Lokales

Oberkirchenrat lehnt ehrenamtlichen Dienst ab

Pfarrer Sobko darf in Gutenberg nicht unentgeltlich arbeiten

Der Gutenberger Pfarrer Helmut Sobko geht in den Ruhestand. Sein Angebot, die vakante Stelle bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers unentgeltlich zu betreuen, lehnte der Oberkirchenrat jedoch ab.

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Iris Häfner

Lenningen. Wer auf die Homepage der evangelischen Kirche in Gutenberg geht, stolpert unweigerlich über die Pensionierung von Pfarrer Sobko. „Sechs Jahre war Herr Sobko jetzt in unserer Gemeinde als Pfarrer tätig. Nun wird er Ende September in Pension gehen. Sein Angebot, die Vakanzzeit (bis ein neuer Pfarrer gefunden ist) ehrenamtlich zu überbrücken, wurde vom Oberkirchenrat leider und für uns und viele Gemeindeglieder völlig unverständlicherweise abgelehnt“, ist dort zu lesen.

„Ich fühle mich noch nicht als Rentner“, sagt Helmut Sobko auf Nachfrage. Aus diesem Grund hat er dem Oberkirchenrat vorgeschlagen bis zum Alter von 65 Jahren kostenlos in Gutenberg weiterzuarbeiten. Der Seelsorger ist seit 2002 in Gutenberg tätig, davor übte er sein Amt in seiner thüringischen Heimat aus. Aus diesem Grund ist er weiterhin Thüringer Pfarrer und in diesem Bundesland werden die Seelsorger schon mit 63 Jahren in Rente geschickt. „Das ist dort abhängig vom Pfarrerüberschuss“, erklärt Helmut Sobko. In Württemberg gehen die Pfarrer dagegen erst im Alter von 65 Jahren in Pension.

Im Moment handelt es sich in Gutenberg noch um eine 75-Prozent-Stelle, nach dem Abschied von Helmut Sobko Ende September wird es allerdings nur noch eine 50-Prozent-Stelle sein. Da die Pfarrer selbst entscheiden können, wie sie in solchen Fällen ihre Arbeitszeiten einteilen – beispielsweise täglich vier Stunden oder 14 Tage am Stück – schlug Helmut Sobko weiter vor, 14 Tage in zwei Zimmern im Pfarrhaus zu wohnen und in dieser Zeit seinen gewohnten Dienst zu versehen. Die nächsten 14 Tage wollte er an seinem neuen Wohnort verbringen.

Auf all diese Vorschläge ging der evangelische Oberkirchenrat in Stuttgart nicht ein. „Es ist komplett unüblich, dass ein Pfarrer nach seiner Pensionierung ehrenamtlich weitermacht“, sagt dazu Kirchenrat Walther Strohal. Da auch Pfarrer Braun Ende August seine Gemeinde in Schopfloch verlässt, werde eine Kollegin beauftragt, beide Gemeinden in nächster Zeit zu betreuen. Parallel dazu würden beide Ämter als 50-Prozent-Stellen im Herbst ausgeschrieben. „Das geht seinen ganz normalen Gang, wie in allen anderen Fällen auch. Mehr ist da nicht rauszulesen“, so Walther Strohal.

Helmut Sobko bedauert die Entscheidung des Stuttgarter Oberkirchenrats, akzeptiert sie jedoch. Er wünscht sich für seine Gutenberger Gemeinde eine ruhige Übergangszeit und einen harmonischen Start mit seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin. Zudem freut er sich, dass auch in Zukunft das Pfarrhaus bewohnt sein wird. Über die Begründungen der ablehnenden Haltung des Oberkirchenrats wundert er sich jedoch weiterhin. „Zunächst wurden finanzielle Gründe angeführt“, so der scheidende Pfarrer. Da er jedoch unentgeltlich gearbeitet hätte, sei dieses Argument schnell vom Tisch gewesen. „Daraufhin hat es geheißen, dass ich mit dem Ausscheiden aus meinem Dienst als thüringischer Pfarrer nicht mehr württembergischen Weisungen unterstehen würde“, sagt Helmut Sobko. Im selben Schreiben konnte er jedoch auch lesen, dass er an seinem neuen Wohnort gerne ehrenamtliche Dienste in der Kirche leisten könne.