Lokales

„Noch engere Bande knüpfen“

Festakt zu 20 Jahren Städtepartnerschaft von Kalocsa und Kirchheim mit Reden, Tänzen und Musik

Die Bühne auf dem Martinskirchplatz vibrierte, als die beiden Tanzgruppen aus Kirchheims ungarischer Partnerstadt Kalocsa beim Festakt ihre lebensfrohen Tänze präsentierten. Auf die Ansprachen von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und Kalocsas Oberbürgermeister Gusztáv Török zur 20-jährigen Städtepartnerschaft folgte der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

PETER DIETRICH

Kirchheim. Warum beim erfreulich gut besuchten Festakt nach mehreren Regentagen plötzlich wieder die Sonne schien? Török wusste die Antwort: „Wir haben unserem Erzbischof den Auftrag gegeben, er solle mit seinem Chef sprechen.“ Die über tausendjährige ungarische Geschichte beschrieb Török als „Bild mit gemischten Vorzeichen“. „Erst nach Aufnahme des Christentums begann ein versöhntes Zusammenleben.“ Vor 20 Jahren hätten es die damaligen Politiker für an der Zeit gehalten, die 50-jährige Abgeschiedenheit zu beenden. „Unsere Städte haben zu dieser Entwicklung etwas beigetragen.“ Beim Wandel zu einem anderen gesellschaftlichen System habe Kalocsa von Kirchheimer Vereinen und Bürgern theoretische und praktische Hilfe bekommen. Oft seien bei Bier und Wein gehaltvolle Gedanken ausgetauscht worden. „Unsere Stadt konnte sich fast ohne Schwierigkeiten an die EU anschließen. Heute feiern wir, dass es sich gelohnt hat, sich vor 20 Jahren zu finden, 20 Jahre an der Freundschaft zu arbeiten.“ Die wirtschaftliche Zusammenarbeit, betonte Török, sei noch nicht ausgereizt, vor allem auf kommunaler Ebene.

In ihrer Rede blickte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zurück zu den Anfängen der am 5. Mai 1990 begonnenen Partnerschaft. Deren Wurzeln gingen im Übrigen noch weiter zurück: Schon 1987 reisten Herbert Reinelt vom Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsverein (MSSGV) und Altstadtrat Hausmann nach Kalocsa und knüp-ften erste Kontakte. „Es ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, wie fern sich die Länder des einstigen Warschauer Paktes und die der Nato noch vor 20 Jahren waren.“ Gerade die Ungarn hätten den Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs und die Öffnung der Mauer ermöglicht.

Angelika Matt-Heidecker hob die engen wirtschaftlichen Verbindungen hervor. Deutschland sei das mit Abstand wichtigste Zielland für ungarische Exporte. Die deutsche Autoindustrie habe sich als einer der größten Investoren in Ungarn erwiesen. 27 Prozent der ausländischen Investitionen in Ungarn tätigten deutsche Firmen. Beim Umstieg auf erneuerbare Energien sei Ungarn ein Vorbild. Matt-Heidecker hoffte, dass kommunale Unternehmen während des Besuchs erste Kontakte knüpften.

Kirchheims Stadtchefin nannte viele Beispiele für die lebendige Partnerschaft: Seit vielen Jahren pflegt die Freihof-Realschule einen Schüleraustausch, auch über eine Distanz von 1 200 Kilometern. Der Gesangverein Eintracht bringt sich ein, Vizechorleiter Samuel Kastner organisiert privat Fahrten nach Kalocsa. Der Trachtenverein Kirchheim unterhält ebenso Kontakte wie die Kirchenchöre der Martinskirche. Zwischen der Musikschule Kirchheim und der Kunstschule Ferenc Liszt bestehen seit vielen Jahren partnerschaftliche Beziehungen. Die Oberbürgermeisterin hofft, „dass es in den nächsten Jahren gelingt, auch auf sportlichem Gebiet wieder neuen Austausch zu begründen“. Auch die Stadtkapelle wolle neue Bande nach Kalocsa knüpfen.

Kirchheim wolle nicht möglichst viele Partnerschaften eingehen, sondern die bestehenden pflegen, sagte Angelika Matt-Heidecker. Mit Kalocsa genauso wie mit Rambouillet, entstanden als Zeichen der Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland. Gemeinsam lasse sich die Wirtschaftskrise besser bewältigen. „Es ist notwendig, dass wir zukünftig noch enger zusammenrücken. Auf der kommunalen Ebene ist dies am besten möglich.“

Nach dem Eintrag der beiden Stadtoberhäupter ins Goldene Buch der Stadt spielte die Stadtkapelle Beethovens „Ode an die Freude“, die 1972 offiziell zur Europahymne erklärt wurde. Dann bot ein Stehempfang Gelegenheit zur Begegnung. An drei Marktständen gab es Waren aus Kalocsa und Umgebung und die beiden Tanzgruppen präsentierten ihr Können fröhlich an verschiedenen Plätzen der Innenstadt.

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