Lokales

Orientierungshilfe für Jugendliche auf Jobsuche

Jugendliche, die im nächsten Jahr eine Ausbildung antreten wollen, sollten sich den kommenden Samstag dick im Kalender anstreichen: Bei der 1. Kirchheimer Berufsbildungsmesse in der Sporthalle Stadtmitte gibt's jede Menge Tipps und Infos zu den Lehrstellenangeboten in den unterschiedlichsten Branchen.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM Trotz Ausbildungspakt und Sonderprogrammen der Regierung: Die Suche nach einer geeigneten Lehrstelle gestaltet sich für junge Menschen anhaltend schwierig. Die schleppende Konjunktur sorgt für eine Dauer-Flaute auf dem Ausbildungsmarkt und lässt die Schere zwischen der Zahl an Bewerbern und der Zahl an offenen Stellen immer weiter auseinander klaffen, zumal gerade starke Schulabgängerklassen auf den Markt drängen. Um vor allem den Jungen und Mädchen, die im kommenden Jahr die Schule beenden, die Ausbildungsplatzsuche zu erleichtern, lädt der Kirchheimer Bund der Selbstständigen (BDS) gemeinsam mit den Kirchheimer Schulen, der Stadtverwaltung, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Agentur für Arbeit am Samstag von 10 bis 12 Uhr zur Berufsbildungsmesse in die Sporthalle Stadtmitte ein.

Die Idee wurde im Zuge der Vorbereitungen auf die BDS-Messe "High-Teck" geboren und verspricht auf Anhieb ein voller Erfolg zu werden: "Über 40 Betriebe wollen ihre Ausbildungsberufe vorstellen", freut sich der BDS-Vorsitzende Wolf-Rainer Bosch über die große Resonanz. Der kleine Handwerksbetrieb ist bei der Informationsbörse ebenso vertreten wie das global tätige Industrieunternehmen oder Banken und die Kirchheimer Stadtverwaltung. Die jungen Leute gezielt eingeladen wurden Kirchheimer Abschlussklassen haben an diesem Vormittag Gelegenheit, direkt mit den Unternehmen in Kontakt zu treten und sich umfassend über die einzelnen Ausbildungsberufe zu informieren.

Worauf kommt's bei einer Bewerbung an? Wann soll ich mich bewerben? Was erwartet mich in der Lehrzeit? Wie sehen die Weiterbildungsmöglichkeiten aus? Auf diese und andere Fragen gibt's am Samstag kompetente Antworten aus erster Hand. Um den Schülern den Kontakt zu erleichtern, werden auch Auszubildende vor Ort sein und ihre Erfahrungen und Tipps weitergeben. Die Agentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer sind ebenfalls mit einem eigenen Stand vertreten.

Für Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ist die Berufsbildungsmesse eine einmalige Gelegenheit, um sich über das Lehrstellenangebot in der Teckstadt zu informieren. Die Verwaltungschefin lädt deshalb alle Schüler, die im kommenden Jahr eine Ausbildung antreten wollen, ein, diese Chance wahrzunehmen. Dem kann sich Uwe Häfele, Rektor der Alleenschule, nur anschließen: "Gerade die persönlichen Kontakte zu den Betrieben, die bei der Messe geknüpft werden können, sind sehr wichtig." Für Häfele ist die Veranstaltung "ein Baustein, um die Jugendlichen in ihrer Berufswegeplanung zu unterstützen", und ein gelungenes Beispiel für eine enge Verzahnung von Schule und Wirtschaft: "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, möglichst allen Jugendlichen einen Job zu geben."

Wie schwierig das derzeit ist, berichtete bei der Vorstellung der Berufsbildungsmesse Aloys Dietrich, Berufsberater bei der Kirchheimer Arbeitsagentur. Das Problem sind und bleiben die fehlenden Lehrstellen. Zu Beginn der Bewerbungsrunde standen den 1025 Lehrstellensuchenden rund um die Teck lediglich 621 offene Ausbildungsstellen gegenüber. Inzwischen ist zwar das Gros der Jungen und Mädchen, die keine Lehrstelle fanden, über Schule, Berufsvorbereitungskurse oder andere Qualifizierungsmaßnahmen versorgt, "aber für 75 Bewerber suchen wir noch immer eine Lösung."

Kirchheims Oberbürgermeisterin will deshalb alle Anstrengungen unternehmen, um auch neue Arbeitsplätze zu schaffen. "Wir dürfen die Jugendlichen nicht im Regen stehen lassen", sagt Angelika Matt-Heidecker. Und die Stadt Kirchheim geht mit guten Beispiel voran: Gemeinsam mit dem Vermessungs- und Planungsbüro Metzger hat die Stadtverwaltung eine zusätzliche Lehrstelle geschaffen und seit Anfang September ist eine angehende Bauzeichnerin im Wechsel bei den beiden Kooperationspartnern beschäftigt.

In Holzmaden wird die "Ausbildung im Verbund" bereits seit einiger Zeit von der Gemeindeverwaltung und einem Industriebetrieb praktiziert. Auf Grund der guten Erfahrungen in der Urweltgemeinde regte BDS-Chef Wolf-Rainer Bosch auch für die Teckstadt ein derartiges Kooperationsmodell an und stieß bei der neuen Rathauschefin auf offene Ohren. Inzwischen wurde aus der Idee die "Kirchheimer Initiative zur Ausbildungsförderung" (KIA), und Matt-Heidecker und Bosch hoffen, dass möglichst viele dem Beispiel folgen.

Bei der Berufsbildungsmesse jedenfalls wollen sie kräftig die Werbetrommel für die "Ausbildung im Verbund" rühren und damit aktiv der Ausbildungsplatzmisere entgegen wirken. Kooperieren können natürlich auch Betriebe untereinander. Gerade für Firmen, die bislang auf Grund ihrer Größe oder einer innerbetrieblichen Spezialisierung nicht in der Lage waren, eine komplette Ausbildung anzubieten, ist das Modell interessant. Auch die Stadt will das Projekt des Wirtschaftsbeirats weiter fördern und bei entsprechendem Interesse aus der Wirtschaft noch weitere "Verbund-Lehrlinge" ausbilden.

INFODie Berufsbildungsmesse findet am kommenden Samstag von 10 bis 12 Uhr in der Kirchheimer Sporthalle Stadtmitte statt.