Lokales

„Ohne Ehrenamtliche geht es nicht“

Thilo Haug vom Kirchheimer DRK: Vor allem junge Leute profitieren von ehrenamtlichem Engagement

„Retten, helfen, Chancen schenken“: Unter diesem Leitgedanken steht der Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ 2010, den die Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und der Teckbote ausgeschrieben haben. Bewerben kann man sich noch bis 10. Juli, ausführliche Broschüren liegen in allen Filialen der Kreissparkasse und beim Teckboten aus. Über ehrenamtliches Engagement sprach Heike Allmendinger mit Thilo Haug, Bereitschaftsarzt beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kirchheim.

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Herr Haug, Sie sind einer der leitenden Notärzte des Landkreises Esslingen und arbeiten als Arzt im Krankenhaus in Kirchheim. Das Thema „Retten, helfen, Chancen schenken“ ist also sozusagen Ihr tägliches Brot. Was verbindet Sie darüber hinaus mit dem diesjährigen Motto des Ehrenamtspreises?

THILO HAUG: Mit dem Motto „Retten, helfen, Chancen schenken“ verbindet mich neben meinem Beruf meine ehrenamtliche Tätigkeit bei der Ortsgruppe des DRK Kirchheim. Dort bin ich einer von zwei Bereitschaftsärzten. Wir sind bei größeren Veranstaltungen im Raum Kirchheim vor Ort, zum Beispiel beim Silvesterlauf, dem Fliegertreffen auf der Hahnweide oder dem Radrennen. Häufig müssen wir Patienten mit Herz- und Kreislaufschwäche helfen. Aber auch größere und kleinere Verletzungen sind zu versorgen. In den Sommermonaten kommen oft Insektenstiche mit oder ohne allergische Reaktion hinzu. Von Großschadensereignissen sind wir in den vergangenen Jahren – Gott sei Dank – verschont geblieben.

Muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um ehrenamtliches Mitglied beim DRK zu werden?

HAUG: Grundsätzlich kann jeder beim DRK ehrenamtliches Mitglied werden. Aber wenn man im Sanitätsdienst mithelfen will, dann sind eine Erste-Hilfe- und eine Sanitätsausbildung notwendig. Beide Ausbildungen kann man beim DRK absolvieren. Als DRK-Bereitschaftsarzt hingegen sollte man eine Qualifikation als Notfallmediziner haben, die unter anderem eine Tätigkeit in einer Klinik erfordert.

In welchen Bereichen kann man beim DRK ehrenamtlich tätig sein?

HAUG: Beim DRK kann man in den Bereichen Bereitschaft, Bergwacht, Wasserwacht und sozialer Dienst ehrenamtlich tätig sein. In Kirchheim engagieren sich die meisten Ehrenamtlichen in der Bereitschaft, die Veranstaltungen betreut, und im Helfer-vor-Ort-System des DRK-Kreisverbandes. Außerdem gibt es den Blutspendedienst und zusammen mit der DRK-Bereitschaft Weilheim eine Sanitätseinsatzgruppe, die bei größeren Unfällen oder Bränden zur Unterstützung des regulären Rettungsdienstes ausrückt. Die Mitglieder der DRK-Bergwacht im Lenninger Tal helfen, wenn zum Beispiel Wanderer oder Radfahrer in unwegsamem Gelände verunglücken – was gar nicht so selten vorkommt. Eine Wasserwacht gibt es beim DRK Kirchheim nicht. Diese Aufgabe übernimmt hier die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Der soziale Dienst des Kirchheimer DRK engagiert sich vor allem in der Seniorenarbeit.

Wie viele Menschen sind beim DRK Kirchheim ehrenamtlich tätig?

HAUG: Das DRK Kirchheim hat insgesamt 96 ehrenamtliche Mitglieder.

Gibt es viele Jugendliche, die sich ehrenamtlich einbringen? Oder hat das Kirchheimer DRK – wie etliche Vereine auch – mit Nachwuchssorgen zu kämpfen?

HAUG: Ja, das DRK Kirchheim hat Nachwuchssorgen. Für viele junge Leute ist es wohl nicht attraktiv, an den Wochenenden bei Veranstaltungen zu helfen, wenn man vielleicht etwas anderes vor hat. Aber es gibt beim DRK das Jugendrotkreuz, bei dem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch gemeinsam etwas unternehmen, um die Gemeinschaft zu pflegen. Von den 96 Ehrenamtlichen des DRK Kirchheim sind neun Jugendliche beim Jugendrotkreuz. Sie absolvieren – wie die Erwachsenen auch – eine Erste-Hilfe- und Sanitätsausbildung. Das Jugendrotkreuz soll die jungen Leute dazu hinführen, dass sie sich später aktiv in der Bereitschaft einbringen.

Welche Vorteile bringt der ehrenamtliche Einsatz beim DRK den Mitgliedern – gerade auch den jungen Leuten?

HAUG: Ein großer Vorteil ist, dass das soziale Engagement gefördert wird, dass man mit Menschen zu tun hat und im Team arbeitet. Dabei lernen Jugendliche, wie man auf andere zugeht. Das ist auch später im Beruf sehr wichtig. Außerdem kann man Pluspunkte bei späteren Arbeitgebern bekommen, wenn man in Bewerbungen eine ehrenamtliche Tätigkeit angibt. Die Arbeit beim Roten Kreuz ist eine Art Gemeinschaftserlebnis. Man weiß, dass man sich innerhalb der Gruppe aufeinander verlassen kann. Es ist ein gutes Miteinander.

Wie kriegen Sie Ihren Beruf und Ihre ehrenamtliche Tätigkeit zeitlich unter einen Hut?

HAUG: Das ist sehr schwierig. Denn vor allem im Sommer könnte man als DRK-Mitglied fast an jedem Wochenende bei einer Veranstaltung mithelfen. Oft habe ich aber an den Wochenenden Dienst im Krankenhaus. Für Familie und Hobbys bleibt da wenig Zeit.

Wäre das Hilfs- und Rettungssystem in Deutschland ohne die Arbeit der ehrenamtlichen Kräfte überhaupt denkbar?

HAUG: Nein, ohne Ehrenamtliche kommt man nicht aus. Auch der reguläre Rettungsdienst oder die Feuerwehr lebt von ehrenamtlich Tätigen. Ohne sie wäre es nicht machbar.

Können Projekte wie der Ehrenamtspreis ehrenamtliches Engagement in der Gesellschaft fördern?

HAUG: Auf jeden Fall. So erfährt die Öffentlichkeit, was Ehrenamt ist, wie und wo man sich engagieren kann und dass das Ehrenamt auch die Menschen persönlich weiterbringen kann. Das bewegt vielleicht den einen oder anderen dazu, sich zu überlegen, selbst ehrenamtlich tätig zu werden. Und hier gibt es sehr viele Möglichkeiten. Erkrankte und Verletzte zu betreuen und zu versorgen, ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber überall, wo soziales Engagement gefragt ist, kann man sich ehrenamtlich einbringen – zum Beispiel bei Vereinen, in Alten- und Pflegeheimen oder bei kirchlichen Einrichtungen.

Der 52-jährige Thilo Haug aus Kirchheim arbeitet als Oberarzt in der Inneren Abteilung des Kirchheimer Krankenhauses. Er gehört zur Gruppe der acht leitenden Notärzte des Landkreises Esslingen und ist Bereitschaftsarzt beim Deutschen Roten Kreuz Kirchheim.