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Papier ist auch im Internet-Zeitalter noch ein "attraktiver Werbeträger"

Anlässlich ihrer gestrigen Jubiläumsfeier nahm die Papierfabrik Scheufelen ihre Gäste mit auf eine "Zeitreise durch die Papier-, Druck- und Werbebranche". Der Berliner Werbefachmann Professor Sebastian Turner orakelte dabei: "Die Zukunft der Werbung gibt es nur auf dem Papier."

ANDREAS VOLZ

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LENNINGEN Seit 150 Jahren besteht die Papierfabrik Scheufelen. Was sich in dieser Zeit alles getan hat, machten die Sängerin Sandra Hartmann und der Pianist Peter Schindler gestern am Beispiel beliebter Hits deutlich: Die Spanne reichte von der Strauß-Operette "Die Fledermaus" über "Lili Marleen" oder auch "Zwei kleine Italiener" bis hin zu "Schnappi", dem kleinen Krokodil.

Der nächste Ohrwurm lässt sich noch nicht vorhersehen, wohl aber die Zukunft der Werbebranche. Zumindest wagte Sebastian Turner, Vorstandsvorsitzender von Scholz & Friends, Berlin, einen Blick nach vorn: Neben einer starken Marke wie "Phönix" oder "Kunstdruckpapier" brauche es vor allem Mut zur Entscheidung. Das Potenzial kreativer, guter Einfälle solle man nicht durch Bedenken verschenken. Als Schöpfer der Werbekampagne "Wir können alles außer Hochdeutsch" legte Turner ein Beispiel vor, wie seine Branche ein neues geflügeltes Wort hervorbringen kann. Generell müsse sich die Werbung dem neuen Zeitalter der "Individual-Massenkommunikation" anpassen, wo unendlich viele Sender auf unendlich viele Empfänger treffen. Die Empfänger wiederum sind Turner zufolge noch stärker zu umwerben, weswegen er sie auch nicht als "Zielgruppe" bezeichnet wissen möchte, sondern als "Wunschkunden".

Dr. Jürgen Rautert, der es als Vorstandsmitglied der Heidelberger Druckmaschinen AG mit derselben "Wunschkunden-Zielgruppe" wie Scheufelen zu tun hat mit den Druckern , bescheinigte der Branche, dass sie noch viel Zukunft hat. Dasselbe gelte für den "attraktiven Werbeträger" Papier. Auch wenn Verzeichnisse wie Telefonbücher zunehmend dem Internet zum Opfer fielen, gebe es in anderen Bereichen noch Wachstumsraten: "Der Trend zum Vier- und Mehrfarbendruck nimmt deutlich zu. Das Ziel ist es, mehr Farbe auf den wunderbaren Grundstoff Papier aufzubringen. Da ist Scheufelen genau richtig positioniert."

Ministerpräsident Günther Oettinger leitete diese Positionierung der Firma Scheufelen in seinem Grußwort aus der Vergangenheit des Unternehmens ab: "Scheufelen stand immer für Innovation und Mut." Die Oberlenninger Papierfabrik habe immer als erste auf neue Technologien reagiert und zugleich stark auf Aus- und Weiterbildung gesetzt. Oettinger zollte der Familie Scheufelen wie auch der gesamten Belegschaft großen Respekt für die vergangenen 150 Jahre Unternehmensgeschichte.

Seit über 100 Jahren pflegt Scheufelen Geschäftsbeziehungen zur Heidenheimer Voith AG. Deren Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Michael Rogowski, der frühere Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie, erinnerte an die "Papiermaschine II", die 1903 von Heidenheim nach Oberlenningen geliefert wurde und die heute noch läuft. Für die Zukunft wünschte er sich, auch den Auftrag für eine "PM VII" zu bekommen.