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"Ökumene wird früher oder später reiche Früchte tragen"

Pünktlich zum Beginn des neuen Kirchenjahrs hat die katholische Kirchengemeinde St. Maria in Oberlenningen einen neuen Pfarrer. Gestern Nachmittag wurde Christoph Blaschynski im Rahmen eines Festgottesdienstes in sein Amt eingeführt.

ANKE KIRSAMMER

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LENNINGEN "Advent Ankunft" hat unter den Lenninger Katholiken in diesem Jahr wohl eine doppelte Bedeutung. Denn mit der Investitur des neuen Pfarrers ist die fast fünfmonatige Zeit des Wartens vorbei. Eine Zeit, in der die Mitglieder der Gemeinde verstärkt gefordert waren. Wie Christoph Blaschynski in einem Vorgespräch sagte, sieht er das nicht nur negativ: "Hier gibt es viele Menschen, die sich engagieren. Ich weiß, ich kann auch weiter mit ihrer Hilfe rechnen." Und das über den Talschluss hinaus: Denn die Zuständigkeit des Pfarrers erstreckt sich neben Ober- und Unterlenningen, Schlattstall und Gutenberg auch aufSchopfloch, Hochwang, Erkenbrechtsweiler, Brucken und Owen.

Im oberschlesischen Kattowitz als Sohn deutschstämmiger Eltern geboren, studierte Blaschynski in Krakau Theologie. Einmal im Monat erlebte er während dieser Zeit den späteren Papst Johannes Paul II. 1976 wurde Blaschynski in seiner Geburtsstadt zum Priester geweiht. "Ein Kollege ermutigte mich, sechs Jahre später nach Deutschland auszusiedeln", erzählte der heute 55-Jährige, der sich selbst augenzwinkernd als "Wanderer" bezeichnet. Stationen im Bistum Münster in Greven und Rhede sowie im Bistum Rottenburg-Stuttgart in Altensteig und Ammerbuch schlossen sich an. In Lenningen will der "Neue" erst einmal entdecken, welche Bedürfnisse es in der Kirchengemeinde gibt. "Wir müssen sehen, was wir in Bewegung setzen können." Die seit Jahren angeschobene Ökumene möchte Blaschynski fortsetzen. "Wir sitzen alle in einem Boot", sagte er nicht nur im Hinblick auf die zahlreichen gemischten Ehen von evangelischen und katholischen Christen.

In seinem Grußwort bezeichnete Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht als Vertreter des Verwaltungsverbands die relativ kurze Vakanz gestern als "Glücksfall". Andernorts müssen katholische Kirchengemeinden inzwischen bis zu zwei Jahre ohne Pfarrer auskommen. Der Rathauschef bot Blaschynski eine offene Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Gemeinden an. In Anspielung an die Amtszeit von Blaschynskis Vorgänger Hubert Barth rief Schlecht dem Geistlichen zu: "Auf die nächsten 19 Jahre".

Owens Schulleiterin Christa Eckel überbrachte für die acht Schulen in Blaschynskis Zuständigkeitsbereich ein "herzliches Willkommen". Den Kindern und Jugendlichen christliche Werte zu vermitteln, sei der gemeinsame Auftrag von Schulen und Kirchen. "Wir müssen ihnen Wurzeln geben. Damit können sie später hoch hinauswachsen."

Das Aufatmen von Unterlenningens evangelischer Pfarrerin Regina Stierlen war deutlich zu hören: "Jetzt sind wir wieder komplett". Im Namen der übrigen evangelischen Pfarrer des Distrikts und aller evangelischen "Mitchristen" freute sie sich auf ein Weiterführen der Ökumene. Eine Diaspora-Gemeinde böte dazu besondere Chancen. "Wir schöpfen aus denselben Kraftquellen", betonte Regina Stierlen und wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahrzehnten auf beiden Seiten bereits zahlreiche Brücken gebaut worden seien.

"Des einen Freud, des anderen Leid" Christel Rosenstiel, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats in Ammerbuch, machte keinen Hehl daraus, dass die 70 Kilometer entfernte Kirchengemeinde Blaschynski ungern ziehen ließ. "Sie bekommen einen engagierten Pfarrer, der viel Gutes bewirkt". Die Katholiken der ehemaligen Wirkungsstätte hatten einen ganzen Bus gechartert, um bei dem Investiturgottesdienst in Lenningen dabei zu sein.

Der stellvertretende Dekan des neugebildeten Dekanats Esslingen-Nürtingen, Paul Magino, der auch die Einsetzung vorgenommen hatte, bezeichnete die Bildung der "Seelsorgeeinheit" von Lenningen und Weilheim als besondere Herausforderung für den neuen Geistlichen. Magino ermunterte die Gottesdienstbesucher, in punkto Ökumene angesichts des großen Auftrags des Evangeliums verantwortungsvoll auch "Schritte zu tun, die anderen noch unmöglich erscheinen."

Der zweite Vorsitzende des katholischen Kirchengemeinderats von St. Maria, Hans-Jürgen Jung, dankte den über 100 Ehrenamtlichen, die die pfarrerlose Zeit mit ihrem Einsatz überbrückt hatten und zeigte sich erfreut, dass Blaschynski in Oberlenningen nicht nur auf "Brautschau" war, sondern durch die Investitur mit der Kirchengemeinde jetzt auch "verheiratet" sei.

Abschließend kündigte der neue Pfarrer auf seine ganz eigene sympathische und verschmitzte Art an, die Vereine teilweise vielleicht auch als Mitglied kennenlernen zu wollen und nach den Sommerferien kommenden Jahres eventuell in der Schule zu unterrichten. Und er betonte: "Wenn wir uns von einem Geist leiten lassen, wird die Ökumene früher oder später reiche Früchte tragen."