Lokales

Noch kaschieren Rabatte die Teuerung

Noch ein paar Tage 16 Prozent, seit dem 1. Januar offiziell eigentlich schon 19 Prozent oder sogar nur 0 Prozent? Dem Verbraucher schwirren die Zahlen nur so im Kopf herum. Elektrogroßhändler und große Einzelhandelsfirmen versuchten in den letzten Tagen nochmals Kunden mit dem alten Mehrwertsteuersatz anzulocken, manche versprachen sogar ihre Artikel ohne jegliche Mehrwertsteuer an den Verbraucher zu bringen. Der Clou: 19 Prozent weniger auf bestimmte Elektronikartikel.

RUDOLF STÄBLER

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KREIS ESSLINGEN Den schweren Kopf am 1. Januar gab es auch noch zum alten Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent. Denn wer in das neue Jahr hineinfeierte wurde steuerlich nicht mit dem Glockenschlag von der Erhöhung betroffen. So wurde die Silvesterparty noch "gerettet". Zwar galt nach Mitternacht überall im Land die neue Mehrwertsteuer, was allerdings für Silvesterpartys nicht galt. Voraussetzung hierfür war aber, dass die Party bereits im alten Jahr begonnen hat.

Sicher ist auf jeden Fall eine hohe Mehrbelastung für Verbraucher. 19 Prozent, statt bisher 16 Prozent, müssen "geschluckt" werden, wenn dies auch bisher noch nicht so gegriffen hat. Wenigstens zurzeit gibt der Handel den vollen neuen Satz nicht weiter, die Verbraucher könnten profitieren. Aber: der Verbraucher hält sich momentan zurück.

Sicherlich hat die jetzt geltende höhere Mehrwertsteuer in vielen Fachgeschäften zu gesteigerten Umsätzen vor dem Jahreswechsel geführt. Im Allgemeinen blieben die Kunden allerdings besonnen. Sogenannte Panikkäufe blieben aus. Die in den letzten Tagen vor dem Jahreswechsel noch geltende Mehrwertsteuer von 16 Prozent animierte zwar viele Kunden sogenannte Luxusartikel noch schnell zu erwerben. Mehr, so war laut einer Rückfrage bei einigen Geschäften oder auch der Autobranche nicht zu berichten.

Beim täglichen Bedarf wird das wohl etwas anders aussehen. So dürfte jede Tankfüllung jetzt wenigstens ein bis zwei Euro mehr kosten. Wobei der Spritpreis im Vergleich zu den Kosten zwischen Weihnachten und Neujahr nicht nur um die Mehrwertsteuer angehoben wurde. Hier hat sich der "Markt" wohl gleich auch noch ein paar Cent versprochen. Deutlich teurer wird es nach der jetzigen "Ruhephase" bei größeren Anschaffungen. Eine neue Waschmaschine mit einem Anschaffungspreis von 1500 Euro kostet künftig 45 Euro mehr, ein Auto im Wert von 30 000 Euro kostet, im März geliefert, 900 Euro mehr. Wer gerade plant, sich eigene vier Wände zuzulegen, tut gut daran, noch ein wenig zu sparen. Beim Kaufpreis von 250 000 Euro für eine Immobilie müssen nochmals 7500 Euro dazugezählt werden. Einen Lichtblick gibt es aber für die Verbraucher doch: Der Einkauf im Supermarkt belastet den Geldbeutel kaum mehr als bisher. Die meisten Lebensmittel unterliegen wie bisher dem ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent.

Sicher ist sich der Einzelhandelsverband, dass die Deutschen die höhere Mehrwertsteuer erst im Februar stärker zu spüren bekommen. Derzeit wird die Erhöhung durch eine Rabatt-Offensive nahezu total verdrängt. "Die Geschäfte tun alles, um ihre Preiswürdigkeit bei den Kunden herauszustellen", sagte der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE). Daher gebe es deutlich mehr Aktionen mit Preisnachlässen als sonst in den traditionell ruhigeren Wochen Anfang Januar nach dem Hochbetrieb im Weihnachtsgeschäft. Nach einer Übergangszeit sei es aber unumgänglich, zumindest ein Drittel der höheren Steuer weiterzugeben.

Vorerst können sich die Kunden wegen des Konkurrenzkampfes aber über Rabatte für etliche Waren, von Textilien bis Elektrogeräten, freuen, sagt der HDE-Sprecher. Sonderaktionen sollen das Interesse der Kunden ankurbeln, was aber zu Lasten der Erträge gehe. Insgesamt rechnet aber die Branche für 2007 mit einer Schwächung der Kaufkraft wegen Mehrbelastung vieler Bürger durch höhere Steuern und Abgaben. "Für den Einzelhandel wird es ein schwieriges Jahr", ist man sich bei HDE sicher. Auch beim Umtausch von Geschenken sehen die meisten Einzelhändler keinerlei Probleme.

In der öffentlichen Diskussion fast untergegangen ist, dass auch die Versicherungssteuer von 16 auf 19 Prozent angehoben wurde. Betroffen davon sind unter anderem die private Haftpflichtversicherung, die Kfz-Haftpflichtversicherung sowie die Kaskoversicherung. Abweichend davon steigt der Steuersatz bei Feuerversicherungen auf 14 Prozent, was insbesondere Auswirkungen auf Wohngebäude- und Hausratsversicherungen hat. Von der Steuererhöhung ausgenommen sind dagegen Lebens-, Renten- und Krankenversicherungen.

Nicht so erschrocken, was die Weitergabe der Mehrwertsteuer betrifft, zeigen sich viele Gastwirte. Das Feierabendbier kann da mal pro halbem Liter um 20 Cent teurer werden. Das hängt natürlich auch mit Bierpreiserhöhungen durch die Brauereien zusammen, die bereits im Jahr 2006 erfolgt sind. Und jetzt droht eventuell nochmals eine Erhöhung beim Bier. Qualitätshopfen ist äußerst rar auf dem Markt, weiß zum Beispiel Gastronom Michael Holz. Die Preiserhöhung bezieht sich in den Gaststätten natürlich auch auf Wein und alkoholfreie Getränke.