Lokales

Offen für das Licht der Welt

Die Halle der Welt mit Licht füllen: La-le-li-lo-lu, ka-ke-ki-ko-ku, ta-te-ti-to-tu??? Nein! Das sind keine Druckfehler. Der Computer hat auch keine Aussetzer gehabt. Der Verfasser dieses Artikels? Auch der hat eigentlich keine Aussetzer gehabt. Es ist gar nicht so leicht, diesen Teil der Tageszeitung mit Worten, Bildern oder Fotos zu füllen, mit etwas Sinnvollem zu füllen.

Betrifft das nicht uns alle? Haben wir nicht alle Schwierigkeiten, das Leben mit etwas Sinnvollem zu füllen? Mit was füllen wir unser Leben? Ich muss an eine bekannte Geschichte denken, in der ein betagter König nicht wusste, welchem seiner beiden Söhne er sein Reich anvertrauen könnte. Er stellte deshalb den beiden Söhnen die Aufgabe, die Halle des Schlosses bis zum Abend vollständig zu füllen. Fünf Silberstücke händigte er dazu jedem seiner Söhne aus. Der ältere Sohn begegnete Landarbeitern, die Zuckerrohr schnitten und in der Mühle pressten. Das gepresste Zuckerrohr lag nutzlos herum. Mit ihm ließe sich die Halle des Schlosses füllen.

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Gedacht, gesagt und getan. Als die Halle mit Zuckerrohr gefüllt war, forderte der ältere Bruder von seinem Vater das Erbe. Es ist noch nicht Abend, wir wollen warten.

Der jüngere Sohn kam und bat darum, das Zuckerrohr aus der Halle wieder zu entfernen. So geschah es. Dann stellte er mitten in der Halle eine Kerze auf und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.

Dem Vater fiel die Entscheidung nicht schwer, wem er das Königreich geben sollte. Du hast die Halle mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen. Eine geniale Idee, finden Sie nicht? Mit was füllen wir unser Leben? Mit mehr oder weniger Sinnvollem wie der ältere Sohn des Königs? Steht er uns nicht näher? Mit was stopfen wir uns nicht den lieben langen Tag voll? Es sind ja nicht nur die Süßigkeiten. Die Halle der Welt mit Licht füllen, so ist diese Geschichte überschrieben. Ein kleines und zartes Licht genügt schon.

Das Spannende ist ja, dass es dieses Licht gibt, das Licht der Liebe, das Licht des Gotteskindes. Die Adventszeit erinnert uns daran. Wir werden zum Empfang dieses Lichtes aufgemuntert, denn dieses Licht will auch in der Halle unserer Welt scheinen. Mit diesem Licht kann ich mich anders wahrnehmen und mich besser annehmen mit allen meinen Seiten. In diesem Licht darf ich erfahren, dass ich geliebt und angenommen bin. Von dem, der Mensch wurde, um uns Menschen nahe zu sein. Er wurde Mensch, um Licht in unser Dunkel zu bringen. Wir können die Halle unseres Lebens mit seinem Licht füllen. Wir haben Grund, dankbar und fröhlich zu sein.

Ich wünsche Ihnen ein offenes Herz für dieses Licht der Welt.

Wolf Peter Bonnet

Gemeindepfarrer in Lindorf und

Krankenhausseelsorger an der

Klinik Kirchheim