Lokales

Ortsvorsteher im Kampf für die Gießnauhalle

Nabern hat einen neuen Ortsvorsteher: Der 27-jährige Clemens Moll aus Bad Saulgau konnte sich bei der Wahl im Rahmen einer öffentlichen Ortschaftsratssitzung in der Gießnauhalle bereits im ersten Wahlgang erfolgreich gegen drei Mitbewerber behaupten. Im Anschluss an die Wahl verabschiedeten die Naberner ihren früheren Ortsvorsteher Nicolas Fink.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Die Wahl des neuen Ortsvorstehers ist auf großes Interesse in der Bevölkerung gestoßen. Schließlich ist die Stelle des hauptamtlichen Ortsvorstehers zum Politikum geworden, seit der bisherige Amtsinhaber Nicolas Fink am 1. Oktober seinen Dienst als Bürgermeister von Aichwald angetreten hat. Der Kirchheimer Gemeinderat hatte zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass die Ortsteile Jesingen und Nabern künftig einen gemeinsamen Ortsvorsteher bekommen sollen. Später hat dann ein Vermittlungsausschuss die Kompromisslösung gefunden, den Posten eines hauptamtlichen Naberner Ortsvorstehers nochmals auszuschreiben, aber bereits im Jahr 2007 einen Arbeitsausschuss einzuberufen, der sich unter anderem damit befasst, die hauptamtliche Stelle in eine ehrenamtliche umzuwandeln.

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Was diesen wunden Punkt in der Naberner Gefühlslage betrifft, so versprach Clemens Moll, der sich gemäß der alphabetischen Rangfolge als letzter Kandidat vorstellte, sich dafür einzusetzen, "dass die Ortschaftsverwaltung weiterhin bestehen kann und Nabern auch in Zukunft einen hauptamtlichen Ortsvorsteher hat". Außerdem wolle er als Ortsvorsteher aktiv für die Vereinsarbeit eintreten eine Aussage, die er vor Ort in der Gießnauhalle mit einem weiteren Naberner Politikum verknüpfte: "Dazu gehört meiner Meinung nach auch eine ansprechende und vielseitige Mehrzweckhalle." Neben dem Baugebiet "Braike" werde es deshalb eine der Hauptaufgaben des Ortsvorstehers sein, den Neubau der Gießnauhalle voranzubringen, stellte Clemens Moll fest und fügte hinzu, dass er sich dafür einsetzen "und notfalls auch hartnäckig dafür kämpfen" möchte.

Clemens Moll wurde in Leutkirch im Allgäu geboren, hat am Wirtschaftsgymnasium in Bad Saulgau das Abitur abgelegt und nach dem Zivildienst von 2001 bis 2004 an der Ludwigsburger Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen studiert. Praxisstationen führten ihn dabei zur damaligen Landesversicherungsanstalt nach Stuttgart und an die Federseeklinik in Bad Buchau. Nach Abschluss des Studiums war Clemens Moll zunächst im Landratsamt Biberach tätig, wo er beispielsweise für die Gewährung von Arbeitslosengeld II zuständig war. Seit knapp zwei Jahren arbeitet er in der Finanzverwaltung des Landratsamts Tuttlingen und betreut unter anderem das Projekt "Hochschuloffensive", das die Ansiedlung einer technischen Hochschule zum Ziel hat.

Berufsbegleitend belegt Clemens Moll, der Mitglied in der Jungen Union ist, derzeit einen MBA-Aufbaustudiengang und steht kurz vor dem Abschluss zum "Master of Business Administration". Dass ihm das Studium für seine künftige Aufgabe in Nabern helfen wird, davon zeigte er sich überzeugt: "Der Studieninhalt Unternehmensführung und die Schwerpunkte im betriebswirtschaftlichen Management spielen in der öffentlichen Verwaltung eine immer größere Rolle." Sein Amt in Nabern möchte Clemens Moll, den der Ortschaftsrat einstimmig wählte, möglichst am 15. April antreten, spätestens aber zum 1. Mai. Zuvor muss ihn der Kirchheimer Gemeinderat am 7. März noch bestätigen. Als Ortsvorsteher wird er zu 70 Prozent tätig sein. Während der übrigen 30 Prozent seiner Dienstzeit steht er der Kirchheimer Kernverwaltung zur Verfügung.

Bei Clemens Molls Amtsvorgänger Nicolas Fink lag dieses Verhältnis noch bei 75 zu 25. Etwas mehr als vier Jahre hatte Fink dem Ortsteil Nabern hauptamtlich vorgestanden, bevor er erreichte, was er 2002 noch allenfalls als "Fernziel" angegeben hatte: die Wahl zum Bürgermeister. Ihm selbst sei es ein bisschen peinlich, welchen Wirbel sein Weggang ausgelöst habe, meinte der jetzige Bürgermeister von Aichwald im Hinblick auf die strittige Frage nach der Wiederbesetzung seiner Stelle in Nabern. Seine einstige Chefin, Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, dankte ihm als einem stets "verlässlichen Partner für die Stadtverwaltung" für sein Wirken in Nabern, bei dem er sich das notwendige Rüstzeug für seine Tätigkeit als Bürgermeister erworben habe.

Naberns stellvertretender Ortsvorsteher Helmut Kapp dankte Nicolas Fink für dessen ehrenamtlichen Einsatz im Bürgerverein Zehntscheuer und erwähnte zudem den neu gestalteten Rathauseingang in Nabern, der an die Ära Fink erinnere. Dass er sich nach wie vor für die Belange des Kirchheimer Ortsteils interessiert, belegte Nicolas Fink dann mit seinem abschließenden Wunsch: "Ich hoffe auf Gelegenheiten zum Wiedersehen, etwa bei der Einweihung der neuen Gießnauhalle."