Lokales

Ötlingen „in die Zukunft eingereiht“

Der Kirchheimer Gemeinderat stimmt dem Entwicklungskonzept „Ortsmitte Ötlingen“ zu

Nachdem in Jesingen die Bauarbeiten zur Sanierung der Ortsmitte bereits begonnen haben, nimmt die Stadt Kirchheim nun auch den westlich gelegenen Ortsteil Ötlingen ins Visier: Professor Winfried Schwantes stellte im Gemeinderat das Entwicklungskonzept „Ortsmitte Ötlingen“ vor.

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Andreas Volz

Kirchheim. Winfried Schwantes vom Stuttgarter Planungsbüro „ORplan“ gab im Gemeinderat zunächst einmal die Devise aus, an der sich das Entwicklungskonzept orientiert: „Der Ortsteil soll als Ortsteil ablesbar sein.“ Als Ötlinger Besonderheiten im Gegensatz zur Kernstadt Kirchheim nannte er einen Ausländeranteil von 26 Prozent sowie die „große Anzahl alter Leute“. Die Bausubstanz wiederum sei „nicht immer vom Besten“. Es gebe noch zahlreiche Schuppen „aus der Ära der landwirtschaftlichen Struktur“, aber auch viele Baulücken und Brachflächen, die für eine Innenentwicklung zur Verfügung stünden.

Eines der größten Probleme, das bei einer Sanierung der Ortsmitte langfristig anzugehen ist, nannte Professor Schwantes ebenfalls deutlich beim Namen: „Die Stuttgarter Straße ist eine Barriere im Ortsteil.“ Allerdings sprach der Städteplaner auch die Schwierigkeit an, die einen vorgesehenen Rückbau der Stuttgarter Straße so gut wie unmöglich macht: An eine Südumfahrung Ötlingens sei kurzfristig nicht zu denken.

Was für den Ortsteil dagegen von großer Bedeutung sein dürfte, das ist die S-Bahn, die zum Jahresende auch in Ötlingen Station macht. Hierfür sind jetzt bereits die notwendigen Parkplätze am Bahnhof zu schaffen. Außer dem Ötlinger Bahnhof zählte Winfried Schwantes auch die Reutlinger Straße zu den Schwerpunkten, die bereits kurzfristig saniert werden müssten. In diesem Zusammenhang sprach er nicht nur von einem „gewissen sozialen Brennpunkt“, sondern auch von einer „schlechten Wohnsubstanz“. In seinem Entwicklungskonzept ist unter anderem von einer Tiefgarage für das Wohngebiet Reutlinger Straße die Rede, aber auch von einer „kleinteiligen und hofbildenden Wohnbebauung“ anstelle der „südlichen Zeilenbebauung“ in der Reutlinger Straße.

Weitere kurzfristige Maßnahmen sind die Verbesserung der Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer rund um die Ötlinger Seniorenzentren sowie die Neugestaltung des Rathausplatzes. Auf der freien Fläche hinter dem Rathaus, wo einst ein „co op“-Markt stand, soll ein zwei- bis dreigeschossiger L-förmiger Bau entstehen, der einen kleinen Platz einfasst. Auf diesem Platz wiederum könnten später einmal Feste oder Märkte stattfinden. Vielleicht nehmen die Ötlinger diesen Platz auch unabhängig von speziellen Veranstaltungen als Treffpunkt an. Eine Art Gegenstück zum Stadtplatz hinter dem Rathaus wäre der „stille Platz“, den Winfried Schwantes sich genau gegenüber vorstellen könnte – zwischen Kirche und Apotheke.

„Kurzfristig“ definierte der Stadtplaner als einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Mittelfristig, also in fünf bis zehn Jahren, denkt Schwantes an einen Umbau der Isolde-Kurz- und der Lindorfer Straße oder auch der Parkplätze parallel zur Stuttgarter Straße. Langfristig, also frühestens in zehn Jahren, könnte die Stuttgarter Straße umgenutzt und umgebaut werden. Das gilt nicht nur für die Straße als solche, sondern auch für Teile der Bebauung entlang der Stuttgarter Straße.

Während Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Anschluss an die Konzeptvorstellung von „viel Zukunftsmusik für Ötlingen“ sprach, freute sich Ortsvorsteher Hermann Kik, dass das Konzept auf den Weg gebracht wird: „Wir werden damit in die Zukunft eingereiht. Jetzt geht es erst einmal um den Einstieg in ein Konzept, denn wir reden hier über einen Zeitraum von zehn bis zwanzig Jahren.“ Hermann Kik freut sich auch schon auf ernsthafte Diskussionen, wenn das Konzept ausgearbeitet ist. – Unabhängig davon forderte Stadtrat Thilo Rose (CDU), die Trasse einer Südumfahrung Ötlingens planfeststellen zu lassen. Die Stadt müsse Planungen in der Schublade haben, „um auf Konjunkturprogramme reagieren zu können“. Seine Ratskollegin Birgit Müller (Frauenliste) mahnte an, dass abgestimmt sein müsse, wo neue Sozialwohnungen entstehen können, bevor vorhandene Wohnungen in der Reutlinger Straße abgerissen werden.

Insgesamt zeigten sich die Gemeinderatsmitglieder überzeugt vom vorgeschlagenen Entwicklungskonzept, teilweise waren sie sogar „begeistert von den Visionen für Ötlingen“. Dem weiteren Verfahren stimmte das Gremium einmütig zu.