Lokales

Ötlinger Halde und Weltladen im Blickpunkt

Standesgemäß eröffnete Dr. Uschi Eid den Wahlkampf in ihrem Wahlkreis mit dem Fahrrad. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen informierte sich gestern bei einer Radtour von Kirchheim über Unterensingen nach Nürtingen über die Situation vor Ort.

IRIS HÄFNER

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KIRCHHEIM Bevor die Gruppe in die Pedale trat, informierte Christine Helwerth-Rindle die Teilnehmer im Eine-Welt-Laden über die Arbeit dieser Einrichtung. "Der Kirchheimer Weltladen wird gut angenommen. Schon im zweiten Jahr haben wir kostendeckend gearbeitet", freut sich die Geschäftsführerin. Kaffee ist der Renner, doch auch sonst werden Produkte aus fairem Handel gut angenommen. Mittlerweile gibt es einen festen Mitarbeiterstamm und der Laden in der Dettinger Straße ist etabliert.

Uschi Eid, persönliche G 8-Afrika-Beauftragte von Bundeskanzler Schröder, fühlte sich sichtlich wohl im Weltladen. Der faire Handel ist ihr Thema und die Weltläden mit ihrem Angebot ein Medium, um die Verbraucher für die Problematik in den Entwicklungsländern zu sensibilisieren. "Ein Beispiel dafür sind die getrockneten Mangos aus den Philippinen. Viele Frauen werden in diesem Land aus ökonomischen Gründen in die Prostitution getrieben. Mit der Arbeit in der Produktionsfirma wird ihnen die Möglichkeit zum Ausstieg geboten", sagte sie.

Zweiter Programmpunkt war die Ötlinger Halde, über die das Bürgerforum informierte. Bevor die Radler durch das kleine Paradies am Rande der Stadt fuhren, gab es die harten Fakten. Auch wenn dort noch regelmäßig Rehe vom Bergwald zum Trinken zur Lauter kommen, über zehn Hasen ihre Haken schlagen, 3500 Insektenarten und über 60 Vogelarten vorkommen selbst ein Eisvogel ist an der Lauter heimisch , soll hier eine Umgehungsstraße durch das gesamte Gebiet gebaut werden, das sich zurzeit noch als eine intakte Kulturlandschaft mit Äckern und Wiesen präsentiert. Das Pendant, die Jesinger Halde, hat es da wesentlich besser. Dieser Landstrich wurde ins Entwicklungspflegeprogramm aufgenommen, und mit Fördergeldern des Landes soll die Vielfalt erhalten bleiben.

Für die Ötlinger Halde gilt dies jedoch nicht. Obwohl die selbe Landschaftstruktur vorliegt und sie ein unbestrittenes Erholungsgebiet für viele Kirchheimer ist, gelten für sie andere Kriterien. Zudem ist die Halde ausgewiesenes Überschwemmungsgebiet. Das bedeutet, dass die Straße auf einem sicheren Damm erstellt werden muss. Mit der Baumaßnahme soll der Verkehr in der Innenstadt entlastet werden, was das Bürgerforum allerdings stark bezweifelt. Laut ihren Zahlen kommt der Durchgangsverkehr auf elf Prozent, der Rest ist Ziel- und Quellverkehr, also Fahrten zum Musikunterricht, Fußballtraining, Einkaufsmarkt, Bäcker, zu Freunden oder zur Arbeit. Die Initiative kritisiert zudem, dass es sich bei der Planung der neuen Straßentrasse um jahrzehntealte Entwürfe handelt. "Das Alte lässt sich nicht auf heute übertragen", so die Meinung.

Als zweite Problematik kommt aus Sicht des Bürgerforums die Bebauung in Ötlingen hinzu. Die Entlastung der Bewohner der Paradiesstraße wird ihrer Ansicht nach teuer erkauft. Auf der gut ausgebauten Strecke sollen nach Aussage des Bürgerforums 80 Kilometer pro Stunde erlaubt sein. Deshalb befürchtet die Initiative, dass zum einen der Verkehr von der Autobahn angelockt wird und somit mit zusätzlichem Lärm und Immissionen zu rechnen ist.

Bei Familie Fuchs diskutierten die Teilnehmer der Radtour und Uschi Eid am Rande der Ötlinger Halde leidenschaftlich über Sinn und Unsinn von Planungen, insbesondere auch von gesetzlichen Vorschriften. Wer in einer Drei-Zimmer-Wohnung im fünften Stock wohnt, braucht einen entsprechenden Schuppen auf seinem Grundstück, um Balkenmäher und andere Gerätschaften diebessicher unterbringen zu können. Dann den Abbruch zu fordern, weil die Kubikzahl um ein Geringes überschritten wird, hält auch die Staatssekretärin für weit über das Ziel hinausgeschossen. "So vergrault man sich die letzten Leute, die noch bereit sind, die Streuobstwiesen zu pflegen", erklärte sie.

Berlin und die Bundespolitik wurden gestreift und Uschi Eid plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. Doch auch die Staatssekretärin weiß nicht, ob es überhaupt Neuwahlen geben wird glücklich wäre sie darüber nicht. Nach Ötlingen führte die Grünen-Radtour weiter zum Naturschutzgebiet am Baggersee Unterensingen und dann nach Nürtingen, wo der Eine-Welt-Laden das Ende der Fahrt markierte.