Lokales

"Oscar Merkel hätte seine helle Freude"

"Jedes Bad braucht eine Taufe", rief Klaus Rilling von den Esslinger Stadtwerken und schubste die vor ihm Stehenden: In hohem Bogen fielen OB Jürgen Zieger und SWE-Technikchef Wolfgang Lotz ins Becken des Merkelbades, das nach der Renovierung offiziell eröffnet wurde.

GESA VON LEESEN

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ESSLINGEN Da das Bad abgesprochen war, hatten die Schwimmer Ersatzkleidung dabei. Bevor sie und die Ehrengäste die Warmbadehalle besichtigen konnten, waren im Foyer des sanierten Jugendstilhauses vielfältige Dankesreden gehalten worden. Den Vertretern des Bauherrn SWE war anzumerken, wie froh sie waren, das Bad nun fast komplett saniert präsentieren zu können. Einzig das Dampfbad fehlt noch.

Drei Jahre lang wurde an dem "Juwel der Stadt" gebaut. "Und wir konnten ja immer nur in den sechs Wochen Sommerferien rein", sagte der technische Geschäftsführer der SWE, Wolfgang Lotz. Dennoch wurde alles wie geplant fertig, die Baukosten in Höhe von 6,2 Millionen Euro seien eingehalten worden. Eine Einschränkung gibt es allerdings. Lotz: "In Mineralwasser wird man erst in etwa drei Monaten baden können." Tests hätten ergeben, dass das Mineralwasser viermal so viel Eisen und Mangan enthält wie angenommen. Nun werde erst noch eine Wasseraufbereitungsanlage eingebaut. "Bis dahin wird in Solewasser geschwommen", so Lotz.

OB Zieger erinnerte daran, warum die Stadt sich vor vier Jahren für die Investition entschieden hat: "Die Technik war marode, die Gästezahlen sanken da gab es drei Alternativen." Möglich wäre gewesen, sich mit ein paar Reparaturen weiter durchzuwursteln. "Die wirtschaftlichste Entscheidung wäre gewesen, zu schließen", so Zieger. "Oder aber wir investieren und steigern so wieder die Besucherzahlen." Der Gemeinderat stimmte für Letzteres. Damit habe Esslingen diesem "Denkmal des deutschen Badewesens" zu neuem, altem Glanz verholfen.

Auch Ruth Tafel, Urenkelin des Bad-Stifters Oscar Merkel, war sichtlich gerührt, dass sie das Bad wieder originalgetreu erleben kann. Ihr Urgroßvater hätte seine helle Freude daran, zu sehen, was aus seinem Schwimmbad geworden ist, meinte sie und zitierte aus seiner Eröffnungsrede im Mai 1907: "Ich heiße Sie willkommen und hoffe, dass das, was Ihnen heute gezeigt wird, einen befriedigenden Eindruck auf Sie macht und dass Sie dadurch veranlasst werden, das neue Bad recht häufig zu besuchen und zu benützen."