Lokales

Nur Anklage verlesen

Schweigend nahmen die drei Angeklagten gestern Platz im Saal 1 des Stuttgarter Landgerichts: Die heute 19-jährige Kamila D., ihr 28-jähriger Freund Darius S. und der 35-jährige Marius K. alle drei aus Polen. Vor der 4. Großen Jugendstrafkammer wurde nur die Anklageschrift verlesen.

STUTTGART/WEILHEIM Die Anklage hat es in sich: "Gemeinschaftlicher Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer anderen Straftat, Raub mit Todesfolge."

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Am späten Nachmittag des 29. Oktobers letzten Jahres soll das Trio den 62-jährigen Schrebergartenbesitzer Rolf W. in Weilheim in seinem Grundstück überfallen haben. Um an dessen Opel Zafira zu gelangen, wurde der 62-Jährige laut Anklage mit insgesamt acht Messerstichen getötet. Zwei Stiche hatten die Halsschlagader geöffnet, ein Stich traf Herz und Lunge. Der Mann überlebte das Massaker nur wenige Minuten. Er verblutete am Ort des Geschehens, während die Angeklagten mit seinem Fahrzeug die Flucht antraten.

Nach dem Verlesen der Anklageschrift belehrte der Vorsitzende Richter die Beschuldigten gestern eingehend und legte ihnen nahe, das Geschehen in diesem Verfahren aufzuarbeiten und sich der Sache zu stellen. Sie hätten zwar das Recht, zu allem zu schweigen, aber sie könnten Angaben zu der Tat machen. Ob die Angeklagten sich zur Aussage bereit erklären, wird sich allerdings erst am nächsten Prozesstag, dem 11. Oktober, zeigen.

Die 19-jährige Polin Kamila D. gab zunächst nur ihre Personalien bekannt. Demnach ist sie in Polen geboren und hat Einzelhandelskauffrau gelernt. Sie wurde am 28. November in Dänemark festgenommen, nachdem die Flucht mit ihrem Freund in dem Zafira des getöteten Weilheimers über München dorthin geführt hatte. Ihre Auslieferung nach Stuttgart geschah am 7. April. Ebenso wurde auch der 28-jährige polnische Maurer nach Deutschland überstellt, am 4. September. Er wird nach dem hiesigen Verfahren wieder nach Kopenhagen ausgeliefert, wo er sich ebenfalls wegen Mordes verantworten muss. Der Dritte im Bunde, ein 35-jähriger Pole, flüchtete nach der Weilheimer Tat wahrscheinlich gleich in seine Heimat und wurde dort per Europäischem Haftbefehl am 10. Dezember festgenommen und am 7. Februar 2006 nach Stuttgart ausgeliefert.

An dem auf mehrere Wochen terminierten Verfahren nehmen insgesamt drei psychiatrische Sachverständige sowie als Nebenkläger vier nahe Angehörige des Opfers teil. Die Richter haben zunächst zwölf Zeugen geladen. Zur Sache verhandelt wird erst am 11. Oktober.

wic