Lokales

"Ökonomisch Unfug und ethisch unverantwortlich"

Die katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Bezirk Esslingen spricht sich klar gegen die völlige Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes aus.

ESSLINGEN Bei der Bezirksvorstandssitzung zeigte sich der Vorstand der KAB tief enttäuscht über die Ankündigung von Baden-Württembergs Sozialminister Andreas Renner, den Ladenschluss im Lande völlig zu liberalisieren und neue Regelungen an Sonn- und Feiertagen "ergebnis-offen" zu diskutieren. Damit läute dem verkaufsfreien Sonntag das Totenglöcklein.

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Mit der Abschaffung des Ladenschlussgesetzes, so der 1. Vorsitzende des Bezirksvorstandes Emmerich Hoffecker, riskiere die Landesregierung ein weiteres, dramatisches Ladensterben und den Verlust zahlloser Arbeitsplätze, weil kleinere Geschäfte in einem Wettbewerb rund um die Uhr kostenmäßig nicht mithalten könnten. Die großen Warenhäuser und Handelsketten "bekannt durch teilweise extrem schlechte Arbeitsbedingungen und Missachtung von Arbeitnehmerrechten" würden noch mehr Umsatzanteile an sich ziehen. Das führe unweigerlich zu einer Verzerrung des Wettbewerbs und einer bedrohlichen Konzentration im Einzelhandel.

Verlängerte Öffnungszeiten bringen nach Einschätzung von KAB keinen müden Euro mehr an Umsatz und schaffen auch von ein paar Minijobs abgesehen keine zusätzlichen Arbeitsplätze. Stattdessen nehme man bewusst in Kauf, dass Verkäuferinnen Tag und Nacht, werktags und sonntags arbeiten müssten. Mit der Preisgabe des Ladenschlussgesetzes opfere man ohne jedweden Gewinn ein immer noch hoch aktuelles und notwendiges Arbeitnehmerschutzgesetz.

Die von der CDU geführte Landesregierung steht nach Meinung der KAB in dieser Frage nicht mehr auf dem Boden der katholischen Soziallehre. Die weitere Liberalisierung des Ladenschlusses und der gänzliche Verzicht auf ein Ladenschlussgesetz sei "ökonomisch Unfug und ethisch nicht zu verantworten", so KAB-Sekretär Akos Csernai-Weimer. Umso mehr, als damit über kurz oder lang auch der Schutz des Sonntags preisgegeben würde.

Die KAB appelliert daher an die Bevölkerung, sich an den für die Adventszeit geplanten verkaufsoffenen Sonntagen zu verweigern. "Wer heute am Sonntag freiwillig einkaufen geht, wird morgen unfreiwillig am Sonntag selbst arbeiten müssen", so Emmerich Hoffecker. Wer rund um die Uhr konsumiere, werde bald rund um die Uhr produzieren müssen.

pm