Lokales

„Onser Saft“ und die Steinkäuze

Verein will mit Apfelsaft das wertvolle Ökosystem Streuobstwiese erhalten

So kann‘s gehen: Damit dem Steinkauz weiterhin genügend Lebensraum zur Verfügung steht, wurden Vogelschützer zu Apfelsaftproduzenten. Die engagierten Naturschützer gründeten den Verein „Onser Saft“, dem mittlerweile viele Gütlesbesitzer angehören. Das Projekt ist für den Ehrenamtspreis nominiert.

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Iris Häfner

Kreis Esslingen. „Ohne Biotopschutz gibt es keinen Artenschutz“, sagt Dieter Schneider, Vorstandsmitglied bei „Onser Saft“, dem Förderverein zur Erhaltung des landschaftsprägenden Streuobstbaus in der Region Wendlingen, Köngen und Notzingen. Deshalb haben die Streuobstwiesen für ihn absolute Priorität.

Tieren im Allgemeinen und Vögeln im Besonderen gilt seine große Leidenschaft. Aus diesem Grund hatte der Wendlinger Bäckermeister eine Vogelpflegestation, in der er kranke Tiere vom Spatz bis zum Bussard aufpäppelte. Eines Tages kam der Kaminfeger mit einem rabenschwarzen Vogel bei ihm vorbei. Das Tier war in den Kamin gefallen und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. „Auch nach dem Baden wusste ich nicht, um welchen Vogel es sich handelt“, erzählt Dieter Schneider. Dank Fachliteratur konnte er das Tier als Steinkauz identifizieren. Das war vor 32 Jahren und seitdem hat der „Eulen-Schneider“ sein Herz an die putzigen Käuzchen verloren, die ihn in ihrer Art „einfach faszinieren“. Sie sind etwa 20 Zentimeter groß und haben eine Flügelspannweite von rund 65 Zentimetern.

In Köngen gab es damals jemanden, der sich ein bisschen um den Bestand der Steinkäuze kümmerte. Später kam noch der NABU mit ins Boot. „Die ersten Jahre waren eine richtige Leidensgeschichte“, erinnert sich Dieter Schneider. Ende der 70er- Jahre entdeckte er nicht einmal mehr ein Brutpaar. Ab 1980 ging es langsam aber stetig aufwärts. Ein Steinkauzpaar konnte drei Jahre hintereinander vier Jungvögel großziehen. Den ersten großen Anstieg gab es 1988: Sechs Paare und 16 ausgeflogene Jungvögel war die Bilanz.

Mittlerweile ist der „Eulen-Schneider“ mit dem Steinkauz-Bestand in seinem „Revier“ Wendlingen, Köngen und Notzingen zufrieden. 2007 brüteten hier 21 Paare und 54 Jungkäuze konnten die Vogelfreunde beringen. „Das ist bislang die Höchstzahl, denn dieses Jahr hatten wir auch Verluste durch Marder zu verkraften“, so Dieter Schneider.

Diese stolzen Zahlen hängen unmittelbar mit einer anderen Erfolgsgeschichte zusammen, dem Verein „Onser Saft“. Am 27. April 2001 gegründet, hat er zwischenzeitlich 84 Mitglieder. Mit dieser Initiative sollen die Streuobstwiesen erhalten werden, denn in Baden-Württemberg leben 90 Prozent der Steinkäuze in Obstwiesen. Doch nicht nur sie finden dort ihren Lebensraum. Etwa 35 teils vom Aussterben bedrohte Vogelarten sind dort zu finden, aber auch Insekten wie Schmetterlinge, Grillen oder Käfer. Immer mehr Streuobstwiesen werden von ihren Besitzern aufgegeben, denn sie sind äußerst pflegeintensiv, ohne dass sie einen angemessenen Betrag „abwerfen“. Vor allem das Fallobst für Apfelsaft oder Most muss mühsam aufgeklaubt werden, ein adäquater Stundenlohn steht dabei in den Sternen. „Onser Saft“ bietet hier einen finanziellen Anreiz. Wer mit dem Verein einen Vertrag abschließt, verpflichtet sich dazu, auf Spritzmittel und künstliche Dünger zu verzichten und bekommt im Gegenzug 3,50 Euro mehr pro Doppelzentner Äpfel. Dank dieser strengen ökologischen Richtlinien geht der Verein davon aus, ab 2009 das Biosigel auf den Flaschen führen zu dürfen. Damit sollen auch die Absatzschwierigkeiten in den Griff bekommen werden.

Dieses Jahr schätzt Dieter Schneider den Ertrag auf 60 000 bis 70 000 Liter Apfelsaft, die auf den „Onser Saft“-Bäumen wachsen. Das Produkt gibt es in den Sorten naturtrüb und klar, als Schorle und als Apfel-Mango-Mischung. Qualität und Reinheit lautet die Maxime des Vereins. Die Äpfel sind handverlesen, sprich alle fauligen Früchte landen im Abfall. Zudem engagiert sich der schwäbische Verein auch auf sozialem Gebiet, denn die fair gehandelten exotischen Früchte stammen von philippinischen Kleinbauern, die 33 Cent pro Liter Apfel-Mango-Saft erhalten.

Damit es auch in Zukunft noch das vielfältige und damit wertvolle Ökosystem Streuobstwiese gibt, pflanzt der Verein neue Bäume, bislang waren es 600 Stück. Weitere 55 Obstbäume werden auf Wendlinger Gemarkung im Gewann Seegraben folgen. Damit einher geht die Verpflichtung des Vereins, die ersten Jahre die kleinen Hochstämme zu pflegen.

Auch Kindern wird am Beispiel Streuobstwiese die Natur nahegebracht. Sie reinigen Nistkästen, sind beim Beringen der Steinkäuze dabei und lassen sich bei der verdienten Grillwurst den Apfelsaft schmecken. Beliebt sind auch die Apfelküchle, die „Onser Saft“ auf Bauernmärkten, Festen und Hocketsen anbietet und nebenbei über den Verein informiert.