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Notzinger Gemeinderäte haben Herz für Kastanienbäume

"Quäderla" und vor allem zwei Kastanienbäume bei der Zehntscheuer sorgten für Diskussionsstoff während der jüngsten Sitzung des Notzinger Gemeinderats. Das drohende Damoklesschwert für die Bäume konnte abgewendet werden, der unverschalte Westgiebel stieß auf uneingeschränkte Zustimmung.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN Mühevoll waren die zwei Kastanienbäume vor der Notzinger Zehntscheuer über drei Jahre hinweg aufgepäppelt worden bis sie endlich die nötige Vitalität entwickelten und nach überstandenen Anlaufschwierigkeiten munter in die Höhe wuchsen. Dies war jetzt einigen Gemeinderäten zu viel, zumindest einer der beiden Bäume sollte gefällt werden, damit im Sommer der Blick auf das frisch sanierte Gebäude nicht durch einen Blätterdschungel verdeckt wird.

In der Sitzung im Oktober gab es die Tendenz im Ratsrund, die obere Kastanie zu fällen. Zwischenzeitlich hat sich ein Baumexperte die Situation vor Ort angesehen und klar zum Ausdruck gebracht, dass es schade um beide Bäume wäre. Er plädierte für den Erhalt. Mit Kronenpflege und Auslichtung könnten die Bäume erhalten werden und der Blick auf das historische Gebäude wäre auch im Sommer gewährleistet. Die Kosten würden insgesamt bei etwa 400 Euro liegen.

Diesem Vorschlag, dem Bürgermeister Flogaus viel abgewinnen konnte, erteilte Barbara Ziegler eine klare Absage. "Das Problem mit dem Rückschnitt kommt wieder und optisch ist es auch ohne den Baum genauso schön", ist sie überzeugt. Der Schultes geht davon aus, dass der nächste Erziehungsschnitt erst in sechs bis acht Jahren erfolgen muss. "Die Bäume werden auch unten lichter. Somit sieht man die Bögen der Eingangstore", erklärte er.

Pflanzenliebhaber Eduard Bosch brach ebenfalls eine Lanze für den Erhalt beider Kastanien und bekam Rückendeckung von Herbert Hiller. "Als es vor etwa 15 Jahren um die Baumauswahl vor der Zehntscheuer ging, gab es eine große Debatte. Jetzt sitzen nun mal Kastanien da, von denen man wusste, dass sie nicht immer klein bleiben", erinnerte er seine Kollegen. Damals seien sie symmetrisch gepflanzt worden und so soll es seiner Ansicht nach auch bleiben.

Nachdem die relativ geringen Kosten für einen Rückschnitt bekannt sind, ist es auch für Wolfgang Schäfer keine Frage, die Bäume zu erhalten. Gleicher Ansicht waren Helga Merz und Rudolf Kiltz. "Bei diesem moderaten Betrag geht nicht viel kaputt. In fünf Jahren können wir immer noch einen Baum fällen", so die Meinung des Letzteren. "Mit einem Rückschnitt schieben wir das Problem nur vor uns her", argumentierte Georg Frank dagegen und sprach damit auch Günter Barz aus dem Herzen.

"Wenn wir den Baum fällen ist das endgültig. Diesen Schritt können wir immer noch machen", warb Bürgermeister Flogaus nochmals für den Bestandschutz der Bäume. Für ihn stehen die 400 Euro in keinem Verhältnis zu den rund 130 000 Euro für die Zehntscheuer. "Für den geringen Pflegepreis wäre es jammerschade, den Baum zu fällen", so Jochen Flogaus. Bei zehn Ja-Stimmen und drei Enthaltungen sprach sich der Gemeinderat schließlich für den Fortbestand beider aus.

Große Einigkeit herrschte dagegen im Hinblick auf den Westgiebel, der nun doch nicht mit Holz verschalt werden muss. Der Ostgiebel des alten Gebäudes ist so marode, dass er eine komplette Verschalung braucht. Somit sind originale Quadersteine übrig, die nun problemlos in ein Gefach des Fachwerks an der "Schauseite" zur Bergstraße hin eingemauert werden können. Bisher war der Bereich unschön mit Betonsteinen geflickt.

Wenn mit diesen "Quäderla" und Mörtel die Lücke am Westgiebel geschlossen wird, gibt das für Eduard Bosch wieder ein gutes Bild. Für Herbert Hiller war dies nach den Bäumen die zweite erfreuliche Nachricht an diesem Abend, da er sich schon immer mit einem holzverschalten Westgiebel schwer getan hat. "Somit bleibt der Charakter der Zehntscheuer erhalten wenn das kostenneutral geht, ist das umso besser", freute er sich. Er hat wie Günter Barz nur Bedenken, ob die morschen Balken ohne den Schutz der Holzverschalung so bleiben können. Jochen Flogaus zitierte dazu den Architekten, der ihm versichert hatte, dass sich trotz der Verschiebung der Gewerke keine Verteuerung ergeben würde. Dieses Versprechen kann der Planer allerdings nicht für die Sandsteinbögen der beiden Tore geben. Teilweise sind die Steine gerissen und müssen erneuert werden, zudem kommt mehr Arbeit auf die Steinmetze zu.