Lokales

Nordische Asse und geschickte Trialfahrer

BISSINGEN Wer den Ortsnamen Ochsenwang hört, denkt als gebildeter Schwabe sofort an den Dichterpfarrer Eduard Mörike und seine unglücklichen Liebesjahre in dem Dörflein auf der Schwäbischen Alb. Bekanntlich überdauerte das Kirchlein, in dem er einst predigte, bereits 300 Jahre Albstürme und andere. Doch

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RICHARD UMSTADT

der Ochsenwanger Dorfabend am Samstag um 19.30 Uhr im Gemeindesaal wird sich nicht um Mörike und seine Kirche drehen, das ist Schnee von 2006, sondern vielmehr um die sportliche Betätigung der Ochsenwanger. "Sport in Ochsenwang früher und heute" lautet das Motto. Dabei spielen allerdings Mörikes Kollegen in spe, die Schulmeister, eine nicht unwesentliche Rolle.

So war es denn auch ein Schulmeister, der die Initialzündung zur Gründung des Turnvereins Ochsenwang im Sommer 1922 gab. "Die (beim Gründungsfest) vorgeführten Freiübungen des Turnvereins, an welchen sich auch die Schuljugend beiderlei Geschlechts beteiligt hatte, zeugten davon, dass der Turnverein mit seinem Turnwart, Herrn Hauptlehrer Steinhilper, heute schon wirklich im Turnwesen etwas leisten kann", stand in der Ausgabe vom 11. Juli 1922 im Teckboten über die Anfänge des organisierten Sports in Ochsenwang zu lesen.

Nun, den Turnverein gibt es in der kleinen Albgemeinde, die seit der Gemeindereform zu Bissingen gehört, schon lange nicht mehr. Er löste sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Doch was Alfred und Gerhard Feller, Wolfgang Appel und Ernst Schmid, die den Dorfabend vorbereiten, an Material und Informationen zusammentrugen, ist erstaunlich und lässt nur einen Schluss zu: Ganz Ochsenwang war und ist sportlich.

"Wir sind überwältigt von der Vielfalt der Fotos, Urkunden, Plaketten, Startnummern und Zeitungsausschnitte", zeigt Alfred Feller, 58, auf die Auslage seines Arbeitstisches. "Irgendwann freilich mussten wir den Sack zuschnüren", verweist der Ochsenwanger Ski- und Radsportler auf die begrenzte Zeit beim Dorfabend. Schließlich wollen die Organisatoren ihr Publikum nicht langweilen. Diese Angst ist allerdings unbegründet, denn nicht nur die Vielseitigkeit der Sportarten, sondern auch viele alte Fotos aus den Zeiten der Anfänge reizen zum genauer Hinsehen und werden so manchen zum Schmunzeln und Grübeln veranlassen.

Wer weiß denn schon, was eine "Krähla-Schanze" ist, oder dass in den 50er-Jahren an der Limburg Geschicklichkeitsfahrten mit dem Motorrad zur sportlichen Betätigung zählten? Selbst im Randecker Maar versuchten die Ochsenwanger "Adler" damals, sich in der Weite des Skifliegens zu übertreffen. Heute würde der Naturschutz bei einem Bauantrag für eine Skischanze im Naturschutzgebiet nur gequält lächeln.

Nach der Auflösung des Ochsenwanger Turnvereins war damit der Sport in der Albgemeinde nicht passe. Immer wieder regten Schulmeister ihre Schüler zu sportlicher Betätigung an. Mit Erfolg. Namen wie Walter Hoyler und Günter Schempp belegen dies. Da es in Ochsenwang keinen Verein mehr gab, ernteten die Sportler aus der Albgemeinde entweder für den SVL, den VfL, den TV Bissingen oder den TSV Schopfloch ihre Lorbeeren. "In der nordischen Kombination waren wir stark", erinnert sich Gerhard Feller an die Siege der Ochsenwanger Skispringer und Langläufer. Auffallend ist aber, dass es aus dieser Zeit zwischen 1960 und 1970 zwar bergeweise Urkunden gibt, Fotos von den Ochsenwanger Wintersportlern jedoch eher Mangelware sind. "Nicht alle Eltern hatten damals einen Fotoapparat oder sie dachten einfach nicht daran, ihn zu den Wettbewerben mitzunehmen", erklärt Gerhard Feller.

Die sportlichen Bürger der Eduard-Mörike-Gemeinde schnallten sich jedoch Winters nicht nur die Brettln unter, sie waren auch in anderen Disziplinen zu Hause. Das von dem Viererteam gesammelte Material belegt dies augenfällig. Da gab es die bereits beschriebenen Motorradgeschicklichkeitsfahrten, die Teilnahme an Motocross- und Monkeycrosswertungen, die Sommermannschaftsläufe, Leichtathletikturniere, Geräteturnen, Sportakrobatik, Spring- und Dressurreiten, Teckläufe, Geländeläufe, Bergsteigen, Bergrennfahrten am Hohenneuffen, Radtouren und sogar nationale Tipp-Kick-Meisterschaften.

In den 1980er-Jahren kreierten die Ochsenwanger Floriansjünger neue "Breitensportarten" wie Baumstammsägen und das inzwischen berühmte Tauziehen beim Florianshock. Aber auch Fußball wurde gespielt, etwa im Rahmen des Lehrersports.

Alfred und Gerhard Feller, Wolfgang Appel und Ernst Schmid hatten alle Hände voll zu tun, um die ganzen Fotos und Materialien zu sichten und daraus eine ansprechende, kurzweilige Powerpoint-Präsentation zu gestalten. In Anbetracht der Fülle fand es das Vorbereitungsteam schade, nur Bilder zu zeigen. So werden die Besucher des Dorfabends neben dem historischen Abriss der Ochsenwanger Sportgeschichte von 1922 bis heute auch viele Urkunden, Startnummern, Plaketten und alte Zeitungsausschnitte zu sehen bekommen.