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Notfallteam ist rund um die Uhr einsatzbereit

Ob bei Tag oder Nacht: Im Notfall kommt es auf jede Minute an. Deshalb steht seit Sommer am Standort Kirchheim des Klinikums Kirchheim-Nürtingen eine 24-Stunden-Rufbereitschaft parat, um im Herzkatheterlabor sofort lebensrettend eingreifen zu können. Seit der Einrichtung des Labors im März wurden über 700 Untersuchungen der Herzkranzgefäße durchgeführt.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Sowohl für den Geschäftsführer der Kreiskliniken Esslingen, Franz Winkler, als auch den Krankenhausdirektor des Klinikums Kirchheim-Nürtingen, Siegfried Schmid, steht die Notwendigkeit des Linksherzkathetermessplatzes, kurz Herzkatheterlabor genannt, außer Zweifel. "Die Entscheidung für das Herzkatheterlabor am Standort Kirchheim war richtig". Dabei verweisen beide auf die 750 Herzkatheteruntersuchungen und mehr als 350 Behandlungen an Herzkranzgefäßen auch Notfalleingriffe an Infarktpatienten gehören dazu seit Inbetriebnahme des Herzkatheterlabors im Kirchheimer Krankenhaus. "Das ist für das Klinikum eine positive Bilanz", freut sich Siegfried Schmid. "Der Bedarf ist höher als zuvor angenommen", interpretiert er die Fallzahlen.

Stolz sind Geschäftsführer Winkler und Krankenhausdirektor Schmid auf die Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft, die nur wenige Monate nach dem Start des Herzkatheterlabors im März auf die Beine gestellt wurde. Zu verdanken ist dies dem Engagement von Chefarzt Privat-Dozent Dr. med. Martin Beyer. "Mit ihm und seinem Team aus drei weiteren Kardiologen, Assistenzärzten, Fachschwestern und -pflegern verfügt das Klinikum über eine hervorragende fachliche Kompetenz", so Franz Winkler. Bisher wurden rund 60 Patienten im Rahmen dieser Notfallrufbereitschaft außerhalb der regulären Dienstzeit erfolgreich behandelt.

Dies gelingt, weil Chefarzt Dr. Beyer ein "Infarktnetz" für den Raum Kirchheim-Nürtingen aufbaute, das eine rasche Versorgung des Patienten garantiert: Noch bevor dieser in der Klinik Kirchheim ankommt, steht das Team bereit. Nachdem der Notarzt beim Patienten einen Herzinfarkt diagnostiziert hat, informiert er unmittelbar das Kirchheimer Krankenhaus und übermittelt zusätzlich über Handy die Werte des Elektrokardiogramms. Der diensthabende Arzt der Inneren Abteilung informiert dann die Katheterrufbereitschaft. Der Patient wird ohne den Umweg über die Intensivstation ins Herzkatheterlabor gebracht, um die Zeit bis zur Wiederöffnung des Herzkranzgefäßes möglichst kurz zu halten. "Unser Ziel ist ein Zeitintervall von weniger als 90 Minuten zwischen dem Erstkontakt mit dem Patienten und der Aufdehnung des Herzkranzgefäßes", sagt Chefarzt Dr. Beyer. "Je früher wieder Blut durch das Gefäß fließen kann, um so weniger Herzmuskelgewebe wird abgestoßen", oder wie die Engländer zu sagen pflegen: "time is muscle". "Deshalb sollten akute Infarkte rasch kathetert werden".

Wenn es um Zeit geht, spielen kurze Transportwege eine wichtige Rolle. Um auch für die Bevölkerung im Raum Nürtingen optimale Zeitabläufe zu gewährleisten, stellt das "Infarktnetz" sicher, dass alle Patienten aus dem Einzugsgebiet des Nürtinger Krankenhauses mit Verdacht auf Herzinfarkt vorrangig in die Kirchheimer Klinik gefahren werden. "Der Kathetermessplatz gewährleistet eine orts- und zeitnahe, qualitativ hochwertige Versorgung für die rund 200 000 Einwohner im südlichen Teil des Landkreises", ist sich Geschäftsführer Franz Winkler sicher.

Ihm liegt in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärzten und Fachärzten in Kirchheim und Umgebung am Herzen. "Das Krankenhaus Kirchheim hat einen Sprung zur medizinischen Qualitätsverbesserung in der Region gemacht". Zug um Zug werde der Schwerpunkt Kardiologie am Standort Kirchheim umgesetzt und ein umfassendes Leistungsangebot entwickelt. Das gäbe den Patienten und "den in der Behandlungskette Beteiligten" Sicherheit.

Die Frage der Wirtschaftlichkeit des 1,3 Millionen Euro teuren Messplatzes macht Winkler an der medizinischen Notwendigkeit und an der Planungssicherheit fest. Mit der Standortausweisung von Kirchheim als dem kardiologischen Schwerpunkt im Klinikum sei der Herzkathetermessplatz ein Teil der Infrastruktur zur Notfallversorgung. Dessen Betriebskosten sind in Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen zu sichern. "Entweder man einigt sich oder braucht dazu etwas mehr Überzeugungsarbeit", beschreibt der Geschäftsführer der Kreiskliniken den aktuellen Konflikt, wobei er bedauert, dass das Klinikbudget mit der steigenden medizinischen Leistungsfähigkeit nicht Schritt hält.

Obwohl nach der Intervention der Krankenkassen gegen den Festsetzungsbeschluss des Regierungspräsidiums vor dem Verwaltungsgericht noch offen ist, wie die Kosten für die Herzkatheteruntersuchungen abgerechnet werden, geben sich Franz Winkler und Siegfried Schmid optimistisch. "Der Streit wird zu unseren Gunsten ausgehen. Wir haben einen Anspruch auf Erstattung unserer Kosten".