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NÜRTINGEN Wegbereiter der Partnerschaft ...

NÜRTINGEN Wegbereiter der Partnerschaft zwischen der Nürtinger Hochschule und der Technischen Universität im litauischen Vilnius ist der Bissinger Arbeitswissenschaftler Willi Hink. Der pro-

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FRANK HOFFMANN

movierte Diplomingenieur und habilitierte Dr. der Wirtschaftswissenschaften ist Lehrbeauftragter in Nürtingen und Vilnius. Seit 1997 ist der umtriebige Schwabe an der technischen Universität der litauischen Hauptstadt tätig, zunächst als Gastprofessor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und seit Herbst vergangenen Jahres als fest angestellter Professor am Lehrstuhl für Geschäftsmanagement. Zudem wurde er in den Promotionsausschuss der Universität berufen.

Für den 65-jährigen Willi Hink ist dies der vorläufige Höhepunkt einer überaus beeindruckenden Karriere. Der Bissinger absolvierte nach der Schulzeit eine Flaschner-Lehre, schließlich hatte schon der Großvater in der Seegemeinde eine Flaschnerei eröffnet und Willi sollte später einmal das Geschäft vom Vater übernehmen. Doch dann kam alles ganz anders. Die Fliegerei hatte es dem jungen Burschen angetan, und bereits nach den ersten Wehrdiensttagen bei der Luftwaffe war's um dieHandwerker-Laufbahn geschehen. Mit Begeisterung und Fleiß arbeitete sich der flugbegeisterte junge Mann bei der Bundeswehr nach oben. Der Flugzeugmechanikerprüfung folgte der Pilotenschein, der Bundeswehrfachschule das Studium an der Offiziersschule in München. Als Oberleutnant und Luftfahrtingenieur verließ Willi Hink schließlich die Bundeswehr. Die zivile Berufskarriere begann bei Zarges in Oberbayern als Konstrukteur und führte ihn schon bald zurück ins Schwabenland zur Firma Keller Lufttechnik in Kirchheim-Jesingen.

Bei Keller stieg Hink bis zum Werkleiter und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung auf und zeichnete mit verantwortlich für die Umgestaltung des Handwerksbetriebs zu einem weltweit tätigen Industrieunternehmen. Intensiv setzte er sich in dieser Zeit mit neuen Arbeitstechnologien und Arbeitszeitmodellen auseinander und war stets bestrebt, die Produktionsabläufe zu optimieren. Seine Studien führten den Bissinger immer wieder zu den japanischen Managementmethoden, und mit der intensiven Beschäftigung reifte die Idee, die Erkenntnisse in einer Doktorarbeit zusammenzufassen. 1996 schied Willi Hink bei Keller aus. Im selben Jahr legte er seine Dissertation mit dem Titel "Struktur, Methoden und Wirkungsweise des japanischen Innovationsmanagements sowie Möglichkeiten zur Übertragung auf die baltischen Staaten" vor. Die Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur und die Technische Universität in Vilnius betreuten die Arbeit. Seit dieser Zeit steht der promovierte Diplomingenieur in engem Kontakt zu der Universität in der litauischen Hauptstadt. Hink hielt in Vilnius mehrere Gastvorlesungen, absolvierte ein Aufbaustudium und erhielt schließlich nach seiner erfolgreichen Habilitation über "Arbeitszeitflexibilisierung als Managementaufgabe in mittelständischen Unternehmen" eine Professur am Lehrstuhl für Geschäftsmanagement. Darüber hi-naus ist Hink Lehrbeauftragter an der Staatsuniversität in Moskau und an der Nürtinger Hochschule.

Seit zwei Jahren pflegen die Nürtinger enge Kontakte zur Technischen Uni in Vilnius, und Professor Hink kann den schwäbischen Studenten ein Gastsemester im litauischen Vilnius nur wärmstens empfehlen: "Die litauischen Universitäten genießen einen ausgezeichneten Ruf." Die Abschlüsse entsprechen den internationalen Standards, und ausländische Studenten werden vorbildlich betreut. "Da ein großer Teil der Vorlesungen in Englisch gehalten werden, gibt es kaum Sprachprobleme", erzählt Hink. An einigen Lehrstühlen wird vereinzelt sogar in Deutsch unterrichtet.

Willi Hink selbst reist meist sechs Mal pro Jahr zu Vorlesungen oder Seminaren nach Litauen. Da die Technische Universität auch medientechnisch auf dem neuesten Stand ist, kann er viele Arbeiten am heimischen PC via Internet oder Konferenzschaltungen erledigen. Derzeit ist Willi Hink in offizieller Regierungsmission unterwegs: Die litauische Staatsregierung hat ihn beauftragt, die Einführung der dualen Berufsausbildung nach dem deutschen Vorbild mit vorzubereiten. Mitte des Monats wird er zudem nach Leipzig reisen, um bei einem internationalem Kongress mit Wissenschaftlern, Oberbürgermeistern und Unternehmern über das Thema "Arbeitszeitflexibilisierung" zu referieren.

Studenten, die sich für einen Studienaufenthalt in Litauen interessieren, oder Firmen, die Kontakte ins Baltikum knüpfen wollen, gibt Willi Hink, Telefon 0 70 23 / 65 64, gerne Tipps. Wer sich für die wissenschaftlichen Arbeiten des Bissingers interessiert, wird beim Teckboten in der Alleenstraße 158 fündig: Alle drei Bände der Reihe "Humane Arbeitswelt" ("Japanisches Innovationsmanagement", "Arbeitszeitflexibilisierung als Managementaufgabe" und "Zeitmanagement") sind dort erhältlich.