Lokales

Owener bleiben auf der Strecke

OWEN In Zeiten des Kalten Krieges gab es bekanntlich ein "Funkloch" der besonderen Art: das

Anzeige

ANDREAS VOLZ

"Tal der Ahnungslosen". So wurde die Region rund um Dresden bezeichnet, in der es im Gegensatz zur übrigen DDR nicht möglich war, West-Fernsehen zu empfangen. Inzwischen hat sich nicht nur die Weltpolitik geändert, sondern auch die Medientechnologie. Trotzdem gibt es immer noch eine Gegend in Deutschland, der die Segnungen moderner Kommunikationsmittel bislang vorenthalten werden zumindest teilweise. Dabei handelt es nicht um ein ganzes Tal, sondern nur um eine einzige Kommune: Die Einwohner der Stadt Owen im Lenninger Tal kommen nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen in den Genuss, per DSL im Internet zu surfen.

Grund dafür seien die Leitungen, sagte Bürgermeister Siegfried Roser in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf Anfrage von Christoph Ensinger. Der Durchmesser der Leitungen sei zu gering, um die gewünschten Datenmengen im gewünschten Tempo nach Owen zu befördern. "In Dettingen klappt es, und wer bei uns im Schmiedsacker wohnt, kann Glück haben, dass es auch bei ihm funktioniert." Diese Auskunft habe er auf mehrfache Anfrage telefonisch von der Deutschen Telekom erhalten, erklärte Owens Bürgermeister. Auf mehrere Briefe an die Telekom habe er dagegen nie eine Antwort bekommen. DSL-Anschlüsse würden zwar prinzipiell eingerichtet, die Telekom übernehme aber keine Garantie dafür, dass eine Verbindung zum Internet zu Stande komme.

Auch talaufwärts gebe es keine Probleme: Die Gemeinde Lenningen werde mit eigenen Leitungen von der anderen Seite her versorgt. Folglich können selbst die Bruckener ihren DSL-Launen nach Herzenslust nachgehen. Nur die Owener bleiben wieder einmal auf der Strecke. Sie haben lediglich die Möglichkeit, per Funk oder per ISDN zu surfen beziehungsweise ihr Glück mit einem anderen Anbieter zu probieren. Gerüchteweise soll es über die Telekom-Konkurrenz bereits erfolgreich funktioniert haben, im Teckstädtchen auch mittels DSL eine längerfristige Verbindung zum Internet aufzubauen.

Die Owener Gemeinderäte diskutierten lebhaft über die Standortnachteile, die der fehlende DSL-Standard für ihr Gemeinwesen mit sich bringen könnte. Marie-Luise Ritter stellte gar einen Selbstversuch in Aussicht, über dessen Ergebnisse sie in der nächsten Sitzung berichten wird. Um eine breitere Diskussionsgrundlage zu schaffen, können Owener Bürgerinnen und Bürger, die über negative oder auch positive Erfahrungen mit DSL verfügen, diese zu Papier bringen und unter der Faxnummer 0 70 21/8 28 24 an den ersten stellvertretenden Bürgermeister Christoph Ensinger schicken.