Lokales

Norbert Raif löst Ewald Metzger ab

RALPH GRAVENSTEIN

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FRICKENHAUSEN Kleine und mittelständische Betriebe haben auch in der Region mit einem harten Wettbewerb zu kämpfen, und so ist es kaum erstaunlich, dass nur recht wenige Mitglieder des BDS-Kreisverbands Esslingen nach Frickenhausen zur Firma Wohlhaupter gekommen waren: Das Geschäft geht vor, und das brummt derzeit in vielen Branchen. Daraus machte auch Gastgeber Frank Wohlhaupter keinen Hehl, der die Besucher der Kreisversammlung zunächst durch seinen Betrieb führte, bevor es an die Versammlungsarbeit ging.

Von großem Interesse war der Themenkomplex zur Ausbildung des Fachkräfte-Nachwuchses, bei dem sich die Selbstständigen hier wie anderswo in einem vielfältigen Spannungsfeld bewegen: Einerseits sei es für kleine Unternehmen kaum machbar, über den eigenen Bedarf hinaus auszubilden, wie der scheidende Kreisvorsitzende Ewald Metzger betonte: "Die Gewerkschaften verhindern auch durch ihre eigene Forderung nach einer hundertprozentigen Übernahmequote nach der Ausbildung, dass kleinere Unternehmen mehr Ausbildungsplätze schaffen", so Metzger, der andererseits dafür plädierte, den Ausbildungspakt zu unterstützen. Das jedoch sei nicht immer einfach, denn gut vorqualifizierter Nachwuchs werde immer rarer. Zudem stehe man im Wettbewerb um die "guten Azubis" mit großen Ausbildungsanbietern in der Region wie Bosch, Daimler oder Metabo.

Doch mit intelligenten Ansätzen können auch kleine Betriebe attraktive Ausbilder sein: Welche neuen Wege dazu gangbar sind, machte der Erfahrungsbericht von "Die Netzwerker"-Geschäftsführer Andreas Dannenberg und seinem Auszubildenden Simon Strack deutlich, die von ersten Gehversuchen mit einer Verbundausbildung erzählten. Das Prinzip der Verbundausbildung ist es, dass gleich zwei Betriebe einem Auszubildenden Fertigkeiten für das Berufsleben vermitteln im vorgestellten Fall wird Simon Strack sowohl bei dem IT-Dienstleister als auch von der Firma Russ wechselweise beschäftigt. Sowohl Chef als auch Azubi zogen nach knapp einem Jahr eine positive Bilanz: "Wir können im Verbund mit unserem Partner Russ eine Stelle bieten, die mehr umfasst als nur das, was wir im eigenen Haus machen", so Dannenberg.

Simon Strack hatte nach dem Erwerb der Fachhochschulreife im zweijährigen Berufskolleg erst an ein FH-Studium gedacht, sich dann jedoch bewusst auf die Verbund-Ausbildungsstelle beworben: "Die Konstellation hat mich einfach gereizt. Die Inhalte der dargestellten Ausbildung versprachen sehr vielseitig zu sein, was sich aus meiner Sicht auch bestätigt hat." Freilich müsse ein "Verbund-Azubi" damit klarkommen, dass man durch die doppelte Betriebszugehörigkeit oft nicht so recht dazu gehöre. Darum sei das Konzept nach Stracks eigener Erfahrung eher für reifere Bewerber geeignet, die selbstständiger seien als potenzielle Azubis, die etwa frisch von der Realschule kämen.

Das Konzept soll nach den Vorstellungen des BDS-Kreisverbands Esslingen auf jeden Fall weitere Kreise ziehen, wie Schriftführerin Heidi Kösters Praxisbericht erklärte: So seien kürzlich bei einer Veranstaltung mit der Volksbank Kirchheim-Nürtingen etliche weitere Unternehmen über das Projekt informiert worden.

Diese Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen zur Nachwuchssicherung ist ein klassisches Beispiel für die Aufgabe, die sich der BDS selbst gestellt hat, und die wird den neuen Vorsitzenden des Kreisverbands, Norbert Raif, ebenso auf Trab halten wie seinen Vorgänger Ewald Metzger, der nach Ablauf seiner Amtszeit nicht mehr für den Vorsitz der Kreisorganisation kandidierte: "Der Kreisverband Esslingen steht nicht nur in dieser Hinsicht für Quantität und Qualität", wie Landesgeschäftsführer Joachim Dörr bilanzierte Metzgers Arbeit habe die seines Vorgängers Manfred Raisch hervorragend fortgeführt, das erfordere einen "echten Macher".

"Die Bildung eines echten Netzwerks zwischen kleinen Unternehmen erbringt viele Chancen", so Norbert Raif, der als Unternehmer und Vizepräsident des BDS-Landesverbands von vielfältigen eigenen Erfahrungen in dieser Richtung berichten konnte. Sein Ziel sei es, diesen Netzwerkcharakter auch im Kreisverband Esslingen weiter zu fördern. Diese Vorgabe honorierten die Mitglieder denn auch mit einer fast einstimmigen Wahl des neuen Kreisvorsitzenden Raif. Ein gleich gutes Ergebnis konnten Ewald Metzger als neuer sowie Roland Sigel als wieder gewählter Stellvertreter des Vorsitzenden einfahren. Kassierer Günter Stoll, der zuvor von einem Plus in der Kreiskasse berichten konnte, wurde ebenso im Amt bestätigt wie Schriftführerin Heidi Köster. Einstimmig zu Beisitzern im Vorstand wurden Günter Kraft, Ralph Ziemann und Matthias Raisch gewählt.

Als Abschluss berichteten Bettina Schmauder und Wolf-Rainer Bosch von ihren sehr positiven Erfahrungen mit dem Projekt "Öko-Profit".