Lokales

Nichts geht ohne Grundstückseigentümer

Auf eine erste Prioritätenliste beim Gewässerentwicklungsplan für Fließgewässer in Lenningen einigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Dazu zählen der Ehnisbach in Unterlenningen, Weppach/Krötenbach in Brucken und Weilbach in Oberlenningen.

IRIS HÄFNER

Anzeige

LENNINGEN Zunächst stellte Manuela Eichendorf vom zuständigen Büro König und Partner dem Gemeinderat die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung vor. "Es kam nichts grundsätzlich Neues", so ihr Resümee. Insgesamt gab es von fünf Personen Anregungen. Unter anderem hatte die Lokale Agenda eine umfangreiche Liste erarbeitet und ein Landwirt gab seine Sichtweise weiter. Er sieht vor allem Probleme durch Verschattung der angedachten Gewässerrandstreifen. "Ich will die Planungen nicht ohne diejenigen durchsetzen, die hauptsächlich davon betroffen sind", erklärte Lenningens Bürgermeister Schlecht im Blick auf Landwirte und Gütlesbesitzer. Ein runder Tisch ist seiner Ansicht nach ein ideales Instrument, um zu einem gemeinsamen Nenner zu kommen. "Ein dauerhafter Erfolg ist nur mit den Anliegern möglich. Ich möchte möglichst niemand etwas aufdrängen", ist auch die Ansicht von Manuela Eichendorf.

Michael Schlecht sieht in der Umsetzung des Gewässerentwicklungsplans die Möglichkeit, über ökologische Gesichtspunkte nachzudenken, um dadurch eine Reduzierung der Hochwassergefahr zu erreichen. "Alles auf einmal anzupacken ist aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht möglich. Dies ist eine Generationenaufgabe", erinnerte er und machte deutlich, dass für ihn der Schutz des Menschen im Vordergrund steht.

Manuela Eichendorf will mit den vorhandenen Mitteln das Maximale erreichen. "Wir sollten dort ansetzen, wo die Schäden am häufigsten auftreten und am größten sind", nannte sie ihre Kriterien. Ihr Ziel ist klar definiert: Hochwasserschutz bei gleichzeitiger ökologischer Verbesserung der Strukturen von Ufer und Umfeld an den besonders betroffenen Gewässerabschnitten. "Auf Grund der Dringlichkeit empfiehlt sich eine schnelle Umsetzung", so die Planerin. Der Ehnisbach in Unterlenningen steht auf ihrer Liste ganz oben. Als erstes sollten Ablagerungen wie Holz, Grünschnitt oder Folien entfernt werden, die bei Hochwasser Durchlässe wie Dolen oder Gitter verstopfen können. Die Herstellung von naturnahen Wasserrückhaltevolumen an geeigneten Stellen entlang des Bachlaufs ist dann der nächste Schritt. Zum Schutz des Ortsrandes sollten Dämme und Gräben gebaut werden. Naturnahe Gewässerrandstreifen sind ein weiteres Ziel, da sie das Wasser schon im Bachlauf bremsen. Ferner sollten technische Uferbefestigungen und nicht benötigte Durchlässe im Oberlauf beseitigt und der Eigenentwicklung in geradlinigen Gewässerabschnitten Raum gegeben werden. Nicht zu vergessen ist auch das Flächenmanagement, sprich die Möglichkeit zum Tausch von Flächen, um an geeigneter Stelle beispielsweise Brennholz lagern zu können. Diese Punkte gelten im Groben auch für Weppach/Krötenbach und Weilbach.

Nicht zu vergessen in der ersten Prioritätenliste ist auch der vorbeugende Hochwasserschutz bei der Planung neuer Baugebiete sowie die Ausbildung naturnaher Gewässerrandstreifen zur ökologischen Verbesserung von Qualität und Strukturen der Gewässer, Ufer und des angrenzenden Umfelds. "Die Umsetzung des Plans hat viel mit Aufklärung zu tun. Es sollte möglichst jeder betroffene Anlieger angesprochen werden", so die Erfahrung von Manuela Eichendorf.

Mit der ersten Prioritätenliste zeigte sich der Gemeinderat einverstanden. Zudem drängte das Gremium auf eine schnelle Umsetzung. "Von jetzt auf nachher geht es nicht. Wir brauchen nun eine exakte Aufnahme des Geländes, um Bereiche genau abgrenzen zu können sowohl was die Höhen anbetrifft, als auch die Eigentumsverhältnisse", zeigte die Planerin die nächsten Schritte auf. Danach kommen dann die üblichen Planungsmechanismen in Gang.

Deshalb war es eine logische Folge, dass der Gemeinderat dem Planungsbüro einstimmig den Auftrag dazu erteilte. "Das Büro steht für naturnahe Maßnahmen und setzt dort Technik ein, wo sie vonnöten ist", lautete das Urteil von Michael Schlecht. Das Büro wird nun die Geländegrundlagen ermitteln und im zweiten Schritt die Vorplanungen mit den Betroffenen am runden Tisch besprechen. Erst danach liegt der Entwurfsplan mit den Resultaten vor, über den dann der Gemeinderat diskutieren kann.