Lokales

Oldtimertreffen mit Besucherrekord

Alle Rekorde gebrochen hat das zehnte Oldtimertreffen im Freilichtmuseum in Beuren: Über 8000 Besucher bewunderten am Wochenende gut 800 nostalgische Schlepper, Autos, Motorräder und Stationärmotoren. "Das war die erfolgreichste Veranstaltung seit es das Freilichtmuseum gibt", freute sich Mitorganisator Jörg Dehlinger über den riesigen Ansturm.

BIANCA LÜTZ

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BEUREN "Tuff, tuff, tuff", tönt es und ein paar hellgraue Rauchkringel entfleuchen dem Kamin des Deutz-Stationärmotors, Baujahr 1928. Dann verstummt die Maschine wieder. Die Helfer rund um Besitzer Fritz Prinz aus Neuffen jedoch geben nicht klein bei und starten einen zweiten Versuch mit Erfolg: Schwarzer Rauch wird senkrecht aus dem Auspuffrohr geschleudert, dann beginnt der Einzylinder zu vibrieren. Es zischt, knallt und schlägt rhythmisch, während sich der Geruch von Abgas auf dem Platz gegenüber des Schreinerhauses ausbreitet. So verwundert es auch nicht, dass der Motor, der einst im Maschinenraum einer Getreidemühle eingesetzt wurde, lediglich ein Ersatz für das Mühlrad war, wenn es nicht genügend Wasser gab. Lärm und Gestank machten einen Dauerbetrieb des Motors unmöglich, wie ein Info-Blatt erläutert.

Der große Deutz-Stationärmotor, eines der zahlreichen Highlights beim zehnten Oldtimertreffen im Beurener Freilichtmuseum, war am Wochenende jedoch keineswegs das einzige Gerät, das viel Lärm und Gestank erzeugte: Eine riesige Schar von Liebhabern kam mit ihren nostalgischen Gefährten ins Museumsdorf, um dort die liebevoll gepflegten oder restaurierten Prachtexemplare zu präsentieren und es richtig krachen und knattern zu lassen.

Über 800 Oldtimer "Das war die erfolgreichste Veranstaltung überhaupt seit es das Freilichtmuseum gibt", freute sich der Kulturmanager im Museum, Jörg Dehlinger, der das Oldtimertreffen zusammen mit Eugen Schmid organisiert hatte. Ging es am Samstag noch recht gemütlich zu, so drängten sich am Sonntag wahre Menschenmassen durch die Herbstwiesen. Insgesamt 8000 Besucher bewunderten am Wochenende die Schau. Auch die Anzahl der Fahrzeuge, die sich an den beiden Tagen einfanden, brach alle bisherigen Rekorde: 800 Oldtimer kamen mit ihren Besitzern nach Beuren, und zeitweise waren sämtliche Parkflächen und Wiesen bis auf den letzten Platz gefüllt.

Das Erfolgsgeheimnis der Veranstaltung liegt nach Ansicht von Jörg Dehlinger vor allem in der riesigen Vielfalt, die geboten wird. Außerdem können Oldtimerfreunde mit ihren Fahrzeugen ganz unkompliziert ohne Voranmeldung kommen.

Bei der Organisation saß Eugen Schmid, der sonst für das Backhäusle im Museumsdorf zuständig ist, nun zum zweiten Mal mit im Boot. Zu den großen Momenten gehört für ihn immer wieder das Anlassen eines Lanz-Bulldogs, wie es beispielsweise Michael Zimmermann vorführte. Zuerst heizte Zimmermann den Glühkopf seines Lanz Ackerbulldogs aus dem Jahr 1940 per Lötlampe auf Zündtemperatur vor. Dann entfernte er das Lenkrad des Gefährts von seinem angestammten Platz, verankerte es an der Seite des Schleppers und warf den Motor mit einem geschickten Dreh des Lenkrads an. Schon setzte das charakteristische Knattern des Lanz' ein und entfaltete sich voll, als Zimmermann mit dem Oldtimer an der Pädagogikscheuer und staunenden Zuschauern vorbei den Berg hinaufbrauste.

Steinquetsche in AktionAn der Hüle beim Weberhaus hatte unterdessen die Produktion von althergebrachten Baumaterialien eingesetzt: Die Besucher konnten beobachten, wie eine 86 Jahre alte Steinbrechmaschine aus Hülben mit Kalksteinbrocken "gefüttert" wurde und die großen Stücke zu Sand, Split und Schotter zermalmte. Die auch Steinquetsche genannte Maschine, die sich im Besitz von Günther Schwenkel befindet, wurde über einen Riemen von einem Schlepper angetrieben und kam 1961 zum letzten Mal regulär zum Einsatz. Infos gab es außerdem dazu, wie der Kalk beispielsweise als Putz früher weiterverarbeitet wurde.

Schönes und Kurioses Aber nicht allein die großen Maschinen bestimmten die Veteranenschau im Museumsdorf. Den Charme der Veranstaltung machte insbesondere die Vielfalt der so zahlreich ausgestellten Traktoren und Autos, Motorräder und auch Fahrräder aus, mit denen Privatleute angereist waren. So glich der Gang durch die Ausstellung einer regelrechten Erlebnisreise, bei der es an jeder Ecke neue Kuriositäten, Besonderheiten und Schönheiten zu entdecken gab. Dazu gehörten beispielsweise eine gelbe Weinbergraupe von Fiat aus dem Jahr 1952, ein noch immer einsatztüchtiges "Reisemobil der Luxusklasse" von BMW, Baujahr 1959, ein silbern blitzender Mercedes Roadster von 1956 und ein VW Käfer mit Holzvergaser. Vor Ort war außerdem auch eine ganze Riege von Unimogs, Oldtimer von Jaguar, Triumph und Austin Healy sowie Schlepper von Mc Cormick, Hanomag und Allgaier. Bei den Zweirädern konnten die Besucher unter anderem eine Nimbus Standard aus dem Jahr 1935, eine grasgrüne Wanderer Baujahr 1938 sowie eine fast 80 Jahre alte BMW und eine feuerrote Moto Guzzi von 1929 bewundern. Auch wer auf der Suche nach "alten" Ersatzteilen war, Souvenirs einkaufen oder sich ein Kleidungsstück mit seiner Lieblings-Oldtimer-Marke besticken lassen wollte, wurde fündig.

Dass das Freilichtmuseum Beuren, das sich der Pflege der ländlichen Kultur verschrieben hat, mit seiner mittlerweile zehnten Veteranen-Schau auf der Höhe der Zeit befindet, findet Eugen Schmid nicht verwunderlich, hat doch allgemein ein regelrechter Boom eingesetzt: "Seit einigen Jahren schießen Oldtimer-Clubs wie Pilze aus dem Boden", sagte er. Angesichts so vieler Fans und Liebhaber war es nicht weiter verwunderlich, dass sich auch der Fahrerstammtisch im Schafstall großer Beliebtheit erfreute. Bei Oldtime-Country-Musik konnten sich die Liebhaber alter Gefährte an nach Marken geordneten Tischen niederlassen und ungestört fachsimpeln.