Lokales

"Ohne Arbeit kaum noch Vögel"

Die Kreisgruppe Esslingen des Naturschutzbundes (NABU) leitet alljährlich die Pflege des Naturschutzgebietes Wernauer Baggerseen. In der Praxis sieht das so aus, dass in den Wintermonaten zwei Mal Pflegeeinsätze durchgeführt werden. Dazu werden alle Bürger gebeten mitzuhelfen.

WERNAU Von vielen Naturfreunden wird das Naturschutzgebiet geschätzt und für die Naherholung genutzt. Bei den Pflegeeinsätzen im Biotop können diese "der Natur etwas davon zurückgeben".

Anzeige

Werden Naturschutzgebiete nicht gepflegt, können sie ihre Schutzfunktion nicht erfüllen. Seltene Tiere und Pflanzen, die dort einst zahlreich vorhanden waren, verschwinden oft ganz. In den meisten Fällen hat die aufkommende Ufervegetation von Weiden, Birken, Pappeln, Erlen und Brombeergebüsch überhand genommen und die wichtigen Schilf- und Röhrichtzonen so beschattet, dass die eingingen. Aber gerade diese besonderen Lebensräume sind die Heimat von stark bedrohten Vogelarten. Hier leben zum Beispiel die verschiedenen Rohrsänger, Bartmeisen, Wasserrallen, Zwergrohrdommel oder die Rohrammer. Unter Wasser bildet es einen ebenso wichtige Lebensraum für Jungfische und Libellenlarven. Aber auch viele Frösche und Ringelnattern sind hier anzutreffen.

Pflegeeinsätze werden immer in die Winterzeit gelegt, in der die meisten Vögel in ihren Winterquartieren sind und somit die Störungen am geringsten sind. Da im weiteren Umland der Seen sich viele Bäume zum Brüten, wie im Waldhang "Plochinger Kopf", und gegenüber südlich des Neckars große Streuobstwiesen mit Weideflächen befinden, müssen hauptsächlich sonnenbeschienene Freiflächen mit Schilf und Röhricht erhalten bleiben.

Das Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen beherbergt viele seltene Vogelarten. Einer der großen Schätze davon ist die Zwergrohrdommel. Sie ist seit drei Jahren wieder Brutvogel. Auch die Große Rohrdommel ist jedes Jahr in den Wintermonaten im Schilf zu sehen.

Vor allem die vielen Weidenschösslinge machen bei den Pflegeeinsätzen viel Arbeit, aber auch junge Weißdorn- und Brombeerpflanzen. Sie alle müssen aus dem Schilf und den Freiflächen entfernt werden, bevor sie zu groß werden und zu viel Schatten auf diese lebenswichtigen Biotope werfen. Gerade auf sonnenbeschienenen Freiflächen kann man viele hundert Hügel von Rasenameisen sehen. Sie stellen eine wichtige Nahrungsquelle für Spechte dar.

Selbst der sehr seltene Wendehals brütete letztes Jahr dort. Für ihn sind Larven von Ameisen und anderen Insekten wichtig zur Aufzucht der jungen. Würden die Naturschützer nicht eingreifen, dauerte es nicht lange und ein dichter und undurchdringlicher Weidenwald würde rings um die Seenfläche entstehen. Kein Sonnenstrahl käme auf den Boden und die Artenvielfalt der Tiere würde stark abnehmen.

Eine besondere Hilfe an Pflege bekommen die Helfer des NABU durch den ortsansässigen Schäfer Markus Hornung. Seit vielen Jahren lässt er seine Schafherde mehrmals im Jahr in der Naturschutzgebiet. Die Beweidung durch die Tiere ist eine naturnahe und althergebrachte Pflege, wie sie besser nicht sein könnte. Die Schafe weiden das Gras, beißen aber auch die jungen Triebe der Sträucher ab. Gerade verbissene Jungsträuche bilden dadurch noch mehr Äste aus, sodass sie fast zu einer dichten Kugel werden. So finden dadurch viele Bodenbrüter einen geeigneten geschützten Nistplatz. Aber auch auf eine andere Weise sind Schafe äußerst nützlich: Im Kot entwickeln sich Larven, Fliegen und Käfer, sie sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Vögel.

Die nächsten Pflegeeinsätze an den Wernauer Baggerseen finden an folgenden Samstagen statt: 21. Januar und 11. Februar. Treffpunkt ist jeweils um 9 Uhr auf der alten B 313 am Eingang des Naturschutzgebietes. Die Kreisgruppe Esslingen des Naturschutzbundes (NABU) leitet alljährlich die Pflege des Naturschutzgebietes Wernauer Baggerseen.

pm