Lokales

Oldtimer-Drehleiter erstrahlt in neuem Glanz

Keine Mühe scheute der Verein der Freunde und Förderer der historischen Feuerwehrtechnik Kirchheim bei der Restauration einer über 60 Jahre alten Mercedes-Benz-Drehleiter. Diese wird am kommenden Sonntag um 11 Uhr anlässlich des Tags der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim der Bevölkerung präsentiert.

KARL STOLZ

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KIRCHHEIM

Knapp drei Jahre nahm die Restauration der Leichten Drehleiter 17 so die technische Bezeichnung in Anspruch. Diese Drehleiter ist neben einer Magirus-Dampfspritze, Baujahr 1906, einer Magirus-Kraftspritze 20, Baujahr 1923, und einem Hansa-Lloyd-Löschfahrzeug, Baujahr 1935, das vierte Exponat, das in mühevoller Arbeit von der Technikmannschaft komplett und funktionstüchtig restauriert wurde. Insgesamt wurden für alle vier Ausstellungsstücke über 13 000 ehrenamtliche Stunden aufgebracht.

Zur Geschichte der Drehleiter konnte aus den Unterlagen folgendes entnommen werden: Im Jahr 1941 wurde ein Feuerwehrfahrzeug, Mercedes-Benz-Fahrgestell, Typ 1500, mit einem Magirus-Leiteraufbau (Leiterlänge 17 Meter) von der Firma Heinrich Otto & Söhne, Baumwollspinnerei in Wendlingen, für ihre Werksfeuerwehr bestellt. Die Beschaffungskosten für das Fahrgestell mit Führerhaus beliefen sich auf 5 073,70 Reichsmark. Dieses Fahrzeug stellt eine Rarität dar, weil die Kombination Mercedes-Benz-Fahrgestell mit einer Magirus-Leiter nur in einer kleinen Stückzahl gebaut wurde.

Die Farbe der Drehleiter war polizeigrün (tannengrün). Dies schrieb das Gesetz vor, denn am 23. November 1938 unterstellte das für das gesamte Reich gültige "Gesetz über das Feuerlöschwesen" die Feuerwehren als technische Polizeitruppe der Zuständigkeit des Reichsministers des Innern.

Am 24. Januar 1942 wurde die Leichte Drehleiter 17 beim Landratsamt Nürtingen zugelassen. Sie befand sich bis zum 14. Januar 1993 im Einsatzdienst. Die Geschäftsleitung der Firma Heinrich Otto & Söhne übergab die Drehleiter dann als Schenkung an die Freiwillige Feuerwehr Wendlingen. Von der Wendlinger Feuerwehr wurde die LDL 17 am 13. Mai 1993 wieder zugelassen. Bis Anfang Juni 2002 war sie im Einsatzdienst.

Nach Verhandlungen mit der Firma Heinrich Otto & Söhne, der Stadt Wendlingen und dem Förderverein kam ein Schenkungsvertrag zustande. Der Vertrag beinhaltet unter anderem die Restaurierung des Fahrzeugs, dessen Erhaltung und eine sachgerechte Unterbringung.

Am 18. Juni 2002 wurde das Fahrzeug nach Kirchheim gebracht, und eine Woche später begannen bereits die Restaurationsarbeiten. Dabei wurden der Leiterpark, das Führerhaus, die Schlauchkästen und die Kotflügel abgebaut. Ferner wurden der Motor und das Getriebe ausgebaut und zerlegt. Alle Teile wurden in der Folgezeit komplett überarbeitet. Dies erforderte eine filigrane Arbeitsweise, speziell beim Motor und dem Getriebe.

Nur die nahezu unerschöpfliche Motivation der gesamten Technikmannschaft und die große Liebe zur historischen Feuerwehrtechnik machte es möglich, dass über 3 000 Stunden für die detailgetreue Restauration, bei der es keine Kompromisse gab, aufgebracht wurden. Nicht verschwiegen wird, dass es dabei Höhen und Tiefen zu bewältigen gab. Jetzt erstrahlt das gute Stück wieder funktionstüchtig wie im Auslieferungszustand.

Lohn für die über ein Jahrzehnt aufgebrachten Arbeitsstunden sind für den Verein nationale Anerkennung bei Präsentationen beim Deutschen Feuerwehrtag in Augsburg, 150 Jahre Feuerwehr Stuttgart, 50 Jahre Baden-Württemberg, 150 Jahre Deutscher Feuerwehrverband in Ulm, Teilnahme an mehreren Oldtimerrundfahrten, zum Beispiel "Nostalgie in Rot" von Donaueschingen nach Wien, sowie zahlreiche Beteiligungen an Oldtimertreffen und Festzügen bei Jubiläen nah und fern.