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Nürtingen bekommt wieder eine Abendrealschule

Das Institut für berufliche und soziale Integration von Jugendlichen und Erwachsenen (Inbus) startet im September in Nürtingen mit einer Abendrealschule.

UWE GOTTWALD

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NÜRTINGEN Nicht jede Schulkarriere verläuft geradlinig oder mündet in eine weiterführende Schule. Wer allerdings nach dem Hauptschulabschluss höher hinaus will, hat in Nürtingen eine Vielzahl von Möglichkeiten dazu. Von der mittleren Reife über die Fachhochschulreife bis hin zum Abitur an den Gymnasien für Agrar- oder Ernährungswissenschaften und dem Wirtschaftsgymnasium ist vor allem an den beruflich orientierten Schulen auf dem Säer in verschiedenen Neigungsrichtungen alles möglich. Jedoch handelt es sich um Vollzeitschulen, die eine Erwerbstätigkeit kaum mehr zulassen. Eine Alternative sind Abendschulen. Von Mitte der 60er- bis Ende der 80er-Jahre bot die Abendrealschule Nürtingen-Kirchheim diese Möglichkeit. Walter Lehmann, Nürtinger Realschulrektor a. D. und damaliger pädagogischer Leiter der Abendrealschule, erinnert sich: "Es waren anfangs vor allem Leute, denen die Nachkriegswirren einen weitergehenden Abschluss verwehrt haben." Mit dem Ausbau der Realschulen in Nürtingen und Umgebung und dem berufsorientierten Schulangebot auf dem Säer habe das Interesse jedoch abgenommen.

Jörg Freimuth, einer der Geschäftsführer des gemeinnützigen Nürtinger Vereins Inbus, sieht nun allerdings wieder einen Bedarf für ein solches Schulangebot: Schulische Qualifikationen für Ausbildungsberufe werden immer höher angesetzt, dieser Tatsache wollen wir mit unserer Abendrealschule Rechnung tragen. Inbus ist seit Jahren auf dem Feld der beruflichen Qualifikation mit Sozialpädagogen und Lehrern tätig. Vor allem sozial benachteiligte und schwer vermittelbare Jugendliche und junge Erwachsene gehören zur Klientel des Vereins, der seine Kursangebote hauptsächlich aus Mitteln der Agentur für Arbeit und aus anderen Fördermitteln finanzierte. Seit einem Jahr ist Inbus Anbieter des Berufsvorbereitungsjahrs (BVJ) für berufsschulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag, außerdem ist bei Inbus die Vorbereitung auf die Schulfremdenprüfung zum Haupt-schulabschluss möglich. Neu hinzu kommt ab September das Sonder-BVJ, das speziell gedacht ist für Förderschüler, Abbrecher oder Abgänger von Hauptschulen und von Schulen für Erziehungshilfe sowie für Jugendliche mit unzureichenden Deutschkenntnissen.

Bei diesen Angeboten wird nicht nur auf Wissenslücken eingegangen, vor allem sollen die Jugendlichen in ihrer Allgemeinbildung und ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden. Die sozialpädagogische Begleitung durch Inbus hat immer das Ziel, den Zugang zur Arbeitswelt zu erleichtern. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre hat sich für Freimuth jedoch gezeigt, dass die Anforderungen an die Schulausbildung steigen. Freimuth dazu: "Vieles, was früher noch mit Hauptschulabschluss ging, erfordert heute mittlere Reife." Weil sich in den Kursen von Inbus immer wieder junge Menschen finden, denen Freimuth diesen Bildungsabschluss zutraut, will er nun die Abendrealschule anbieten. Auch dabei soll das Konzept von Inbus zum Tragen kommen, den Schülerinnen und Schülern beratend und begleitend zur Seite zu stehen. Das Angebot richtet sich allerdings nicht nur an die Klientel von Inbus, sondern steht allen offen.

Im September soll es losgehen, bis dahin muss Freimuth allerdings noch einige Lehrkräfte rekrutieren. Die Anerkennung als ordentliche Schule durch das Land, das 90 Prozent der Kosten übernimmt, hat er aber bereits in der Tasche. Geplant ist, jedes Jahr mit einer Klasse zu starten, die in zwei Jahren zur mittleren Reife geführt wird. Vorausgesetzt wird der Abschluss der Hauptschule oder des BVJ oder ein vergleichbarer Schulabschluss sowie Grundkenntnisse der englischen Sprache. Unterrichtet wird bei Inbus in den ehemaligen Räumen der Deutschen Bank am Lammbrunnen mitten in der Innenstadt, geplant ist von montags bis freitags jeweils von 17.30 bis 21 Uhr. Dort stehen Unterrichtsräume, auch mit Computerarbeitsplätzen, zur Verfügung.

INFOEin Informationsabend, bei dem die Unterrichtszeiten endgültig mit den Teilnehmern abgestimmt werden und Auskunft über den Eigenbetrag gegeben wird, findet am Donnerstag, 21. Juli, 18 Uhr, bei Inbus in Nürtingen, Kirchstraße 33, Telefon 0 70 22 / 9 41 00, statt.