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Ob gute oder schlechte Antworten das muss jeder selbst entscheiden

"Fragen des Lebens hat jeder. Gute Antworten nicht alle." Unter diesem Motto veranstaltet die Evangelische Kirchengemeinde Dettingen zurzeit ihren ersten Alpha-Kurs. Der Kurs soll Menschen, die der Kirche fernstehen, oder solchen, die gerade frisch zum Glauben gefunden haben, Grundlagen des Christentums vermitteln.

ANDREAS VOLZ

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DETTINGEN

Wirklich gute Antworten zu allen Fragen des Lebens können und wollen die Verantwortlichen des ersten Dettinger Alpha-Kurses nicht versprechen: "Nein, so arrogant sind wir nicht", sagen sie einmütig, "die Antworten geben sich die Teilnehmer im Kurs oft selbst, und sie entscheiden auch selbst darüber, ob die Antworten für sie gut sind oder nicht."

Immerhin scheinen die Antworten, die der Alpha-Kurs zu Glaubensfragen anbietet, so gut zu sein, dass sie bei allen christlichen Kirchen und Gruppierungen auf breite Akzeptanz stoßen. Es geht tatsächlich um die Grundlagen der abendländischen Religion. So wird beispielsweise die Bedeutung der Taufe als Sakrament betont, unabhängig davon, ob dieses Sakrament nun Säuglingen oder Erwachsenen gespendet wird. Ähnliches gilt für den Umgang mit dem Thema "Abendmahl" und mit vielen anderen Fragen, die zwischen den einzelnen Konfessionen umstritten sind. Den Alpha-Kurs bieten daher katholische Kirchengemeinden ebenso an wie evangelische, landeskirchliche wie freikirchliche.

Das Konzept selbst stammt aus England. Der anglikanische Geistliche Nicky Gumbel von der Gemeinde Holy Trinity Brompton hat es vor 15 Jahren in seiner heutigen Form entwickelt. Mittlerweile ist der Alpha-Kurs weltweit in 150 Ländern bekannt, mehr als sechs Millionen Menschen haben einen solchen Kurs bereits absolviert. Nicky Gumbels Bücher zum Thema sind in 50 Sprachen übersetzt worden. Das Konzept kommt offensichtlich an.

Simone Annerl-Birkenmaier, eine der Dettinger Organisatorinnen des Alpha-Kurses, sagt zu Nicky Gumbels Methode: "Sie ist ziemlich effektiv und hat für Furore gesorgt. Vor allem lässt sie sich überall anwenden, für Erwachsene genauso wie für Jugendliche, für Akademiker wie für Arbeiter." Schon gar nicht sei der Alpha-Kurs auf westliche Industrienationen beschränkt. "Man kann das auch in Afrika im Busch machen", fügt die Dettingerin hinzu. Ihre Kirchengemeinde ist in Kirchheim und Umgebung auch bei weitem nicht die einzige Alpha-Anbieterin.

Was ist nun das Besondere am Alpha-Kurs? Er besteht grundsätzlich aus zehn Abenden und einem gemeinsamen Wochenende, jeweils zu einem bestimmten Thema. Jeder Abend läuft nach dem gleichen Schema ab. Gemeinsames Essen, Musik und Lobpreis, der Vortrag und die Arbeit in Kleingruppen sind feste Bestandteile. "Manche kommen hauptsächlich wegen dem Essen", berichtet die Dettinger Kirchengemeinderätin Suse Weihbrecht, die das Essen selbst in den höchsten Tönen lobt: "Die Küche ist echt klasse."

Doch auch die Kleingruppe wird für viele Teilnehmer mit zunehmender Dauer des Kurses immer wichtiger. "Die Kleingruppe ist die Kleinfamilie innerhalb des Ganzen. Viele kommen wegen der Gemeinschaft", ist sich Simone Annerl-Birkenmaier sicher, "andere sind froh, dass sich jemand dafür interessiert, was sie denken." Ein weiterer Punkt, der den Alpha-Kurs von Veranstaltungen mit ähnlicher Zielsetzung unterscheidet, ist die Tatsache, dass die Teilnehmer "absolut druckfrei" sind. Simone Annerl-Birkenmaier: "Die Teilnehmer müssen nicht verbindlich kommen und sollen sich auch nicht gedrängt fühlen."

Das bestätigt auch Markus Eichler, der Jugendreferent der Evangelischen Kirchengemeinde Dettingen, der bereits während seiner mehrjährigen Tätigkeit als "Youth Pastor" in Südafrika vielfältige Erfahrungen mit dem Alpha-Kurs gesammelt hat: "Wir rennen niemandem nach." Das Gemeindehaus im Pfarrgarten in der Dettinger Schulstraße, wo die Alpha-Abende stattfinden, sieht Eichler als neutralen Veranstaltungsort, wo jeder nach Belieben kommen und gehen kann. Im Prinzip gilt das auch für die Beteiligung in der Kleingruppe. "In den ersten paar Wochen muss man da gar nichts sagen. Vielleicht traut man sich erst später, Fragen zu stellen", sagt Markus Eichler, der vor allem die persönliche Ebene in den Kleingruppen schätzt.

"Gute Redner gab es immer schon." Mit dieser Feststellung will der Dettinger Jugendreferent die Bedeutung des Vortrags nicht schmälern, wohl aber relativieren. Diese Vorträge könnte grundsätzlich ein Alpha-Kurs-Mitarbeiter halten. Das Dettinger Leitungsteam hat sich aber für die Video-Version der Vorträge entschieden, bei der Nicky Gumbel persönlich spricht. "In der Vorbereitung waren wir gespalten wegen der Videos", erinnert sich Simone Annerl-Birkenmaier, "aber inzwischen hat sich gezeigt, dass sie gut ankommen, das Feedback stimmt."

Das Feedback scheint auch bei den Themen zu stimmen, die bei den Alpha-Kursen auf der ganzen Welt immer dieselben sind. Neben Fragen wie "Wer ist Jesus?", "Warum starb Jesus?", "Heilt Gott auch heut noch?" oder "Welchen Stellenwert hat die Kirche?" kommen im Kurs auch so genannte "heiße Eisen" zur Sprache, selbst wenn sie nicht Thema eines speziellen Abends sind. Aber vielleicht sind es gerade diese Fragen, die die Zielgruppe der "Kirchenfernen" besonders ansprechen. Die sieben "heißesten Eisen" sind Leid und Elend auf der Welt, andere Religionen, New Age, Sex vor der Ehe, Homosexualität, die Dreieinigkeit sowie das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Christentum.

Beim ersten Mal seien primär Mitglieder der Kirchengemeinde unter den Teilnehmern des Alpha-Kurses, sagen die Verantwortlichen in Dettingen. Der Kurs, der sich über ein viertel Jahr erstreckt, eigne sich aber auch hervorragend für Neuhinzugezogene, um erste Kontakte am neuen Wohnort zu knüpfen.

Jugendreferent Markus Eichler ist schon sehr gespannt darauf, welche Dynamik der erste Alpha-Kurs in der Schlossberggemeinde entwickeln wird: "Wir haben bis jetzt noch nicht viel Praxis, aber wir wollen versuchen, den Alpha-Kurs regelmäßig anzubieten, mindestens einmal im Jahr."