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Nur das Hochzeitspaar hatte Grund zum Feiern

Als am Samstag gegen 17.15 Uhr Schiedsrichter Franz Köteles die Partie zwischen dem VfL Kirchheim

REIMUND ELBE

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und dem FV Olympia Laupheim an der Jesinger Allee abpfiff, herrschte ausgelassene Stimmung allerdings nur ein paar Meter weiter auf der Jesinger Straße. Eine Hochzeitsgesellschaft fuhr hupend im Autokorso auf und ab, an der Spitze lächelte ein Brautpaar aus dem Fahrzeug. Welch ein Kontrast zum betretenen Schweigen im Stadionbereich.

Nach drei vergebenen Matchbällen mit Niederlagen gegen die TSG Balingen, SV Böblingen und eben gegen die Oberschwaben kommt es am 19. Juni in Eislingen die Partie wurde wegen akuter Platzrenovierungsarbeiten von Donzdorf ins Stadion des Verbandsliga-Wiederkehrers FC Eislingen verlegt zum Showdown. Kirchheims Spielertrainer Michael Rentschler zeigte sich wieder einmal als Fußball-Realo. "Was soll jetzt alles Lamentieren", sagte der frühere Regionalligaspieler in der Pressekonferenz, "nun kommt es eben zu einem Endspiel. Wir müssen mit dieser Situation jetzt einfach umgehen." In erster Linie müssen nun diverse VfL-Spieler ihre Urlaubspläne überprüfen. Das wichtigste Spiel des Jahres ohne einige in Ferien weilende Akteure? Dieses Schreckensszenario ist aktuell denkbar. "Wir prüfen die Sachlage", heißt es vom sportlichen Leiter des VfL, Norbert Krumm.

Während die Kirchheimer erste Ansätze von sportlicher Depression bekämpfen müssen, befinden sich die potenziellen Gegner der Teckstädter natürlich im Höhenflug. Dabei spielten sich am Samstag regelrechte Fußball-Dramen in den Landesligen ab. So verspielte in der Staffel 1 der FSV Bissingen mit einem 0:0 gegen die KSG Gerlingen den Meistertitel und muss als Zweiter in die Relegation der Verbandsliga-Aufsteiger heißt SV Fellbach. In der Staffel 2 gewann der TV Echterdingen das "Endspiel" um Platz zwei beim TSV Georgii Allianz Stuttgart bereits aufgestiegen war hier der FC Eislingen. Weiter im Süden, in der Staffel 3, änderte sich am letzten Spieltag nichts mehr an der Tabellenspitze: Der TB Kirchentellinsfurt sicherte sich erstmals den Verbandsliga-Aufstieg, der TSV Hildrizhausen spielt die Relegation. Zu guter Letzt patzte in der Staffel 4 der FC Isny zu Hause, Profiteur war der VfB Friedrichshafen, der sich hinter Meister FV Ravensburg Platz zwei sicherte. Bissingen, Echterdingen, Hildrizhausen, Friedrichshafen aus einem dieser Orte kommt der Gegner des VfL Kirchheim beim finalen Kampf um den Ligaverbleib.

"Wenn du als unterklassiger Verein in so ein Relegationsspiel gehst, bist du natürlich voller Euphorie, denn du hast da schon mehrere Siege im Rücken", warnt Ex-VfL-Spieler Claus Maier, der als Zuschauer die Niederlage des VfL gegen Laupheim ("ein bitterer Moment") miterlebte. Relegationserfahrung hat Maier erst 2004 gesammelt, scheiterte damals als Spielertrainer des Bezirksligisten TSGV Großbettlingen gegen den Landesligisten SV Großkuchen im entscheidenden letzten Spiel nur hauchdünn. "Ich drücke dem VfL die Daumen", so der langjährige Kirchheimer Kicker.

Zuspruch kann der VfL momentan nach einer fast endlosen Serie von Negativerlebnissen in der Tat gebrauchen. Vorgestern war, ganz den negativen Trend bestätigend, kurzfristig Angreifer Emrah Erenler mit einer Muskelverletzung ausgefallen. Mit Spannung wird zudem das Urteil für Abwehrspieler Archontis Siopidis erwartet, der nach seinem Platzverweis gegen die TSG Balingen auf eine "Sperre von maximal vier Wochen" hofft käme es so, wäre der Linksverteidiger zum Relegations-Finale wieder spielberechtigt. Zudem könnte sich bis zum 19. Juni die Verletztensituation entspannen. Die erneut verletzten Antonino Singh und Emrah Erenler könnten fit sein, Mittelfeldspieler Coskun Isci die im Spiel noch hemmende Schiene nach seinem Mittelhandbruch los sein.

Jetzt bricht die Zeit des Positivdenkens an der Jesinger Allee an. Norbert Krumm und Michael Rentschler gesellten sich gleich an die Spitze der Bewegung. Sie lobten vor allem den Auftritt der A-Junioren, Michael Kutscher und Florian Kümmerle und betonten, dass "wir noch alles selbst in der Hand haben". Stimmt auch wenn einem der Spruch aus den vergangenen Wochen reichlich bekannt vorkommt. . .