Lokales

Nur „bedingt schuldfähig“

Angeklagter leidet unter Persönlichkeitsstörung

Der 25-jährige Mann, der in Holzmaden und im psychiatrischen Klinikum Nürtingen wahllos auf andere Menschen einschlug und sie anspuckte, ist für diese Körperverletzungen nur bedingt schuldfähig. Das sagte ein Gutachter jetzt vor dem Stuttgarter Landgericht aus. Der Staatsanwalt beantragte, dass sich jetzt die Ärzte um den psychisch kranken Mann kümmern.

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BERND WINCKLER

Holzmaden/Kirchheim. Die 7. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts verhandelt seit Mittwoch, 9. Juni, gegen den 25-Jährigen, der krankheitsbedingt und durch jahrelangen Alkohol- und Drogenmissbrauch ohne Grund auf der Straße fremde Personen angriff und mit Fäusten auf sie losging. In einigen Fällen hat er auch Passanten einfach angespuckt. So zum Beispiel in Holzmaden und im psychiatrischen Klinikum Nürtingen, wo er einen Patienten nicht nur durch Faustschläge verletzt, sondern ihm auch mit „Hals-Abschneiden“ gedroht habe.

Nach den Feststellungen des psychiatrischen Sachverständigen leidet der 25-Jährige seit Längerem an einer schweren Persönlichkeitsstörung. Diese könne auch durch übermäßigen Alkoholgenuss und Drogenkonsum ausgelöst worden sein. Dadurch sei die strafrechtliche Einsichtsfähigkeit des Angeklagten stark eingeschränkt gewesen, als er auf andere Menschen losging.

In diesem krankhaften Zustand stelle der junge Mann allerdings eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, betonte der Gutachter. Nur wenn er die ihm verordneten Medikamente einnehme, sei diese Gefahr gebannt.

Die Richter möchten dem jungen Angeklagten eine Chance eröffnen. Falls er freiwillig aggressionsdämpfende Medikamente nach Vorgabe eines Arztes nehme, wäre es zu verantworten, ihn zu einer geringen Haftstrafe zur Bewährung zu verurteilen und auch die Einweisung in eine psychiatrische Klinik vorerst auszusetzen. Dafür müsse er in eine betreute Wohneinrichtung.

Diesem Antrag schloss sich am gestrigen Verhandlungstag auch der Staatsanwalt an und beantragte wegen vierfacher vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Bedrohung eine insgesamt viermonatige Gesamt-Bewährungsstrafe sowie die Betreuung in einer Wohngruppe unter ärztlicher Aufsicht.

Das Gericht will schon am Donnerstag seine Entscheidung hierzu verkünden.