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"Ökostrom muss nicht teuer sein"

Eine neue Phase ihrer Energie-Kampagne "RückenWind für Ökostrom" läuten die Grünen im Landkreis Esslingen ein.

IRIS KOCH

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KREIS ESSLINGEN Das Konzept stellte der Grünen-Kreisrat und hauptamtliche Energieberater Jürgen Menzel vor: Städte und Gemeinden im Landkreis sollen einen Teil ihres Energiebedarfs im Rahmen einer gemeinsamen Ökostrom-Ausschreibung vergeben. Der umweltfreundlich erzeugte Strom sei nur unwesentlich teurer, in manchen Fällen sogar preisgünstiger als herkömmlich erzeugter Strom, betonte der Experte.

Seit der Liberalisierung des Strom-marktes kann jeder Verbraucher Strom vom Anbieter seiner Wahl beziehen. Zu einem Ökostrom-Anbieter haben nach Angaben von Jürgen Menzel inzwischen rund zwei Prozent der Kunden gewechselt mit steigender Tendenz. Bei den Städten und Gemeinden im Landkreis haben sich Esslingen und Ebersbach als Vorreiter in Sachen Ökostrom erwiesen: Esslingen deckt mittlerweile zehn Prozent seines Bedarfs mit Ökostrom, in Ebersbach wird ein Drittel des Strombedarfs von zertifizierten Öko-Anbietern bezogen. "Mit wenig Geld, das man in die Hand nimmt, kann man viel für den Klimaschutz tun", rechnet Menzel etwa am Beispiel Ebersbach vor:

Die Mehrkosten für den Ökostrom beliefen sich 2006 nur auf 2 000 Euro, "bei Gesamtstromkosten von 350 000 Euro ist das unerheblich". Um immerhin 442 Tonnen wurde dadurch der CO-Ausstoß verringert. Ein positives Signal setzte jüngst auch der Landkreis Esslingen mit seinem Beschluss, für zwei Liegenschaften die Versorgung mit Ökostrom auszuschreiben.

Angesichts immer neuer Schreckens-Szenarien aufgrund des Klimawandels hält auch der Kreisvorstand von Bündnis 90/Die Grünen Matthias Weigert das Thema Ökostrom für mehrheitsfähig. Allerdings ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom: Die von herkömmlichen Stromerzeugern neuerdings offerierten Öko-Tarife sind nach Ansicht von Energieberater Menzel eine Mogelpackung. "Da wird Strom aus alten Wasserkraftanlagen einfach teurer verkauft als früher". Bei zertifizierten Öko-Anbietern wie EWS Schönau oder Grün-Strom Enercity wird hingegen garantiert, dass zwischen 70 und 90 Prozent der gelieferten Strommenge aus Neuanlagen stammt "es wird also ständig in regenerative Energien investiert".

Wie der Umstieg auf Ökostrom "in kleinen Schritten" funktionieren kann, erläuterte Menzel grünen Gemeinde- und Stadträten aus dem Landkreis im Rahmen einer Fortbildung im Umweltzentrum Plochingen. Aus der bisher von Kommunen gemeinsam durchgeführten "Bündelausschreibung" solle ein Teil des Strombedarfs herausgenommen und nach Öko-Kriterien ausgeschrieben werden. Auf diese Weise kämen auch die kleineren und preisgünstigeren Öko-Anbieter zum Zug.