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Nur ein Drittel der Firmen sitzt im Boot

Das Ausbildungspotenzial im Landkreis Esslingen ist bei weitem nicht ausgeschöpft, sagt Martin Scheel. Zwei Drittel aller Betriebe bilden immer noch nicht aus, weiß der stellvertretende Chef der Agentur für Arbeit in Göppingen. Das motiviert auch die IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen zu einer erneuten Ausbildungsinitiative.

HANS-JOACHIM HIRRLINGER

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KREIS ESSLINGEN Die Last der Ausbildung trägt nur ein kleiner Teil der Betriebe, betont Scheel. Da muss noch viel passieren. Der Erfolg des Ausbildungspaktes 2004, als im Agenturbezirk Göppingen, zu dem auch der Kreis Esslingen gehört, die Zahl der neuen Lehrverträge um mehr als fünf Prozent auf 4845 gesteigert werden konnte, ermuntert ihn. Die Zahlen lassen Scheel hoffen: Allein die IHK-Bezirkskammer verzeichnet mehr als 25 000 Mitgliedsfirmen, von denen etwa 16 000 als neue Ausbildungsbetriebe in Frage kämen.

Auch IHK-Geschäftsführer Wolfgang Oettle ist klar, dass die Quote niemals alle Betriebe erfassen wird. Aber er geht davon aus, dass sich wie im vergangenen Jahr auch 2005 zusätzliche Firmen für die Berufsausbildung gewinnen lassen werden. Rundschreiben können das nicht erreichen, weiß Oettle, er setzt deshalb auf persönliche Gespräche der IHK-Spitze auf Augenhöhe in den Betrieben.

Trumpf im ÄrmelOettle hat dabei mit der GARP einen Trumpf im Ärmel. Denn das IHK-Bildungzentrum in Ostfildern, Plochingen, Nürtingen und Göppingen erleichtert gerade mittleren und kleineren Firmen die Last der Ausbildung. Wir sind keine Glashaus-Spinner weitab der Realität, betont Geschäftsführer Werner Waiblinger, sondern bieten eine hervorragende fachliche und kostengünstige Ausbildung an. Das gilt für die Grundausbildung im ersten Lehrjahr, aber auch für Fachlehrgänge in der weiteren Ausbildung. Wir glauben, dass wir bedarfsgerecht für die Betriebe ausbilden, wirbt Waiblinger für diese Kooperation vom Eignungstest bis zur sozialpädagogischen Betreuung der Auszubildenden.

Sowohl im Wirtschaftsministerium als auch in Verbänden wie Südwestmetall gibt es Zuschüsse für neue Ausbildungsfirmen. Wobei mit der Last der Ausbildung auch die Chance auf qualifizierte Mitarbeiter in späteren Jahren verbunden ist. Gerade diese Chance, meint Scheel, müssten die Betriebe heute nutzen, um auf die rückläufigen Zahlen der Schulabgänger ab 2007 vorbereitet zu sein. Immerhin beträgt die "Lieferzeit" einer Fachkraft laut GARP-Lehrgangsleiter Achim Miller bis zu vier Jahre.

Rolf Hermle, geschäftsführender Gesellschafter der Balluff GmbH in Neuhausen, hat das erkannt: "Wir müssen das Thema im eigenen Interesse angehen." Die größeren Firmen verhalten sich laut Hermle entsprechend, während viele kleinere Betriebe die drohende Lücke der Fachkräfte noch nicht erkannt hätten. Dieser Aspekt muss den Betrieben eingehämmert werden, sieht Oettle Chancen für sein Werben um Ausbildungsplätze.

Folgt man den Experten, die sich bei der GARP dem Thema Ausbildung stellten, dann hat sich das duale Ausbildungssystem zwar bewährt, aber in Teilen ist es reformbedürftig. Einerseits reicht für Berufe wie Mechatroniker laut Hermle die Hauptschule nicht mehr aus, andererseits sieht Wolf Münstermann, Personalchef bei Eberspächer in Esslingen, Chancen für praktische Kurzausbildungen mit wenig Theorie.