Lokales

Owen hat das DSL-Problem gelöst

Die Infrastruktur für Übertragungsraten von bis zu 16 Megabits pro Sekunde ist jetzt vorhanden

Nicht für alle, aber doch für viele Owener hat jetzt ein neues Zeitalter begonnen: Im Beisein von drei Vertretern der Deutschen Telekom hat Bürgermeisterin Verena Grötzinger gestern per Knopfdruck die neue DSL-Leitung in Betrieb genommen. Nach jahrelangem Warten gibt es jetzt also in jedem Owener Haushalt die Möglichkeit, per DSL-Anschluss Übertragungsraten von mindestens sechs Megabits pro Sekunde zu bekommen.

Anzeige

Andreas Volz

Owen. Es war eine lange Geschichte, die jetzt in Owen gut ausgegangen ist. Über viele Jahre hinweg haben Einwohner und Gewerbetreibende in Owen über die schlechten Verbindungen zum Internet geklagt. Stadtverwaltung, Gemeinderat, aber auch der Handels- und Gewerbeverein haben nach Lösungen gesucht. Ein wichtiger Schritt in Richtung DSL war für Owen schließlich auch das Engagement des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich.

Das Problem mit dem DSL-Anschluss in Owen war kein technisches, sondern ein wirtschaftliches. Hier hat es im Lauf der Zeit ein mehrfaches Umdenken von beiden Seiten gegeben: Vor vier Jahren beispielsweise hat der Owener Gemeinderat ein Angebot der Deutschen Telekom abgelehnt, demzufolge ein schnellerer DSL-Zugang eingerichtet worden wäre, wenn die Stadt die notwendigen Arbeiten mit 18 500 Euro bezuschusst hätte. Das war dem Gemeinderat damals zu viel Geld. Einige Zeit später gab es ein erneutes Angebot, bei dem sich die Stadt plötzlich mit 110 000 Euro hätte beteiligen sollen. Als dann vor rund einem Jahr nur noch 11 500 Euro Zuschuss gefordert waren, ging der Gemeinderat sofort auf dieses Angebot ein.

Heute wären viele Gemeinden und Ortsteile froh, wenn sie ein vergleichbares Angebot bekommen würden wie die Owener im vergangenen Jahr. Selbst für Owen ist es nicht mehr ganz sicher, ob die Stadt heute noch einmal ein so günstiges Angebot wie seinerzeit erhalten würde. Immerhin hatte die Deutsche Telekom in diesem Fall selbst beträchtliche Investitionskosten. Anton Seifert, der bei der Technischen Infrastruktur der Niederlassung Südwest der Telekom in Ulm arbeitet, bezifferte diese Kosten gestern anlässlich der Freischaltung auf den Gegenwert eines „kleineren Einfamilienhauses“. Genaue Summen wollte er nicht nennen.

Sein Kollege Peter Bohnacker aus Göppingen dagegen sprach von 50 000 bis 70 000 Euro, die für die Verlegung eines einzigen Kilometers Glasfaserkabel „mit allem drum und dran“ zu bezahlen seien. In Owen waren es immerhin zwei Kilometer Glasfaser, die von Kirchheim her kommend neu zu verlegen waren. Hinzu kam noch eine ganze Reihe weiterer Arbeiten für die technische Bereitstellung des neuen Breitbandanschlusses. Dafür sind nun aber die rund 1 500 Haushalte Owens theoretisch alle abgedeckt.

Bürgermeisterin Verena Grötzinger verwies gestern aber noch auf einige wichtige Voraussetzungen, die bereits bei der Informationsveranstaltung über DSL vor einer Woche erörtert worden waren. Zum einen sei das neue Glasfaserkabel mit seinen vergleichsweise schnellen Übertragungsraten nur über die Telekom zu nutzen. Für Kunden anderer Anbieter ändere sich durch die Freischaltung der neuen Leitung, die rein technisch bereits in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober erfolgt war, also nichts. Aber auch für Telekom-Kunden werde nicht durch den Knopfdruck allein alles besser und schneller: Vielmehr müsse auch dieser Personenkreis persönlich Kontakt zum Anbieter aufnehmen und neue Verträge abschließen. Dabei könne auch jeder prüfen lassen, wie hoch die Übertragungsrate im individuellen Fall ist.

Die anvisierten 16 Megabits pro Sekunde sind nämlich eher am nördlichen Stadtrand in Richtung Dettingen zu erwarten, weil dort die Verteilerkästen stehen. Am südlichen Ende in Richtung Brucken nimmt mit der Entfernung zum Knotenpunkt auch die Übertragungsrate ab. Dennoch sei dort in einem Haus bei einer direkten Überprüfung noch eine Rate von sechs Megabits pro Sekunde festgestellt worden. Rolf Mayer, der als Aufbauleiter für die Arbeiten in Owen zuständig war, verwies darauf, dass die Kunden nun möglicherweise auch ihre eigene Technik auf den neuesten Stand bringen müssen, um von den Segnungen der schnelleren Leitung profitieren zu können.

Weiße Flecken auf der DSL-Landkarte gibt es im Verbreitungsgebiet des Teckboten nach wie vor – in Schlierbach, Neidlingen, Hepsisau, Nabern, Bissingen, Ochsenwang und Schopfloch, wie es gestern hieß. Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung der Telekom spielen allerdings verschiedene Faktoren eine Rolle: die Entfernung, die per Glasfaserkabel zu überwinden ist, das jeweilige Gelände sowie die Zahl der Kunden am jeweiligen Ort und der Zuschuss, den die Kommune zu zahlen bereit ist. Deshalb ließen sich die jeweiligen Berechnungen nur schwer miteinander vergleichen, sagten die Telekom-Mitarbeiter übereinstimmend. Außerdem sei es nicht möglich, auf die Schnelle eine Kostenberechnung zu erstellen. Wie es also an den genannten Orten jeweils weitergeht, lässt sich nur schwer sagen. Nur so viel ist sicher: Manch eine Kommune wäre froh, wenn sie „nur“ die 18 500 Euro zuschießen müsste, die Owen vor vier Jahren noch abgelehnt hatte.