Lokales

Orgeln zum Lob Gottes

Viereinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand konnte am Sonntag die neue Orgel der evangelischen Laurentius-Kirche in Nürtingen eingeweiht werden. Gebaut wurde das Instrument von der Schweizer Orgelbaufirma Goll.

NÜRTINGEN Festlicher Glockenklang läutete die Weiheliturgie ein, die anlässlich des "Orgel-Dank-Gottesdienstes" zelebriert wurde. Alle Ohren waren auf das schmuckvolle Instrument gerichtet, als es zum ersten Mal öffentlich unter den Händen des Bezirkskantors Jens Schreiber erklang: Ein leiser, sanfter Hauch wehte wie von ferne aus dem Schwellwerk, gemahnte an sphärische Harmonien, bis sich spätromanisch jubilierende Motive hin zum Lichte Bahn brechen, immer präsenter werden. In diese Atmosphäre stimmte die Gemeinde in gewaltigem Chor mit "Allein Gott in der Höh' sei Ehr" ein, vereinigt sich Orgelklang und Jubelsang zum hohen Lobe Gottes.

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Eben dies war das zentrale Motiv in der Predigt Burkhard Neudorfers, der diesen Anlass nutzen wollte, "das Lob Gottes neu in unseren Alltag zu bringen". Nicht nur mit "allen Registern" müsse das geschehen, vielmehr das Gefühl von Dankbarkeit in den Herzen verankert sein. Diesbezüglich brachte der Pfarrer die große Freude der Gemeinde über das neue Instrument zum Ausdruck, die möglichst lange anhalten solle, und er schloss mit den Worten: "Auch der letzte Ton wird heute verklingen, nicht aber das Lob Gottes!"

Im Anschluss an den Gottesdienst, der noch mit weiteren musikalischen Höhepunkten gestaltet wurde, war die Zeit der Grußworte gekommen; zuerst wandte sich Simon Hebeisen, Mitinhaber der für den Bau verantwortlich zeichnenden Firma Goll, an die versammelte Festgemeinde: "Auch für mich ist dies ein besonderer Tag, ein spannender Moment, die neue Orgel erstmals in der voll besetzten Kirche zu hören."

Dankbar sei er für das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Kirchengemeinde. Hebeisen ließ die gut vierjährige Entstehungsgeschichte des Instruments nochmals Revue passieren: Im Sommer 2000 besichtigte seine Firma die rußgeschwärzten Gemäuer Sankt Laurentii, legte daraufhin ein Angebot vor und erhielt schließlich den Auftrag. Mitte 2003 wurde in Luzern mit den Arbeiten begonnen, 11 000 Stunden waren nötig, um das mächtige Werk mit seinen drei Manualen, 42 Registern und 2905 Pfeifen zu vollenden.

Die Herausgehobenheit der Orgel unter allen Instrumenten verdeutlichte Landeskirchenmusikdirektor Siegfried Bauer. "Kirchenmusik ist nämlich nicht nur eine Beigabe, sondern ein wesentliches Element des Gottesdienstes", befand der Fachmann. Er wünsche der Gemeinde die Gegenwart Gottes, wenn die Orgel künftig erklingt, und dass sie zu einer Wohltat für die Menschen werde. Dafür garantiere nicht zuletzt der hervorragende Musiker Jens Schreiber.

Im Namen des Oberbürgermeisters, des Gemeinderates und der Bürgschaft überbrachte Bürgermeister Rolf Siebert Glückwünsche. Ebenso wie Nürtingen nicht ohne die Stadtkirche vorstellbar sei, wäre jene es nicht ohne eine Orgel, reflektierte der Redner. Beachtlich sei die vom "Gemeinschaftsgeist und Bürgersinn" erbrachte Leistung zur Finanzierung, die die Identifikation der Christen mit dem klingenden Kleinod verdeutlichte. Den zugesagten Beitrag der Stadt, eine Spende von 10 000 Euro, hatte der Nürtinger Bürgermeister symbolisch mitgebracht und Pfarrer Neudorfer überreicht.

"Lange herbeigesehnt endlich Wirklichkeit" strahlte Hans Kober förmlich, der schließlich in den "Akkord der Freude und des Dankes" einstimmte. Als Vertreter der Gesamtkirchengemeinde zollte er allen, die durch ihren Beitrag zum Bau der Orgel beigetragen, ja diesen erst ermöglicht haben, Respekt, Lob und Anerkennung. Feierlich übergab Kober dann das Instrument offiziell der Gemeinde.

Diese konnte sich sowohl in der klangvollen Vorführung durch Kirchenmusikdirektor Professor Volker Lutz, dem sich anschließenden Gemeindefest oder dem viel gelobten Konzert am Sonntag Abend mit Kantor Jens Schreiber, das diesen bedeutungsvollen Freudentag beschließen sollte, von den Qualitäten der Goll-Orgel überzeugen.

nz