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Orientierung in Ausbildung und Beruf

Das Thema "Orientierung in Ausbildung und Beruf" stand am Samstagnachmittag im Mittelpunkt einer von der Kirchheimer Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Integrationsausschuss der Stadt initiierten Veranstaltung, die in den Räumen des türkisch-islamischen Kulturvereins in der Lohmühlgasse den Auftakt für weitere Informationsveranstaltungen dieser Art bilden soll.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Mit dem gemeinsam angestrebten Ziel vor Augen, Mitbürgern ausländischer Herkunft in Kirchheim künftig noch viel mehr Informationen direkt zukommen zu lassen, um ihnen damit das Einleben in die Gesellschaft weiter zu erleichtern, wurde für die Auftaktveranstaltung der geplanten Informationsreihe für Menschen mit Migrationshintergrund das für Eltern und Jugendliche gleichermaßen ansprechende und ungemein wichtige Thema "Orientierung und Ausbildung im Beruf" ausgewählt.

Mustafa Aydogdu, Mitglied des Integrationsausschusses der Stadt, konnte an diesem Nachmittag in seiner Gastgeberrolle als Stellvertretender Vorsitzender der Moschee neben den beiden Referenten in der Lohmühlgasse auch Roland Böhringer begrüßen, der im Haus der Sozialen Dienste am Widerholtplatz 3 das Amt für Familie und Soziales leitet.

Ihre Kinder im Blick auf die für ihre Zukunft enorm wichtigen Themenschwerpunkte Schule und Ausbildung nach Kräften zu unterstützen, lautete der eindringliche Appell des Sozialamtsleiters. Er empfahl den Besuchern, sich möglichst umfassend über die vielfältigen Einrichtungen der Stadt zu informieren und die dort gebotene Unterstützung auch zu nutzen, um Kindern und Jugendlichen beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu sichern.

Dass sich die Arbeitsplatz- und Ausbildungsplatzsituation in den vergangenen Jahren so dramatisch verändert hat, dass nur noch "gut ausgebildete und mit sozialer Kompetenz und guter Allgemeinbildung versehene Menschen" einen Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsplatz finden, lautete die gemeinsam vertretene Erkenntnis, die von Berufsberater Aloys Dietrich von der Bundesagentur für Arbeit mit entsprechend alarmierenden Zahlen belegt werden konnte.

Lag der Anteil Jugendlicher mit Migrationshintergrund, die eine Lehre absolvierten, 1996 noch bei zwölf Prozent, sank dieser Wert in den folgenden acht Jahren auf gerade noch acht Prozent. Die trügerische Hoffnung vieler Jugendlicher, über eine sich überraschend bietende Arbeitsstelle auch eine langfristige Perspektive zu haben, werde oft enttäuscht. Immer wieder von Arbeitslosigkeit bestimmte häufige Wechsel des Arbeitsplatzes seien die Folge. Neben der Vernachlässigung eines immer wichtiger werdenden Abschlusses warnte Berufsberater Aloys Dietrich auch vor einer zu starken Konzentration auf einige wenige Berufszweige. Immerhin 80 Prozent der Arbeit suchenden Türkinnen würden sich auf gerade einmal acht Berufe konzentrieren, machte Aloys Dietrich die damit sehr eingeschränkten Erfolgschancen deutlich.

Eine ganz wichtige Rolle komme hier den Eltern zu, die ihre Kinder dafür sensibilisieren sollten, nicht Wünschen hinterherzujagen, sondern sich konkret auf die eigenen Fähigkeiten zu konzentrieren und im Rahmen eines Beratungsgespräches auszuloten, welche bislang unbekannten Möglichkeiten sich auf dem Arbeitsmarkt möglicherweise anbieten können. Dass es immer viele Alternativen gibt, davon zeigte sich Aloys Dietrich überzeugt, der bestätigte, dass der Kirchheimer Agentur für Arbeit rund 85 Prozent aller offenen Ausbildungsstellen bekannt seien und damit in die Überlegungen über die eigene berufliche Zukunft miteinbezogen werden könnten.

Seine Empfehlung, sich über die vielfältigen Angebote und Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit zu informieren, untermauerte er mit dem Hinweis, dass der Weg über eine sogenannte Einstiegsqualifizierung in immerhin 65 Prozent aller Fälle im direkten Anschluss zum Abschluss eines Ausbildungsvertrags führt.

Als Vertreterin der Jugendagentur für Arbeit, die im ehemaligen Riethmüller-Areal an der Alleenstraße ihre Anlaufstelle hat, nutzte Ingrid Reick die Möglichkeit, sich hilfesuchenden Jugendlichen und ihren Eltern vorzustellen und gleich auch mit einfachen, aber möglicherweise entscheidenden praktischen Tipps für die Bewerbung aufzuwarten.

Wie Aloys Dietrich hatte auch sie viel Informationsmaterial mitgebracht. Im Anschluss an die Referate hatten die Besucher Gelegenheit, Fragen zu stellen. Trotz kontroverser Diskussionen bestand im Kreis der Besucher aber grundsätzliche Übereinstimmung darüber, dass für einen erfolgversprechenden Start in den Arbeitsmarkt zunächst von Eltern und künftigen Auszubildenden alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um gute Sprachkenntnisse, gute schulische Leistungen und eine erkennbare hohe Motivation erkennbar belegen zu können.