Lokales

Noch immer fehlt ein Teil der Beute

ESSLINGEN Die beiden Hauptangeklagten, die zur Tatzeit im Raum Göppingen gewohnt hatten und heute in Bayern leben, gaben sich vor dem Schöffengericht alle Mühe, ihre Tat als spontane Aktion darzustellen. Tatsächlich war ihr Plan reichlich laienhaft, hatte aber zunächst Erfolg.

Anzeige



Es war der 7. Februar 2002, als Hermann H. die Gunst der Stunde nutze. Er arbeitete seit wenigen Wochen bei der Esslinger Firma Alix Security und war an diesem Vormittag zusammen mit einem Kollegen für einen Geldtransport eingeteilt. Als der Beifahrer in der Volksbank in der Fabrikstraße der zweiten Station der Tour ungewöhnlich lange braucht, greift er zu: Er steigt in den Laderaum des Transporters, in dem 730 000 Euro der Landeszentralbank in verschiedenen Kisten liegen, stapelt sie in seinen Rucksack und flüchtet zu Fuß. Am Esslinger Marktplatz greift ihn sein acht Jahre älterer Komplize Joze P. auf, den er zuvor per Handy verständigt hatte. Die beiden fahren mit einem Mietwagen ins SI-Centrum nach Stuttgart-Möhringen, wo sich H. ein Hotelzimmer mietet. Zwei Bündel Scheine, es waren 40 000 Euro wie sich später herausstellt, stopft er in seine Jackentaschen, den Rest bringt Joze P. zu seinem Bruder, der in der Nähe von Dachau wohnt.



Trotz intensiver Fahndung tappte die Polizei zunächst im Dunkeln. Offenbar ist es dem Tipp eines ehemaligen Alix-Mitarbeiters zu verdanken, dass H. noch am Abend im SI festgenommen wurde. Der Anrufer hatte von den kriminellen Plänen des Gesuchten gehört, sie aber für Hirngespinste gehalten. Festgenommen wurde in Möhringen zudem Hermann Hs. damalige Lebensgefährtin, die als Lockvogel schnell zu Joze P. führte. "Ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen", so schilderte Hermann H. der Amtsrichterin, wie es zu der Tat kam. Nachdem er sich zum Personenschützer hatte ausbilden lassen, drückten ihn Schulden. Er habe geplant, sich zu stellen, während sein Komplize das Geld in Sicherheit bringen sollte.



Der Polizei wollte er dann glauben machen, dass er die gesamte Beute in einer Spielhalle verjubelt habe. Bis heute fehlen von der Beute 20 000 Euro. Wo sie geblieben sind? Keiner der Angeklagten konnte oder wollte das erklären. Staatsanwältin wie Richterin hielten den beiden Hauptangeklagten dennoch zugute, dass sie um Schadenswiedergutmachung bemüht waren und den Großteil der Beute zurückgaben. Eingefädelt hatte dies der Verteidiger von Joze P. Er hatte die Ermittler zu dem Geld geführt und im Gegenzug erwirkt, dass die Haftbefehle ausgesetzt wurden.



Jeweils ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung für die Hauptangeklagten lautete am Ende das Urteil, zudem muss jeder 3 000 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen. Milan P., der den Tresor verwahrt hatte, muss eine Geldstrafe zahlen, das Verfahren gegen die Freundin wurde eingestellt. Vertreter der Firma Alix kündigten an, die fehlenden 20 000 Euro zivilrechtlich einzufordern.