Lokales

"Ohne Lokalzeitung keine Demokratie"

"Ohne Lokalzeitung gibt es keine fundierte Demokratie, ohne eine gute Information kann man sich keine eigene Meinung machen." Auf das Wesen der Presse als Instrument zur Sicherung der demokratischen Gesellschaft ging Verleger Ulrich Gottlieb angesichts des denkwürdigen Jubiläums des Teckboten ein: Seit 175 Jahren begleitet die Lokalzeitung die Menschen in Kirchheim und der Region.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Wir sind stolz, dass wir dieses herausragende Jubiläum mit Menschen feiern dürfen, die diesen Erfolg erst mit verwirklicht haben", betonte Ulrich Gottlieb, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt, gestern im Kirchheimer Kornhaus. Neben der großen Zahl der Leser zählen dazu die politischen Vertreter auf kommunaler sowie landes- und bundespolitischer Ebene, aber auch die Anzeigenkunden und Vertreter der lokalen Vereine in den Bereichen Kultur, Sport und Soziales. "Ich bin überzeugt davon, dass eine Lokalzeitung wie die unsrige, welche über sieben Generationen hinweg durch lokale Verleger geführt wird, Garant dafür ist, dass umfassend, unabhängig, aber auch kritisch über das politische Leben in unserer Stadt berichtet wird", strich der Verleger die gesellschaftspolitische Aufgabe einer Zeitung heraus. Mit Blick auf die Mandatsträger verhehlte er auch nicht die mitunter unbequeme Rolle der Presse als Anwalt der Bürger. Diese Funktion müsse, verbunden mit dem Einstehen für die Pressefreiheit, akzeptiert werden.

Als wichtigste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Lokalzeitung nannte Ulrich Gottlieb die Heimatverbundenheit, die lokale Präsenz und besonders die Fokussierung auf das Verbreitungsgebiet. All dies führte im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Leseranalyse zu Bestnoten für den Teckboten. "Dies bestätigt uns zwar in unserer Arbeit, ist jedoch auch Ansporn uns weiter zu verbessern", bilanzierte der Verleger.

Er würdigte bei der Begrüßung der Verlegerinnen und Verleger der Nachbarzeitungen aus dem Kreis die bemerkenswerte Zeitungsvielfalt im Ländle. Diese Vielfalt gelte es auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten zu bewahren. Solche Zeiten hat der Teckbote bereits mehrfach durchgemacht. Ulrich Gottlieb beschrieb die enormen Anstrengungen, mit denen es gelang, im Ersten Weltkrieg den Verlag über Wasser zu halten und auch die schwierigen Nachkriegsjahre samt Inflation zu überstehen. Im Zweiten Weltkrieg, dem die Gleichschaltung der Presse vorausgegangen war, versuchte sich der Teckbote nach Kräften, aus der NS-Propaganda herauszuhalten und konnte bis zum 20. April 1945 erscheinen. 1949 wurde ein Neuanfang, zunächst unter dem Namen "Teck-Rundschau", möglich. "Vor den Verlegern sowie den Gesellschaftern der letzten sechs Generationen will ich am Jubiläumstag den Hut ziehen", schloss Ulrich Gottlieb seine Ausführungen: "Sie haben alle durch Weitsicht und hohes Engagement dazu beigetragen, dass wir auch als kleine Lokalzeitung unsere Unabhängigkeit über 175 Jahre erhalten konnten."

"Welche Stadt kann auf ein Zeitungsleserdenkmal in ihren Mauern verweisen?" fragte Landrat Heinz Eininger. Dieses Denkmal, geschaffen vor fünf Jahrzehnten zum 125-jährigen Teckboten-Jubiläum, zeige die Verbundenheit der Heimatzeitung mit ihrer Leserschaft, der Stadt und dem Umland. Der Teckbote dürfe 175-jähriges Jubiläum feiern, weil er mit Bodenhaftung und Bodenständigkeit ausgestattet sei, Heimatverbundenheit ausstrahle und in seiner Berichterstattung vom Wissen um die Verankerung in der Kommune geprägt sei. Der Landrat, der sich als Kirchheimer zur Frühstückslektüre Teckbote bekannte, bezeichnete die Heimatzeitung als "vertrauten Begleiter", der wiederum großes Vertrauen genieße. Hinter dem bodenständigen Blatt stehe ein modernes Wirtschaftsunternehmen, der GO Druck Media Verlag, der von der zukunftsorientierten, aber auch geschichtsbewussten Verlegerfamilie Gottlieb geführt werde. Heimatverbundenheit bedeute für sie auch soziale Verantwortung, spann Heinz Eininger den Faden weiter bis zum Engagement im Rahmen der Weihnachtsaktion oder auch bei der Berichterstattung über soziale Themen.

"Die Kommunalpolitik benötigt die kommunale Presse", ließ der Landrat keinen Zweifel an einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Schließlich erfolge der "notwendige kommunale Datentransfer" erst durch die Zeitung. Im Blick auf die Zukunft zeigte sich Eininger zuversichtlich: "Unsere Kultur braucht das geschriebene Wort", dies sei die Basis für kultivierte Kommunikation.

Mit dem Zuruf "Chapeau" zog auch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker den Hut vor den Verlegern des Teckboten in Geschichte und Gegenwart. "Es ist ihnen gelungen, sich gut für die Zukunft aufzustellen", würdigte sie beispielsweise das Engagement im Bereich der Jugendarbeit. Der wachsende Wettbewerb der Medien bedeute eine enorme Herausforderung. Für die Zukunft wünschte sie dem Jubilar daher nicht nur das notwendige Handwerkszeug, sondern auch weiterhin große Innovationskraft.

Augenzwinkernd schob die Oberbürgermeisterin den Wunsch nach einer "stets wohlwollenden Berichterstattung" nach, nicht ohne zuvor aus dem Nähkästchen geplaudert zu haben: So hatte sie Archivunterlagen entnommen, dass der Gemeinderat in den Jahren 1827 und 1830 erste Gesuche um Genehmigung der Herausgabe eines Wochenblattes schlichtweg abgelehnt hatte. Eine Notwendigkeit, amtliche Bekanntmachungen darin kundzutun, wurde nicht gesehen. Diese wurden nämlich sonntags jeweils nach dem Gottesdienst öffentlich verkündet. An politische Inhalte war seinerzeit ohnehin nicht zu denken. Vom "Gedanken eines Vormärzes" war hier nichts zu spüren, schlussfolgerte die Oberbürgermeisterin und bot damit reichlich Impulse für Diskussionen beim anschließenden geselligen Beisammensein.

"Papirossa", eine vierköpfige Band aus Weißrussland, untermalte den unterhaltsamen Stehimbiss passend mit heiterer Salon- und Caféhausmusik.