Lokales

Ohne persönliche Kontakte geht es nicht

GIVATAYIM Erstmals seit fünf Jahren und erstmals angeführt von Landrat Heinz Eininger hat eine

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ANDREAS VOLZ

größere offizielle Delegation des Landkreises Esslingen der israelischen Partnerstadt Givatayim einen Besuch abgestattet. Dabei ging es zum einen darum, die partnerschaftlichen Beziehungen zu vertiefen, und zum anderen darum, Land und Leute besser kennen zu lernen. Letzteres ist wichtig, um zu verstehen, unter welchen besonderen Umständen die Menschen in Israel leben vor allem in denjenigen Kommunen, zu denen der Landkreis partnerschaftliche Verbindungen unterhält: Givatayim am Rande von Tel Aviv und Rama im Norden des Landes.

Die 17-köpfige Delegation, zu der außer Verwaltungsvertretern auch Kreisräte und Journalisten gehörten, besuchte Schulen und eine Vielzahl weiterer kommunaler Einrichtungen in Givatayim und in Rama. Auf dem Programm der Reisewoche standen Gespräche mit Politikern oder auch mit Siedlern in einem Kibbuz am Nordwestufer des Toten Meeres. Deren selbsterklärtes Ziel besteht darin, die Wüste in ein Paradies zu verwandeln und das Tote Meer zum Leben zu erwecken. Sie leben aber in dem ständigen Bewusstsein, dass sie das Land, das sie zum Blühen gebracht haben, vielleicht eines Tages an die Palästinenser zurückgeben müssen.

Am Abschlusstag der Reise zogen Verwaltung und Kreisräte ein erstes Resümee. Wolfgang Nau von der FDP-Fraktion zeigte sich unter anderem von solchen Kultivierungsprojekten beeindruckt: "Es ist fantastisch zu erleben, wie Wüste zum Leben erweckt wird." Außerdem schlägt er vor, außer der Jugend auch die "normale" Bevölkerung stärker in den Austausch einzubinden: "Wir müssen propagieren, dass man in diesem Land reisen und Gastfreundschaft erfahren kann."

Die Bedeutung persönlicher Kontakte hob auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Sonja Spohn hervor. Vorbildlich findet sie das Verhalten der Jugendlichen: "Sie gehen inzwischen in größerer Unbefangenheit miteinander um." Beim Richtfest für den neuen Mensa-Pavillon der Agri-Technical School in Rama hatten Schüler aus unterschiedlichsten Kulturen gemeinsam gefeiert: deutsche aus Nürtingen, jüdische aus Givatayim und arabische aus Rama.

Ignac Vamos (CDU) sieht in der friedlichen Koexistenz und in der Toleranz "die Grundlage für das Zusammenleben in der Zukunft". Die Reise hält er vor allem deshalb für wichtig, "um den Gastgebern zu signalisieren, dass die Politik die Sache ernst nimmt und dabei ist".

Hans Weil, der im Esslinger Kreistag zur Fraktion der Freien Wähler gehört, hat sich als Bürgermeister von Köngen, der potenziellen Partnergemeinde von Rama, verstärkt mit dem Thema Pavillon-Cafeteria befasst: "Das war ein mustergültiges Projekt." In Rama hat er erfahren, dass es noch sehr viel Bedarf an vergleichbaren oder auch noch größeren Projekten gäbe. Grünen-Kreisrat Christian Weinnoldt lobte in diesem Zusammenhang die Finanzierung der Baumaßnahme in Galiläa: "Das Geld über Konzerte und Sponsoren zu bekommen, ist ein guter Ansatz."

Für Landrat Eininger ist ein solches Projekt gerade deshalb "nicht beliebig wiederholbar" auch wenn er den Bau des Pavillons als "Meilenstein" bezeichnete. Die Freundschaft und die Begeisterung für die Partnerschaft wertete er als positiv. Auch den Kontakt der Schulen hält er für ausbaufähig. "Aber die kommunalpolitischen Verhältnisse in Rama sind im Augenblick nicht so, dass man sagen könnte, es sei in nächster Zeit partnerschaftstauglich für Köngen."

In Givatayim war es für Eininger ausgesprochen wichtig zu klären, wie es mit dem "Haus Landkreis Esslingen" weitergeht: "Seit 2003 sind wir von Unterhaltslasten freigestellt." Einige Räume seien an das angrenzende Theater vermietet. Dennoch kann das Gebäude nach wie vor seinem ursprünglichen Zweck dienen: "Das Appartement und das große Zimmer stehen weiterhin für Austauschmaßnahmen zur Verfügung."