Lokales

"Njet" zum "Schnellschuss"

KIRCHHEIM Um ein Kräftemessen zwischen Weltmächten ging es wahrlich nicht. Dennoch wehte ein

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IRENE STRIFLER

Hauch von Kaltem Krieg durchs Ratsrund, zumindest verbal. Auf der Tagesordnung stand der unschuldig formulierte Punkt: "Weiterentwicklung der Ortschaftsverwaltung Nabern in einen Bürgerservice Nabern". Wenn das so einfach wäre.

Wie im Jahr 2006 vom Gemeinderat beschlossen, hatte zwischenzeitlich ein Arbeitsausschuss der Verwaltung getagt. Sein Ziel, laut Vorlage: "eine Konzeption zur Optimierung der Arbeitsabläufe in der Ort-schaftsverwaltung und im Ver- hältnis zur Kernverwaltung zu erarbeiten".

Gleichzeitig hatte sich jedoch der Ortschaftsrat mit der brisanten Materie befasst. Der wiederum bat nun um ein Zurückstellen des Themas bis zur Vorlage einer Gesamtkonzeption, erarbeitet selbstredend in den eigenen Reihen.

Seiner Enttäuschung über die schleppende Vorgehensweise des Ortschaftsrates machte Andreas Schwarz in geradezu jugendlicher Ungestümheit Luft. Der Vorsitzende der Grünen Alternativen fühlte sich spontan an Nikita Chruschtschows "Njet" zur Aussöhnung mit Amerika erinnert.

SPD-Vertreter Andreas Kenner lobte daraufhin süffisant das "pränatale Gedächtnis" des deutlich jüngeren Ratskollegen und mahnte mit der Weisheit des alten Hasen zu Gelassenheit. Er wiederum konnte sich nämlich daran erinnern, dass bereits in den 90er-Jahren derlei Gedanken im Rund diskutiert wurden. So komme es auf ein paar Monate hin oder her wahrlich nicht an. Schließlich handle es sich beim Thema Ortschaftsverwaltung um eine "diffizile Geschichte". Dahinter verbarg sich der Hinweis auf bekannte Animositäten zwischen Teilorten und Kernstadt.

"Das Ding muss sehr gut überlegt sein", betonte auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Kapp. Der Vertreter des Naberner Ortschaftsrates schlug zwar nicht mit dem Schuh auf den Ratstisch, machte jedoch seine ablehnende Haltung gegenüber einem "Schnellschuss" unmissverständlich klar. Der Ortschaftsrat wolle sich seiner Pflicht zu einem fundierten Vorschlag keineswegs entziehen. Er habe aber nicht über eine aktuelle Stellenbewertung verfügt, ließ Kapp sanfte Kritik an der Vorbereitung durchklingen. Leicht indigniert wiederholte die Oberbürgermeisterin, worum es eigentlich gehe, zumindest aus ihrer Sicht: Nicht um das Beschneiden von Leistungen, sondern schlicht um eine effiziente Verwaltung.

Nun bleibt abzuwarten, ob die Konzeption des Ortschaftsrates in der Lage ist, eine kommunalpolitische Tauwetterperiode einzuleiten.