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Nicht nur zur WM: Kostbares Wasser vom Stadiondach

Die Nutzung von Regenwasser hilft Kosten senken und leistet einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz. Effiziente Regenwassernutzungsanlagen werden daher zunehmend auch für Betreiber öffentlicher Gebäude und Industrie- und Freizeitanlagen interessant. Die Firma Aris aus Wernau gilt als führende Adresse auf dem Gebiet solcher Großprojekte.

WERNAU Rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft müssen auch die Rasen in den deutschen WM-Stadien in einem weltmeisterlichen Zustand sein. Eine wichtige Rolle bei der Pflege der Grasflächen, auf die ab Juni die Augen der Welt gerichtet sein werden, spielt dabei ihre Beregnung. Im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion wird hierfür nur sehr wenig wertvolles Trinkwasser eingesetzt: Die grüne Spielfläche wird hauptsächlich mit Regenwasser gesprengt, das auf der Dachfläche des Stadions gesammelt wurde. Das ist nicht nur preiswert, sondern auch das Richtige für einen gesunden und gepflegten Rasen.

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Mit niedrigem Aufwand gefiltertes Regenwasser erfüllt mühelos die Kriterien der europäischen Badewasserrichtlinie, das heißt Menschen können ohne Gefahr für die Gesundheit Kontakt mit diesem Wasser haben und auch mal einen Schluck davon zu sich nehmen. Dass Pflanzen mit Regenwasser gut gedeihen, weiß jeder Hobbygärtner, die Regentonne hinter dem Haus ist beliebter denn je.

Dennoch rauscht das wertvolle Nass allzu häufig ungenutzt über die Dachrinne direkt in die Kanalisation: als Abwasser, für das auch noch Gebühren zu entrichten sind. Und das nicht zu knapp, denn die Abwässergebühren sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Gleichzeitig verteuerte sich auch das Trinkwasser, sodass die Kosten für die Wasserver- und -entsorgung mittlerweile eine beträchtliche Belastung für viele Privathaushalte geworden sind. Bei Industriebetrieben oder Großanlagen wie Fußballstadien oder Konzerthallen ist das nicht anders. Daneben ist es aber auch unter ökologischen Gesichtspunkten höchst fragwürdig, mit hochwertigem Trinkwasser Toiletten zu spülen oder große Rasenflächen zu beregnen, während man das kostenlose Wasser von oben möglichst schnell in die Kanalisation ableitet. Es gibt also gleich mehrere gute Gründe für die Nutzung von Regenwasser, die Betreiber des Gottlieb-Daimler-Stadions haben reagiert und die vorbildliche Anlage am Cannstatter Wasen in Auftrag gegeben.

Realisiert wurde das innovative Regenwassernutzungssystem von einem Unternehmen aus der Region Stuttgart, das als Pionier auf dem Gebiet der Regenwassernutzung in öffentlichen Gebäuden und Industriebauten gilt. Die Firma Aris mit Sitz in Wernau war Ende der 1990er-Jahre bundesweit das erste Unternehmen, das eine spezielle Regenwasserzentrale für Groß- und Industrieanlagen entwickelte und vermarktete. Heute sind die Wernauer in Deutschland führend, wenn es um Großprojekte wie Flughäfen, Verwaltungs- und Firmengebäude sowie Schulzentren geht. "In enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Fachingenieuren erstellen wir für jedes Projekt ein Konzept, das auf alle objektspezifischen Belange Rücksicht nimmt", betont Aris-Geschäftsführer Stefan Prakesch. "Wirtschaftlich und technisch besonders interessant ist die Kombination der Regenwassernutzung mit Regenrückhaltung, Versickerung oder auch mit Feuerlöschanlagen."

Der grobe Aufbau einer Regenwassernutzungsanlage erscheint auf den ersten Blick wenig anspruchsvoll das besondere Know-how der Wernauer Ingenieure zeigt sich im Detail. Im Grundsatz wird zunächst von großen, dem Regen ausgesetzten Flächen abfließendes Wasser über einen Filter in einen Speicher meist in die Erde eingelassene Zisternen oder Regenrückhaltebecken geleitet. Durch die beruhigte Zuführung des Regenwassers können sich Schmutzstoffe und gelöste Schwermetalle am Boden des Speichers ablagern, was bereits zu einer Qualitätsverbesserung des Wassers führt. Der Überlauf des Speichers wird entweder in die Kanalisation abgeleitet oder durch eine Versickerung dem Grundwasser zugeführt. Bei Bedarf wird das gesammelte Wasser dann zu den einzelnen Verbrauchsstellen gepumpt.

Die entscheidende Rolle für Qualität und Zuverlässigkeit der Systeme spielt die Steuerung, die Messdaten über Füllhöhe, Wasserdruck oder Verbrauch verarbeitet und die Wassereinspeisung regelt. Bei Aris laufen die Fäden in der "Argus-Regenwasserzentrale" zusammen. Anschlussfertig vormontiert, enthält sie als kompakte, integrierte Einheit alle hausintern benötigten Komponenten eines Regenwassernutzungssystems: Steuerung, Druckerhöhung und die gebäudeinterne, bedarfsgerechte Trinkwassernachspeisung. Die Möglichkeit, zusätzliches Trinkwasser ins System zu leiten, wenn die Zisternen zu wenig Niederschlagswasser enthalten, ist mittlerweile Standard. "Dass die Trinkwassernachspeisung bei Großanlagen direkt an der Regenwasserzentrale erfolgt, ist jedoch eine Besonderheit der Aris-Systeme", hebt Stefan Prakesch einen Vorzug der Argus-Baureihe hervor.

Im selbst reinigenden Filtersystem der Anlagen steckt ebenfalls jede Menge Know-how. Die patentierte Eigenentwicklung weist zwischen Zu- und Ablauf keinen Höhenversatz auf. "Damit sind wir keinen Beschränkungen unterworfen, was die Größe der angeschlossenen Dachfläche angeht", so der Geschäftsführer weiter.

Prakesch und seine Mitarbeiter blicken hoffnungsvoll in die Zukunft. Man rechnet mit einer deutlichen Zunahme der Nachfrage nach Regenwassernutzungssystemen vor allem von Seiten der Industrie. Schließlich halten sich Kommunen zunehmend aus der Entwässerung neuer Gewerbegebiete heraus oder sie erlassen Einleitungsbeschränkungen für Regenwasser. "Vor diesem Hintergrund bedeuten Regenwassernutzungsanlagen auch ein Stück Zukunftssicherheit für die Betriebe", sagt Prakesch. Mit einer Kombination aus Nutzung und Versickerung werden sie beim Regenwasser unabhängig vom Agieren der jeweiligen Gemeinden.

Große Chancen sehen deutsche Anbieter von Regenwassernutzungssystemen auch im Export; schließlich gibt es in vielen Ländern zur Regenwasserspeicherung und -nutzung gar keine Alternative. In Indien etwa ist vor kurzem ein Regierungsprogramm in Kraft getreten, das die Regenwassernutzung für alle neuen Bauvorhaben vorschreibt ein riesiger Markt für die deutschen Anbieter, die international die Führungsrolle bei dieser Technologie übernommen haben.

pm