Lokales

Nie „absolut sicher“

Lehren aus dem Weihnachtsmarkt-Brand

Eine echte Katastrophe wäre möglich gewesen nach dem Feuer auf dem Weihnachtsmarkt am Mittwochabend. Doch die Helfer konnten sie mit vereinten Kräften gerade noch verhindern. Dennoch blickt jetzt die ganze Republik auf den Kirchheimer Weihnachtsmarkt, von SWR bis ZDF.

Irene Strifler

Kirchheim. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ist am Donnerstag unfreiwillig zum Fernsehstar geworden. Noch sitzt ihr der Schrecken über die Gas

explosion tief in den Gliedern. Doch über eines ist die Stadtchefin froh: Dass die Rettung vorbildlich funktioniert hat und kein Versäumnis seitens der Stadt vorliegt. Die Crêp

es-Bäckerin, die die Explosion durch einen Bedienungsfehler ausgelöst haben soll, hat Verbrennungen zweiten Grades erlitten. Sie liegt im künstlichen Koma und wird laut Aussagen der Polizei am Montag operiert. Eine weitere Person ist leicht verletzt.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten vor Marktbeginn einen kritischen Blick auf die Anordnung der Buden und die Fluchtwege geworfen. Für nächstes Jahr schwebt Ordnungsamtsleiter Marcus Deger eine intensive Information der Marktleute mit klaren Regeln über die Aufbewahrung von Gasflaschen vor. „Es gibt Städte, in denen ausgewiesene Fachleute mit der Kontrolle beauftragt werden“, sagt er. Dies sei in Esslingen der Fall.

„Die Märkte in Esslingen und Kirchheim, das sind zwei Welten“, weiß Gastronom Reinhard Segatz aus langjähriger Erfahrung als Marktbetreiber. „Man darf natürlich bei der Sicherheit nicht sparen“, betont er, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass ein kleiner Kunsthandwerkerstand eben nicht mehr nach Kirchheim komme, wenn er einen extra Sicherheitsobolus entrichten muss. In den über zwei Jahrzehnten, in denen er den Markt organisiere, sei noch nie etwas passiert, meint Segatz und rauft sich die Haare. Die Chancen, Gas ganz aus dem Marktgeschehen zu verbannen, schätzt er gering ein: „Allein so ein Cr

êpes-Stand hat drei Crêpes-Geräte, jedes davon ist an eine Gasflasche angeschlossen“, rechnet er vor. Heiß diskutiert wird auch die „Stuttgarter Lösung“. In der Landeshauptstadt wird der Markt ausschließlich elektrisch betrieben. Was dies an Investitionen und höheren Betriebskosten mit sich bringen würde, soll in den nächsten Wochen genau untersucht werden. Marktbetreiber, Stadtverantwortliche und die Feuerwehr haben sich darauf geeinigt, in einem gemeinsamen Gespräch Lehren für die Zukunft zu ziehen. „Wir wollen daraus auch für andere Veranstaltungen lernen“, sagt Angelika Matt-Heidecker.

Klar ist für alle, dass sich am Weihnachtsmarkt etwas ändern muss. Ideen geistern nicht nur in den Köpfen der Stadtchefin und des Marktveranstalters herum. „Wir wollen auf keinen Fall einen 13. Monatsmarkt“, fasst Segatz die Problematik zusammen, zwischen stark frequentierten Weihnachtsmärkten in Touristenstädten wie Esslingen oder Ulm bestehen zu können. – Ohne Weihnachtsmarkt soll die Marktstadt Kirchheim jedoch keinesfalls sein.

Dass es absolute Sicherheit nie geben kann, akzeptieren die Marktbesucher ganz offensichtlich. An den vergangenen Abenden herrschte jedenfalls Hochbetrieb auf dem Kirchheimer Weihnachtsmarkt.

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