die geriatrische Rehabilitation. In dieser könne man auch Innere Medizin anbieten. Das käme der Grundversorgung Plochingens zugute. Kress betonte, die AOK Baden-Württemberg sei bereit, bei den Budgets für Altersmedizin mehr Geld auszugeben.

Die SPD-Kreistagsfraktion hat die Stellungnahme des AOK-Geschäftsführers begrüßt. Der Brief an Landrat Eininger und Esslingens Oberbürgermeister Zieger sei ein „notwendiger und wichtiger Beitrag“. Die SPD habe schon zu Beginn der Diskussion über das Plochinger Krankenhaus die Einbeziehung aller Betroffenen gefordert. Die Fraktionsvorsitzende Sonja Spohn sagt dazu: „Die Äußerungen und Anfragen sind angebracht und ernst zu nehmen.“