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"Nur wer sich wandelt, bleibt zeitgemäß"

Knapp ein Jahr lang war die katholische Kirchengemeinde Maria Königin heimatlos. Nun kam die Gemeinde um Pfarrer Winfried Hierlemann in den neu renovierten Räumlichkeiten der Kirche zusammen, um in feierlichem Rahmen an der Altarweihe durch Weihbischof Dr. Johannes Kreidler teilzunehmen. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und Vertreter anderer Gemeinden überbrachten Grußworte.

BARBARA GOSSON

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KIRCHHEIM Nicht nur die Renovierung und die Altarweihe gilt es zu feiern, die Gemeinde wird in diesem Jahr auch 40 Jahre alt. Viele Gläubige waren gekommen, die Sitzplätze reichten gar nicht aus. Die einschneidendsten Veränderungen des Umbaus sind die Entfernung der Empore, um Platz für eine große Orgel mit Pfeifen zu schaffen und die bunten Glasfenster besser zur Geltung zu bringen, und die neue Platzierung des Altars in Richtung Raummitte.

Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst von Kirchenmusiker Thomas Specker, dem katholischen Kirchenchor und dem Ensemble von Takashi Otsuka.

Nach einer Lesung aus Paulus von Lektorin Andrea Großmann äußerte Bischof Kreidler in seiner Predigt einige Gedanken zu dem denkwürdigen Ereignis im Schnittpunkt von Vergangenheit und Zukunft. Hier habe die Gemeinde besonderen Grund zur Dankbarkeit füreinander und vor Gott. Im Miteinander, das bei den vielen Eigenleistungen und Spenden der Gemeindeglieder entstanden sei, habe man einander schätzen gelernt. Für die Kirche gebe es nichts Wichtigeres als die tröstende Kraft des Evangeliums. Als Predigttext hatte der Bischof Matthäus 4, die Versuchungsgeschichte Jesu, gewählt. In ihr versuche der Teufel Jesus mit den Verlockungen des Konsums, der Manipulation und der Macht. In seinem Widerstehen zeige Jesus eine ganze Lebensart, die sich an Gott festmache. Gerade in einer Zeit, in der Gott nicht einmal vermisst werde, brauche man Gemeinden, aus denen Gott als etwas Glühendes herausstrahle. Mit der Altarweihe wolle man Gottes Blick auf die Gemeinde lenken.

Nun schritt der Bischof zur eigentlichen Weihehandlung. In den Altar wurden Reliquien der heiligen Felicitas und des heiligen Clemens eingesetzt, auf dem Altar wurde Weihrauch verbrannt. Kreidler weihte den Altar mit Weihwasser und erinnerte an die Opferaltäre von Noah und Abraham und das Opfer, das Jesus selbst zum Zeichen des neuen Bundes mit den Menschen dargebracht hatte.

Kinder der Kinderkirche stellten Kerzen auf den Altar, über den ein weißes Tuch gebreitet wurde. Der Pfarrer im Ruhestand Walter Thaler sprach den Segen, danach wurde Eucharistie gefeiert.

Der zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Dieter Hoff, begrüßte in seiner Ansprache die vielen offiziellen Gäste, die Oberbürgermeisterin, Ortsvorsteher, Stadträte und Vertreter der evangelischen Kirchen. "Nur wer sich wandelt, bleibt zeitgemäß", zitierte er. Es sei eindrucksvoll die Liebe Gottes zu den Menschen gefeiert worden. Hoffs besonderer Dank ging an den Architekten, Professor Rainer Zinsmeister, der bereits beim Bau als Student mit von der Partie gewesen war. "Ich hoffe, das Kirchengestühl hat nach zweieinhalb Stunden seine Feuertaufe in Sachen Bequemlichkeit bestanden", übergab er das Wort augenzwinkernd an Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker. Sie skizzierte kurz die Geschichte der katholischen Christen in Kirchheim, die vor 130 Jahren noch zum Gottesdienst nach Unterboihingen mussen, bis sie 1883 einen eigenen Seelsorger bekamen. Nach dem Krieg stieg in der Gemeinde St. Ulrich die Zahl der Gemeindemitglieder stark an, so dass 1965 die Filialkirche Maria Königin erbaut wurde. Gemäß des "Gaudium et spes" des zweiten Vatikanischen Konzils beteiligten sich die Gemeindeglieder am Gemeinwesen. Das Bohnauhaus oder das Kiz seien aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Mit dem Umbau seien Ambo und Altar aufgewertet worden. Dass die Gemeinde Maria Königin in der Zeit des Umbaus in der benachbarten evangelischen Kreuzkirche ihre Gottesdienste feiern konnte, wertete Matt-Heidecker als Zeichen der religiösen Toleranz in Kirchheim und wünschte Gottes Segen.

Das ökumenische Grußwort überbrachte Bernd Küster von der Kreuzkirchengemeinde. Er erinnerte angesichts des 40-jährigen Jubiläums an die Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste. Am Ende habe es eine Heimat gefunden. "Mögen Sie hier eine Befreiung von Ihren Lasten finden", wünschte er und überreichte einen Scheck für Blumenschmuck.

Für die Brudergemeinde St. Ulrich sprach Pfarrer Franz Keil. Er brachte in einer launigen Rede die traditionellen Hauseinweihungsgeschenke Brot und Salz in Verbindung mit den vielen Bildern dazu in der Bibel: "Wenn wir nicht das Salz der Erde sein können, können wir uns gleich einsalzen lassen". Er beglückwünschte die Gemeinde zu ihrem "Vorhimmel" und wünschte ihnen, darin eine Heimat zu finden.

Nach dem Gottesdienst traf sich die Gemeinde im Bohnauhaus zum Essen.

Der Gottesdienst zum Gemeindejubiläum findet am nächsten Samstag, 19. Februar um 18 Uhr mit Dekan Wolfgang Sedlmeier statt.