Lokales

Obolus für Bücherei

Auf den Prüfstand stellte der Bissinger Gemeinderat in jüngster Sitzung Gebühren und Entgelte. Demnach wird das Sterben in Bissinger teurer. Aber auch andere Tarife wurden erhöht.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Ab dem kommenden Jahr müssen die Bissinger Bürger tiefer in die Tasche greifen beim Wasserbezug, bei den Bestattungsgebühren, bei der Benutzung der Gemeindehalle in der Seegemeinde und des Gemeindesaals in Ochsenwang. Neu eingeführt wird eine Jahresgebühr für die Ortsbücherei. Hingegen bleiben die Tarife beim Abwasser und bei der Kernzeit- und Ferienbetreuung gleich.

Moderat anheben wird die Gemeinde die Wassergebühr von 1,53 auf 1,60 Euro pro Kubikmeter. Damit deckt der Preis voraussichtlich den Aufwand der Gemeinde. Die Abwassergebühr bleibt bei 3,30 Euro pro Kubikmeter und ist damit ebenfalls kostendeckend.

Wie Bürgermeister Wolfgang Kümmerle informierte, gleichen die bisherigen Bestattungsgebühren lediglich 40 Prozent der Kosten aus. Deshalb hob die Gemeinde die Gebühren, vor allem der Grabnutzung, an. Weil zurzeit noch über eine neue Form der Aussegnungshalle diskutiert wird, blieben die Leichenzelle und die Benutzung der Aussegnungshalle in der Kalkulation außen vor. Dennoch steigen die Gebühren zum Teil über 100 Prozent an, zum Beispiel im Bereich der Urnengräber. "Wir haben bei der Anpassung in der Vergangenheit wohl etwas geschlafen," meinte Siegfried Nägele und wies darauf hin, dass Bissingen mit seinen Bestattungsgebühren weit hinter denen anderer Gemeinden liege. Deshalb seien in den vergangenen Jahren immer wieder Anfragen aus Kirchheim gekommen, ob der Opa oder die Oma nicht in der Seegemeinde seine beziehungsweise ihre letzte Ruhestätte finden könne, berichtete Bürgermeister Kümmerle. "Das hätte zu einem regelrechten Bestattungstourismus geführt."

Bei der Kernzeit- und Ferienbetreuung will der Verwaltungschef die Kosten im Auge behalten, denn, obwohl die Gemeinde einen Abmangel von 1 600 Euro errechnete, sollen die Preise für die Eltern gleich bleiben. 30 Euro pro Monat für fünfmalige Betreuung, 22 Euro für dreimalige Betreuung und zehn Euro bei zweimaliger Kernzeitbetreuung. Für die Ferienbetreuung müssen die Eltern fünf Euro pro Tag berappen.

Der Etat der Bücherei wurde 2004 von 3 500 auf 3 000 Euro gekürzt. "Durch eine Gebühr hätten wir die Möglichkeit, die Bücher rascher zu erneuern," plädierte der Bürgermeister für einen Obolus der Leser. Bei zwölf Ja-Stimmen und einer Gegenstimme entschied sich der Gemeinderat für eine Ausleihgebühr von 10 Euro pro Jahr bei einem erwachsenen Leser und 15 Euro bei einer Familie.