Lokales

Noch kürzere Wege zwischen Bus und Bahn

Seit gestern hat Oberlenningen einen regelrechten Verkehrsknotenpunkt: Einen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) direkt neben den Gleisen der Teckbahn gelegen. Mit einem bunten Programm, kostenlosen Busfahrten und im Beisein von zahlreichen Politikern wurde der ZOB seiner Bestimmung übergeben.

ANKE KIRSAMMER

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LENNINGEN Erst vor gut einem halben Jahr hatte der Lenninger Gemeinderat die Arbeiten für den Busbahnhof vergeben. Schon damals wurde der Termin für die offizielle Einweihung auf den 7. November festgelegt ein Termin, an dessen Einhaltung zwischendurch nur "Zweckoptimisten" geglaubt hatten, wie Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht gestern vor zahlreichen Zuhörern sagte. Er erinnerte noch einmal an die Berg- und Talfahrt auf dem Weg hin zur Realisierung des ZOB, wie er sich jetzt präsentiert: Vom erhofften "Durchbruch", den im Jahr 1999 der Erwerb des Bahnhofsgeländes markierte, über zahlreiche Verhandlungen mit Nachbarn und Planern bis zum Stolperstein "Entwidmung des Bahngeländes" durch das Eisenbahn-Bundesamt gab es für die Gemeinde eine Menge Hürden zu nehmen.

Der Rathauschef zeigte sich überzeugt davon, dass der ZOB genau an der richtigen Stelle eingerichtet worden ist. "Wir führen hier den Bus mit der Schiene zusammen." Im Blick auf die Diskussionen um die in Oberlenningen endende Teckbahn und die Entkoppelung von der S-Bahn betonte Schlecht: "Ich hoffe, dass die Teckbahn nicht aufs Abstellgleis geschoben wird." Und: Der neue Busbahnhof werde zwar nicht alle Risiken beseitigen können, leiste aber einen wesentlichen Beitrag für die Sicherheit der Schüler. Kinder und Jugendliche aus anderen Ortsteilen und aus Erkenbrechtsweiler, die das Schulzentrum in Oberlenningen besuchen, müssen jetzt nicht mehr an Haltestellen entlang der Straßen in Busse einsteigen, sondern haben jetzt einen zentralen Anlaufpunkt, den sie über einen Fußweg erreichen können. Alles in allem belaufen sich die Kosten für den neuen ZOB vom Erwerb des Areals bis zum Bau auf rund 1,5 Millionen Euro. Über 900 000 Euro davon müssen von der Gemeinde geschultert werden, die restlichen knapp 600 000 Euro fließen als Landeszuschuss. Damit hat sich das Land Baden-Württemberg mit 85 Prozent an den zuwendungsfähigen Kosten beteiligt. "Wenn Städte und Gemeinden auch sonst auf das Land schimpfen heute sind Sie von Schuld freigesprochen", sagte Schlecht an Dieter Hillebrand, Staatssekretär im Umwelt- und Verkehrsministerium, gewandt.

Hillebrand sprach indes von einem Meilenstein für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Lenningen, der mit der Einweihung des Zentralen Busbahnhofs erreicht worden sei. Er hob die kurzen Wege zwischen Bus und Bahn hervor und begrüßte die im gleichen Zug erstellten Park-and-Ride- sowie Park-and-Bike-Plätze. "Ich hoffe, dass die Gemeinde Lenningen damit auch vom Individualverkehr entlastet wird." Der Ausbau der Infrastruktur des ÖPNV gerade auch im ländlichen Raum sei schon in der Vergangenheit nachhaltig vom Land unterstützt worden. Allein in den letzten fünf Jahren habe das Land zur Förderung der ÖPNV-Infrastruktur mehr als rund 1,2 Milliarden Euro und damit wesentlich mehr als für den Straßenverkehr ausgegeben. Hillebrand hielt jedoch nicht damit hinter dem Berg, dass es auch in diesem Bereich Sparzwänge gebe.

Zwar werde der ZOB vorrangig Schülern und Berufstätigen zugute kommen, sagte der Erste Landesbeamte Matthias Berg. "Wir werden aber hoffentlich auch die erwischen, die sich im Naherholungsbereich bewegen", so der Landrats-Vize im Hinblick auf die vielen Ausflügler, die sich am Wochenende die Albsteigen hinaufwälzen. Nur wenn Bus und Bahn mit kurzen Übergangszeiten Seite an Seite stünden wie jetzt in Oberlenningen, stellten sie fürs Auto eine ernst zu nehmende Konkurrenz dar. Berg machte deutlich, dass sich auch der Landkreis den ÖPNV mit jährlichen Ausgaben von rund 22,5 Millionen Euro einiges kosten lasse.

Ein Grußwort gab's auch von Dr. Witgar Weber, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS). Der größte Verkehrsverbund in Baden-Württemberg habe bei einem jüngst erstellten Kundenbarometer gute Noten vor allem hinsichtlich der Schnelligkeit bekommen. Er gab sich zuversichtlich, dass Lenningen künftig dank des ZOB noch bessere Werte erreichen werde.

Die große Bedeutung des Omnibusbahnhofs für den Schülerverkehr unterstrichen der Realschulleiter Klaus Erlenmaier und der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Jörg Kuhn. Sie riefen die Beharrlichkeit auf Seiten der Eltern hinsichtlich einer verbesserten und sicheren Schülerbeförderung in Erinnerung.

Heute, am ersten Schultag nach den Herbstferien, wird der neue ZOB seine Nagelprobe zu bestehen haben. Am gestrigen Sonntag jedenfalls herrschte reges Treiben unter dem überdachten Bus-/Bahnsteig und das Angebot, das Auto stehen zu lassen und sich kostenlos talabwärts in einem Oldtimerbus kutschieren zu lassen oder in einem modernen Niederflurbus einen Abstecher auf die Alb zu machen, war doch zu verlockend.