Lokales

"Niveau ist eines Politikers unwürdig"

Auf den offenen Brief des SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold an den Vorsitzenden der Kreisärzteschaft, Dr. Hanns-Joachim Schmidt, hat dieser nun ebenfalls mit einem offenen Brief reagiert. Das Schreiben wird im folgenden Text auszugsweise abgedruckt und hängt in vielen Arztpraxen in und um Kirchheim aus.

KIRCHHEIM Rainer Arnold hatte der Ärzteschaft mit ihrer Anzeigenserie gegen die Gesundheitspolitik Angstmache vorgeworfen. Patienten würden instrumentalisiert.

Anzeige

In seiner Entgegnung widerspricht Dr. Hanns-Joachim Schmidt besonders dem Vorwurf, die Ärzteschaft hätte nur die eigenen wirtschaftlichen Interessen im Sinn. Dieses Niveau sei eines Politikers unwürdig, spielt er den Ball zurück. So seien die Ärzte nicht aufgrund eigener Interessen gegen die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte, sondern deshalb, weil sie eine vollständige Erfassung der Daten (fast) der gesamten Bevölkerung zum Ziel habe. Nur ein Politiker könne glauben, dass elektronische Zugangs-Codes nicht geknackt werden könnten.

Weiter wehrt sich Schmidt gegen den Vorwurf, die Ärzteschaft laufe erst jetzt Sturm gegen die Praxisgebühr. "Politiker haben ein kurzes Gedächtnis", heißt es im Wortlaut. Vertreter der Ärzteschaft seien vielmehr bereits unmittelbar nach Einführung der Zehn-Euro-Regelung bei Arnold vorstellig geworden, um "eine Resolution gegen diese unsägliche Regelung" abzugeben. Dort seien sie jedoch mit "unsäglicher Arroganz abgekanzelt worden".

Zur Unterstellung wirtschaftlicher Interessen sagt Schmidt: "Das hängt uns Ärzten allmählich zum Hals raus!" Die große Koalition versuche, den Ärzten mit Taschenspielertricks das Geld für die medikamentöse Therapie der Patienten von hinten aus der Tasche zu ziehen.

Schließlich fasst der Vorsitzende der Kreisärzteschaft zusammen: "Wir Ärzte sind gegen die zehn Euro Eintrittsgebühr für unsere Praxen. Wir sind gegen die Einführung einer Bonus-Malus-Regelung für unsere Verschreibungen. Wir Ärzte sind gegen die geplante Datenerfassung auf einer elektronischen Gesundheitskarte."

Abschließend betont Dr. Hanns-Joachim Schmidt, die Ärzteschaft Nürtingen sei unverändert für einen Dialog mit den Politikern offen und hatte sich auf den Besuch der Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Marion Caspers-Merk, gut vorbereitet. Daher bedauerten die Ärzte, dass es am 11. Mai nun doch nicht zu einer Diskussion mit ihr kommen werde (siehe Artikel rechts) und hofften, den Dialog später wieder aufnehmen zu können.

tb