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Papier für mehr grenzüberschreitenden Verkehr

Die Lenninger Sportvereine rücken enger zusammen. Wer im Täle vielfach aktiv sein möchte, braucht künftig nur noch einmal zu bezahlen. Die Mitgliedschaft in einem der Lenninger Hauptvereine soll die Tür zu sämtlichen Sportangeboten öffnen. Der TSV Oberlenningen, der TV Unterlenningen und der TV Gutenberg unterzeichneten am Donnerstagabend einen entsprechenden Kooperationsvertrag.

BERND KÖBLE

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LENNINGEN Morgens zum Mutter-Kind-Turnen nach Gutenberg, am Nachmittag zum Aerobic-Kurs nach Oberlenningen und abends zur Skigymnastik nach Unterlenningen. Sportliche Vielfalt muss nicht teuer sein. Wer im Lenninger Tal künftig aus dem Vollen schöpfen will, braucht dafür nur noch einmal Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Mit der am Donnerstag im Oberlenninger Rathaus unterzeichneten Rahmenvereinbarung laden die drei größten Lenninger Sportvereine Experimentierfreudige zu einer unentgeltlichen Gastmitgliedschaft ein. Das Vereins-Hopping soll Neugier wecken und dabei auch helfen, Interessen und Ressourcen zu bündeln. Das ist nicht neu. "Synergieeffekte" heißt seit Jahren das Schlagwort, das in der Wirtschaft fast jedes Mittel heiligt und immer deutlicher auch für die Vereine im Land zur Überlebensfrage wird. Das Angebot der Lenninger ist daher auch ein Stück weit aus der Not geboren. Soll heißen: In den Lenninger Sporthallen wird es allmählich eng. Und nicht nur dort. Das Erstellen von Hallenbelegungsplänen ist in den meisten Sportvereinen längst zum unerbittlich geführten Kampf der Abteilungen um Quadratmeter und Minuten geworden. Weil schon die Bestandspflege inzwischen den finanziellen Rahmen vieler Kommunen sprengt, ist zudem der Sportstättenbau wohl auf Jahre hinaus zum Tabuthema geworden. Gleichzeitig stehen den Vereinen immer weniger ehrenamtliche Übungsleiter zur Verfügung, die bereit wären, die mühsam erstrittenen Kurs- und Trainingszeiten sinnvoll auszufüllen. Teamgeist statt Sektierertum, Weitblick statt Vereinsbrille. In Lenningen hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Nicht erst jetzt. Seit 1999 bereits arbeiten die drei größten Lenninger Sportvereine gemeinsam am Projekt "Sport im Lenninger Tal." Dass Gemeinsamkeit stark macht, beweisen die Handballer der SG Lenningen schon seit Jahren. Die sportliche Essenz der beiden Nachbarclubs und der Wille zur Zusammenarbeit verhalfen dem lange Zeit dahin dümpelnden Handballsport im Täle zu altem Glanz. Eine ähnliche Erfolgsstory könnte sich bei den Lenninger Geräteturnern anbahnen, die gerade dabei sind, sich den Staub vergangener Triumphe von den Schultern zu klopfen.

Doch Konzentration im Leistungssport ist nur eine Seite der Medaille. Die stetig wachsende Zahl der Seniorensportler und immer neue Trendsportarten schaffen auch im Breitensport dringenden Handlungsbedarf. Sie alle fordern ihren Anteil am Kuchen, der letztlich nicht beliebig teilbar ist. Das weiß auch Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht, der seine ehrenamtlichen Kräfte in den Vereinen deshalb an die Notwendigkeit erinnert, "Prioritäten zu setzen" und Kräfte, wo immer es geht, zu bündeln. Dem Rathauschef mag das Wohl der Vereine dabei nicht alleine als Leitmotiv dienen, denn die Lenninger werden auf dem Weg zur erhofften Ganztagesschule mehr denn je gefordert sein, Schule und Gemeinwesen eng miteinander zu vernetzen. Da scheint auch der Wunsch des TSVO-Vorsitzenden Ulrich Maier legitim, den Dialog zwischen Ehrenamt und Verwaltung mittels eines Sportausschusses im Gemeinderat zu intensivieren.

Als erster Schritt zu einem Lenninger Großverein wird der jetzt geschlossene Kooperationsvertrag dennoch kaum taugen. Dagegen sprechen gewachsene Strukturen in den ländlichen Vereinen und die geographischen Fakten im Lenninger Verwaltungsverbund. Denn noch immer gilt: Den Bruckener Sportler trennt von seinem Schopflocher Kollegen häufig mehr als nur der Albtrauf.