Lokales

"Pädagogen sind zum Optimismus verpflichtet"

Am 1. Februar wurden am Nürtinger Lehrerseminar 130 Lehreranwärterinnen und 15 Lehreranwärter zum Beginn ihres Vorbereitungsdienstes vereidigt. Feierlich begrüßt wurden die jungen Kollegen mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Versöhnungskirche.

NÜRTINGEN Das Team mit dem klangvollen Namen "Spirit", unterstützt von Lehreranwärtern aus dem Vorgängerkurs, gab den neuen Lehreranwärtern mit auf den Weg, dass es gelingen könne, alle beruflichen Anforderungen mit Zuversicht und dem Vertrauen auf Gottes Hilfe zu meistern. Neben den Lehreranwärtern fanden sich zur Kurseröffnung im Lehrerseminar in der Neuffener Straße auch zahlreiche Gäste ein, darunter als Vertreter der Stadt Bürgermeister Rolf Siebert, Schuldekanin Carmen Trick und stellvertretend für die Ämter für Schule und Bildung der neue Amtsleiter aus Reutlingen, Gernot Schultheiß.

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Siebert porträtierte die Schul- und Kulturstadt Nürtingen und lud die Anwesenden ein, bei Gelegenheit einmal das Neckarufer oder die schöne Altstadt zu erkunden. Schuldekanin Trick sprach stellvertretend für die Kirchen das Grußwort. Gerade zurückgekehrt von der Weiberfasnet, gab sie nicht nur humorvolle Beobachtungen aus ihrer eigenen Schulpraxis zum Besten, sondern ermunterte die jungen Kollegen dazu, den Weg in die jeweilige Kirchengemeinde nicht zu scheuen.

Gelassenheit

Schultheiß nahm Bezug auf die Einstellungschancen und stellte die Aufgaben der Ämter für Schule und Bildung dar. Er wünschte den Lehreranwärtern im Hinblick auf die Übernahme in den Schuldienst Gelassenheit und unterstrich dieses Anliegen mit einer Erfahrung aus der eigenen Berufsbiografie. Er selbst habe nach dem Abschluss des Vorbereitungsdienstes in den 80er-Jahren zunächst kein Einstellungsangebot erhalten und es dann doch bis zum Amtsleiter gebracht. Er wünschte den neuen Kollegen neben beruflichem Engagement Optimismus und Humor, um die anstehenden Aufgaben im Schuldienst erfolgreich bewältigen zu können.

Direktor Siegfried Henzler eröffnete den neuen Kurs. Er stellte seine Gedanken zu einem zukunftsorientierten Lehren und Lernen dar. Henzler nahm Bezug auf den Pisa-Koordinator Andreas Schleicher, der im Dezember 2007 mahnte, dass trotz aller Fortschritte in der deutschen Bildungspolitik ein radikales Umdenken erforderlich sei. Die jungen Kollegen, so der Seminarleiter, würden den Lehrerberuf voraussichtlich bis ins Jahr 2055 ausüben. Sie würden Kinder und Schüler unterrichten, die bis etwa 2080 im Berufsleben stünden. Dies stelle Lehrer vor die Aufgabe, sich intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Ziele und Lernprozesse, angefangen bei der vorschulischen Erziehung bis hin zum Ende der allgemeinbildenden Schulzeit, Sinn ergeben.

Die Kernfrage müsse lauten, welche Kompetenzen Jugendliche benötigten, damit diese ihr Leben selbstständig und eigenverantwortlich gestalten könnten, um erfolgreich den Anforderungen im Beruf und im Privatleben in einer globalisierten Welt gerecht zu werden. Fachleute für Lernen, die kompetent seien, Lernprozesse zu initiieren und zu begleiten, würden dringend gebraucht.

Zentrale RessourceNeben den öffentlichen Schulen Baden-Württembergs suchten zunehmend Privatschulen und Schulen in ganz Europa nach qualifizierten Lehrkräften. Bildung sei die zentrale Ressource zur menschenfreundlichen und zukunftsorientierten Bewältigung künftiger Herausforderungen. Damit Bildung in diesem Sinne gelinge, seien Lehrkräfte den Kindern gegenüber zum Optimismus verpflichtet, so das Fazit des Seminarleiters. Den Lehreranwärtern wünschte er, dass sie ihre Ausbildungssituation auf dieser Basis annehmen könnten, und ermunterte die jungen Kollegen zu Eigeninitiative und Selbstbewusstsein. Wichtig sei, sich seiner persönlichen Stärken und Berufsneigungen bewusst zu werden, um diese im Laufe des Vorbereitungsdienstes zu professionellem Lehrerhandeln weiterentwickeln zu können.

Die Vertreter des Vorgängerkurses führten humorvoll in das Seminarleben unter der Überschrift "Sechs ultimative Überlebenstipps" ein. Die Ausführungen von Andre Riechert wurden mit viel Beifall bedacht. Musikalisch und tänzerisch umrahmt wurde die Kurseröffnung von Lehreranwärtern des Vorgängerkurses unter der Leitung von Seminarschulrat Gerhard Oberender und Fachleiterin Sabine Renner. Am Nachmittag erhielten die neuen Lehreranwärter von Henzler ihre Urkunde als Beamte auf Widerruf und legten den Amtseid für die Zeit des Vorbereitungsdienstes ab.