Lokales

„Oft ist es reiner Etikettenschwindel“

Seit 1. Januar 2008 fördert der Bund in ganz Deutschland 500 Mehrgenerationenhäuser. Davon werden 200 Einrichtungen durch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds unterstützt. Das Kirchheimer Mehrgenerationenhaus Linde finanziert sich hingegen mit Zuschüssen des Bundes, des Landkreises und der Stadt. Der Hintergrund für die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, die Mehrgenerationenhäuser ins Leben zu rufen, war die Tatsache, dass sich das Zusammenleben in den Familien verändert hat. „Familien leben heute nicht mehr selbstverständlich unter einem Dach. Zugleich steigen die Anforderungen an Berufstätige stetig: Sie müssen flexibel und mobil sein – aber sie wollen auch ihre Kinder gut versorgt wissen“, ist auf der Homepage des Bundesfamilienministeriums zu lesen. Durch die Mehrgenerationenhäuser solle das Prinzip der Großfamilie in die moderne Gesellschaft übertragen werden. Ziel sei, den Zusammenhalt von Menschen unterschiedlichen Alters auch außerhalb der Familien zu stärken. Die Idee der Mehrgenerationenhäuser sieht sich aber auch Kritik ausgesetzt: So bemängeln die „Gegner“, dass sich durch das Mehrgenerationen-Programm für manche sozialen Einrichtungen, die den Begriff der Mehrgenerationenhäuser gar nicht erfüllen würden, eine neue finanzielle Perspektive ergebe. Zudem würden in den Einrichtungen Jung und Alt nur selten an den gleichen Angeboten teilnehmen – und wenn, dann gesellten sich die Menschen fast immer zu den eigenen Altersgenossen.

Matthias Altwasser, Leiter der Kirchheimer Linde, kennt diese Kritikpunkte – und hält sie teilweise auch für berechtigt. Denn bei manchen Einrichtungen in Deutschland funktioniere der Gedanke der Mehrgenerationenhäuser nicht, räumt er ein. „Oft ist es reiner Etikettenschwindel.“ In der Linde hingegen gebe es viele Projekte, bei denen die Generationen zusammen etwas unternehmen – zum Beispiel das „Essen nicht vergessen“, die „Hörbar“, bei der sich Jung und Alt zu einem literarischen Brunch treffen, und PC-, Handy- sowie Fotografier-Kurse, die Jugendliche für ältere Menschen anbieten. alm


Anzeige